100.000 Schritte an einem Tag: Nie wieder

1. Oktober 2026
4 Minuten Lesezeit

Es gibt diese Ideen, die auf dem Papier ziemlich lustig klingen. 100.000 Schritte an einem Tag zum Beispiel. Man denkt sich: Das sind halt viele Schritte. Ein bisschen laufen, viel spazieren, zwischendurch etwas essen und irgendwann ist die Apple Watch bei 100.000. So schwer kann das doch nicht sein. Spoiler: Doch. Am Ende standen 100.000 Schritte auf der Uhr und ich war komplett durch. Mein Fazit war entsprechend ziemlich eindeutig: Nie wieder.

04:33 Uhr: Start bei null

Um 04:33 Uhr ging es los. Die Apple Watch zeigte genau 0 Schritte und ich hatte noch das ziemlich angenehme Gefühl, dass der Tag ja gerade erst angefangen hatte. Zum Einstieg bin ich meine normale 10-Kilometer-Runde gelaufen. Nicht direkt Vollgas, sondern erstmal warm werden.

Mein Tempo lag dabei bei 5:21 min/km, also ungefähr 11,2 km/h beziehungsweise 7,0 mph.

Die Uhrzeit hatte allerdings auch einen kleinen Vorteil: Auf der Strecke war kaum jemand unterwegs. Dafür gab es erstaunlich viele Waschbären. Die haben offensichtlich ebenfalls einen frühen Start bevorzugt. Im Rucksack hatte ich ausreichend Wasser und ein paar verschiedene Getränke dabei, unter anderem Coke Zero und Sportgetränke.

Die Route ist wichtiger als man denkt

Wenn man tatsächlich 100.000 Schritte an einem Tag machen möchte, würde ich die Strecke vorher ziemlich genau planen. Dabei geht es nicht nur darum, möglichst viele Kilometer zusammenzubekommen. Viel wichtiger ist, dass man regelmäßig an Tankstellen, Supermärkten oder anderen Geschäften mit Toiletten vorbeikommt. Denn irgendwann wird eine Toilette deutlich wichtiger als die perfekte Route. Zum Glück gibt es reichlich Starbucks Stores!

28.000 Schritte und erstmal Frühstück

Nach ungefähr viereinhalb Stunden waren die ersten 28.000 Schritte geschafft. Zeit für Frühstück. Ich hatte mir vorher einen Bagel bestellt, konnte ihn direkt abholen und habe ihn dann einfach während des Weiterlaufens gegessen.

Das war natürlich kein klassisches Frühstück am Tisch. Aber bei einem Tag mit 100.000 Schritten geht es irgendwann eher darum, möglichst wenig Zeit zu verlieren. Pause machen kann man schließlich immer noch, wenn man fertig ist.

Die geplante Route funktioniert plötzlich nicht mehr

Nach dem Frühstück wurde meine vorher geplante Route allerdings von mehreren Baustellen sabotiert. Das ist bei einem normalen Spaziergang überhaupt kein Problem. Bei einem 100.000-Schritte-Tag wird aus so einer kleinen Umleitung aber plötzlich ein ziemlich großes Problem. Spontane Umplanung und die Suche nach einer neuen Route frisst viel Batterie vom iPhone. Dabei sei erwähnt: Eine große Powerbank ist extrem wichtig.

Zu diesem Zeitpunkt wusste ich außerdem noch nicht, wie weit ich am Ende tatsächlich laufen würde. Und wahrscheinlich war das auch ganz gut so.

Denn hätte ich zu diesem Zeitpunkt gewusst, dass ich später mehr als 80 Kilometer auf der Uhr haben würde und immer noch nicht fertig bin, hätte mich das vermutlich ziemlich entmutigt. Also habe ich einfach weitergemacht.

Zwischendurch schneller, zwischendurch langsamer

Die meiste Zeit war es jetzt kein klassisches Training mehr. Ich bin entspannt weitergelaufen und habe zwischendurch versucht, etwas Geschwindigkeit herauszuholen, wenn sich die Beine noch gut angefühlt haben. Der ursprüngliche Lauf mit 11,2 km/h bzw. 7,0 mph war längst vorbei. Jetzt ging es nicht mehr darum, eine bestimmte Pace zu halten. Es ging nur noch darum, weiter Schritte zu sammeln. Und davon braucht man bei 100.000 ziemlich viele.

70.000 Schritte: Jetzt wird es unangenehm

Bei ungefähr 70.000 Schritten wurde es richtig schwer. Füße und Beine fühlten sich plötzlich unglaublich schwer an. Das Interessante an so einer langen Belastung ist, dass man nicht unbedingt einen einzelnen Moment hat, an dem plötzlich nichts mehr geht. Es wird einfach alles Stück für Stück anstrengender.

Keine Kopfhörer mehr

Irgendwann habe ich dann auch die Kopfhörer weggelassen. Keine Musik mehr. Kein Podcast. Einfach nur noch laufen. Meine Apple Watch war trotz aktiviertem Low Power Mode inzwischen bei gerade einmal 14 Prozent Akku. Auch das wurde plötzlich zu einem kleinen Problem, über das ich vorher gar nicht wirklich nachgedacht hatte. Wenn man so lange unterwegs ist, wird jedes technische Detail irgendwann relevant. Und dann kam noch etwas ziemlich Merkwürdiges dazu: Mein linkes Ohr wurde taub und das Hören wurde schwieriger. Nach so vielen Stunden unterwegs fühlte sich einfach alles etwas seltsam an.

18:42 Uhr: 100.000

Um 18:42 Uhr war es dann endlich geschafft. 100.000 Schritte.

100.000.

Aber nach einem Tag, der um 04:33 Uhr mit 0 Schritten begonnen hatte, war es trotzdem ein ziemlich gutes Gefühl. Ich hatte es tatsächlich durchgezogen. Und direkt danach kam eigentlich nur ein Gedanke: Nie wieder.

Was ich beim nächsten Mal anders machen würde

Falls jemand tatsächlich darüber nachdenkt, selbst einmal 100.000 Schritte an einem Tag zu sammeln, würde ich vor allem drei Dinge vorbereiten.

Erstens: Die Route.

Nicht nur nach Entfernung planen. Tankstellen, Supermärkte und andere Orte mit Toiletten sollten Teil der Route sein. Baustellen und gesperrte Wege können bei einer normalen Runde egal sein, bei einem solchen Tag können sie richtig nerven.

Zweitens: Essen und Getränke.

Ein Frühstück, das man schnell abholen und unterwegs essen kann, war für mich ziemlich praktisch. Wasser und zusätzliche Getränke im Rucksack haben ebenfalls geholfen.

Drittens: Nicht zu schnell anfangen.

Die 5:21 min/km beziehungsweise 11,2 km/h bzw. 7,0 mph am frühen Morgen waren für die ersten 10 Kilometer okay. Aber 100.000 Schritte sind kein 10-Kilometer-Lauf. Die eigentliche Herausforderung kommt viele Stunden später.

3 Dinge, die funktioniert haben

  • Früher Start: Dadurch hatte ich einen großen Teil der Strecke hinter mir, bevor der Tag richtig angefangen hatte.
  • Getränke im Rucksack: Wasser, Sportgetränke und Coke Zero waren über den Tag verteilt ziemlich wichtig.
  • Frühstück unterwegs: Vorbestellen, abholen und beim Weiterlaufen essen hat unnötige Zeitverluste vermieden.

3 Dinge, die ich unterschätzt habe

  • Baustellen und Umwege: Eine geplante Route funktioniert nicht immer so, wie man denkt.
  • Die letzten 30.000 Schritte: Bei 70.000 Schritten fühlt sich das Ziel noch erstaunlich weit entfernt an.
  • Technik: 14 Prozent Akku auf der Apple Watch und eine leere Powerbank können die ganze Aktion über den haufen werfen.

100.000 Schritte: 04:33 bis 18:42 Uhr.

Jetzt habe ich es ausprobiert.

Nie wieder.

Nils Hünerfürst

Nils Hünerfürst

Nils Hünerfürst (geb. 1991) ist Mediengestalter für Bild und Ton und schreibt seit Jahren über Technik, Kultur und Videogames. Zwischen Kamera, Blog und dem Elternalltag verbindet er Beruf und Leidenschaft auf seine ganz eigene Art.

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Über Hünerfürst.de

Hünerfürst.de gehört seit 2009 zu den prägenden deutschsprachigen Blogs rund um digitale Netzkultur. Gemeinsam mit seiner Familie berichtet der Mediengestalter und Autor Nils Hünerfürst dort über Technik, Alltagskultur, gutes Essen und natürlich jede Menge Videospiele.

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