
Am Ende des Jahres 2025 kam unser drittes Kind auf die Welt. Während unsere ersten beiden Kinder in Deutschland, in Berlin genauer gesagt, zur Welt kamen, haben wir Nummer drei in Amerika bekommen. Der Altersabstand zwischen Zwei und Drei ist recht groß, trotzdem kann ich mich gut an das ein oder andere erinnern, sei es während der Schwangerschaft, Geburt oder im Säuglingsalter. Dabei gibt es Unterschiede. Große und Kleine, einige, die gar keinen Sinn machen, fragwürdige Dinge uvm. Ich habe mir früh in der Schwangerschaft Stichpunkte gemacht, um diese Unterschiede festzuhalten und irgendwann mal hier zu teilen. Mittlerweile ist das Baby 10 Monate alt und es wird Zeit mal darüber zu berichten. Was sind also diese Unterschiede? Kann es denn so unterschiedlich sein, ein Kind in Amerika vs. Deutschland zu haben? Ist das vor allem dem Massenkonsum und der schlechten Versicherungssituation in den USA geschuldet?
Schwangerschaft
Mit dem positiven Schwangerschaftstest in der Hand war mein erster Gang ins Internet, nach einer möglichen Praxis suchen, die nicht zu weit weg von zu Hause ist und die unsere Krankenkasse akzeptiert. Dabei kam die erste neue Hürde für mich. Während man in Deutschland meist einfach bei seiner gynäkologischen Praxis bleibt, sucht man hier direkt nach entweder einer Midwife (Hebamme) oder einem OB/GYN (obstetrician-gynecologist), was dem Gynäkologen gleichzusetzen ist, aber auf Schwangerschaft spezialisiert. Ein OB/GYN in Amerika hat ein medical degree, also einen Doktortitel, eine Midwife dagegen „nur“ einen Bachelor oder Master in dem bestimmten Fach. Ich habe eine Praxis an bündig an einem Krankenhaus gefunden, was nur 10 Minuten mit dem Auto von uns entfernt ist. Dort habe ich also mit geschätzten 5 Wochen in der Schwangerschaft angerufen und mir wurde gesagt, ich kann nach der 10. Woche gerne vorbeikommen. Eine Schwangerschaftsbestätigung ist hier in Amerika nämlich mit einem Pippi-Test erledigt. Der Unterschied zwischen OB/GYN und Midwife ist im Prinzip die Herangehensweise an die Schwangerschaft und Geburt. Vor allem aber behandeln OB/GYN’s Risikoschwangerschaften und sind bekannt für höhere Kaiserschnittraten während Midwifes eine natürlichere Herangehensweise mit wenigen medizinischen Eingriffen haben.
Die medizinische Begleitung während der Schwangerschaft ist ziemlich gleich. Alle vier Wochen darf man vorstellig werden. In den USA wird man immer gefragt, ob man häusliche Gewalt erlebt oder depressiv ist, ob man das Gefühl hat, noch Freude am Leben zu empfinden. Diese Fragen haben mich jedes Mal zum Nachdenken gebracht und ich habe mich oft gefragt, wie viele Menschen diese Frage anders als ich beantworten und was mit denen passiert. Zum Ende der Schwangerschaft habe ich mich auf das altbekannte CTG Schreiben eingestellt, das wurde aber nie gemacht. Das erste und einzige Mal CTG war im Kreißsaal.
Hebammen

Einer der Gründe für mich, warum ich in eine Krankenhaus-angebundene Praxis wollte, war neben dem kurzen Weg, auch, die Hebammen zu kennen, die mich bei der Geburt begleiten. In Deutschland habe ich damals zwar vor der Entbindung mal das gewünschte Krankenhaus besucht, die Hebammen waren aber immer Fremde, wenn auch beide Male unheimlich nette Personen, bei denen ich mich sofort sicher und wohlgefühlt habe. Schlussendlich war keine der Hebammen im Dienst, die ich während der vielen Stippvisiten kennengelernt habe. Was mich zu dem Punkt bringt, Hebammen in Deutschland haben es unnötig schwer, ihrem Beruf mit gutem Gewissen nachzugehen. Während es hier, zumindest in der Stadt, in der wir leben, Hebammen in einer Festanstellung gibt, davon reichlich, dass man sich nicht eine Hebamme während der Geburt mit drei anderen Müttern teilen muss, war es in Deutschland schon vor 8 Jahren schwierig eine Hebamme für zu Hause zu finden. Und auch hier gibt es einen bedeutenden Unterschied, es gibt Hospital-based-Midwifes und Home-based-Midwifes. Der klassische Weg, eine Hebamme für die Besuche zu Hause nach der Entbindung zu haben, ist hier nicht vorhanden. Home-based-Midwifes sind für Hasugeburten trainiert, wer darüber hinaus Hilfe möchte, muss sich eine Doula suchen. Und diese werden nicht von der Krankenkasse bezahlt.
Krankenhaus

Jede werdende Mutter im Kreißsaal wird bis zur Entbindung nüchtern gehalten. Das war für mich eine der schlimmsten Gegebenheiten. Ich hatte mir Snacks eingepackt und da ich mitten in der Nacht ins Krankenhaus musste war ich schon mehrere Stunden ohne Essen unterwegs. Ab einem bestimmten Punkt habe ich es im Kreislauf gemerkt und nachdem mir gesagt wurde, ich kann Brühe oder Tee trinken, habe ich mir einfach meinen Eiweißriegel und Apfelmusquetschie heimlich gegönnt. Da die Kaiserschnittrate exorbitant hoch ist, wird einfach jede Patientin für diese Option nüchtern gehalten. Da sehr viele Frauen künstlich eingeleitet werden, oft 2 Wochen vor dem errechneten Termin, kann ich mir vorstellen, dass es des Öfteren zu Komplikationen kommt. Trotzdem finde ich sollten Mütter, die mit Wehen kämpfen und gerne natürlich entbinden wollen, nicht ohne Essen da durch.
Ein weiterer merklicher Unterschied ist die Verfügbarkeit einer PDA. Schon 30 Minuten nach Wunschäußerung saß meine PDA, und das obwohl ich vorher nicht gesagt habe ich werde eine haben wollen. Jede PDA bringt dem Krankenhaus mehr Geld, so auch jede Einleitung. Nicht nur die Kosten der Medikamente, sondern auch die Zeitersparnis ist dabei von Bedeutung. Obwohl ich nach der PDA starke Wehen hatte und gut vorangekommen bin, wurde mir eine Einleitung nahegelegt. Und nur 20 Minuten später war mein Baby auf der Welt. Mir wurde im Kreißsaal erklärt, dass die Einleitung Sinn mache, da die Hebammen bald Feierabend hätten und ich dann unter einem Gynäkologen entbinden würde. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Einleitung unnötig war, die Hebammen aber vielleicht eine Quote erfüllen müssen. Wer weiß das schon.
In den Krankenhäusern in Washington DC gibt es auf der Wochenstation nur Einzelzimmer. In Deutschland dagegen habe ich immer mit anderen Müttern oder noch Schwangeren auf einem Zimmer gelegen. Und das ist einer der Unterschiede, die mehr Sinn machen. Privatsphäre grade als Erstmama, wenn man das Stillen lernt, finde ich viel besser. Auch wenn ich mich sehr einsam gefühlt habe, allein in einem kleinen Zimmer, Ruhe für das Baby und mich waren in dem Moment Gold wert. Und auch die Besuche können mehr genossen werden. Als ich in Berlin das erste Baby entbunden habe, war es wirklich schwierig, Besuch zu haben. Ich war auf einem 4-Bett-Zimmer, es hatte irgendwie immer einer Besuch. Bei den Erstmamas war natürlich der Papa auch die ganze Zeit da. Bei meinem zweiten Kind hatte ich das Glück, einen angrenzenden Raum mit Wickelkommoden und Sitzarea zu haben. Jetzt bei Nummer drei konnten die großen Kinder einfach in meinem ungemütlichen Krankenhausbett lümmeln und normal laut sein.
Das Baby im Krankenhaus

Sobald das Baby entbunden ist, bekommt es einen Monitor ans Bein. Das ist ein kleiner Tracker, so groß wie eine 2 € Münze. Das muss sein, wurde mir gesagt, um jederzeit sehen zu können, wo das Baby sich befindet. Und wie bei Klamotten im Geschäft, kann das nur mit einem bestimmten Gerät entfernt werden, sonst piept es. Was genau die Gründe dafür sind, habe ich nie nachgefragt. Das kann sich jeder selber ausmalen, wieso das so ist. Die Impfungen und erste U-Untersuchung laufen wie auch in Deutschland ab. Vitamin K, Hepatitis B gibt es schon im Krankenhaus. Was es hingegen nicht gibt, ist die zweite U-Untersuchung nach drei Tagen. Das war bei meinem zweiten Baby der Hauptgrund, warum ich die drei Tage im Krankenhaus geblieben bin, um diese Untersuchung nicht beim Kinderarzt machen zu müssen. Hier in den USA muss man dafür zum Kinderarzt. Deshalb bin ich auch nach 24 Stunden schon nach Hause gegangen. Es gab für mich keinen Grund zu bleiben. Ganz im Gegenteil, es gab genügend Gründe so schnell wie möglich zu gehen. Zum einen das ungemütliche Zimmer/Bett. Bei $800 pro Nacht, auch wenn es die Versicherung zahlt, gehe ich lieber nach Hause. Die Nurses haben mir davon abgeraten, zwar seien das Baby und ich gesund, alles liefe gut, vor allem das Stillen, aber ich solle lieber bleiben, hieß es. Ich vermute, dass es die herkömmliche Vorgehensweise ist, um das meiste Geld aus den Versicherungen zu squeezen. Ich konnte mir nichts Besseres in dem Moment vorstellen, als zu Hause zu sein, kurz zu duschen und mit Baby im Bett zu ruhen. In unserem Krankenhaus darf man sich nämlich niemals mit dem Baby im Arm beim Dösen erwischen lassen. Ich weiß nicht wie streng es in Deutschland ist aber hier wird einem das bei jeder Visite im Zimmer gesagt. Und auch Schilder an der Wand warnen davor. Und da es auf meinem Zimmer so extrem kalt war, die Klimaanlage war an, es war November, hatte ich eigentlich dauerhaft das Baby auf mir liegen. Zumal es keine Klamotten für das Baby gibt, sondern nur die hier bekannten Blankets (ähnlich wie Handtücher). Das habe ich bei allen Babys so gemacht und ist für mich ein wichtiger Teil des Wochenbetts. Natürlich liegt das Baby im Bettchen in der Nacht, aber am Tage oder beim Stillen in der Nacht eben nicht, zumindest nicht bei mir. Was passiert, wenn man erwischt wird, weiß ich nicht, ich habe es aber auch nicht darauf ankommen lassen. Somit hat uns die Familie nach nur 24 Stunden nach Hause gebracht.




