
Die 1993 gestartete Mangaserie von Hiroaki Samura ist nun mit „„Blade of the Immortal 12“ auf dem Weg zum Finale der Serie. Es spielt im feudalen Japan zur Zeit der Meiji-Ära, also kurz vor dem Umbruch in der japanischen Gesellschaft weg vom 250 Jahre währenden Isolationismus hin zum industriellen Nationalstaat und Großmacht. Dem Schicksal der verwaisten Rin und ihrem Leibwächter Manji folgend, entwickelt sich diese Serie vom Drama mit Comedy-Elementen hin zu einer politischen Geschichte zwischen Umsturz und Intrigen.
Nebst der Mangas hat „Blade of the Immortal“ zwei Animeadaptionen und eine serielle Adaption mit Schauspielern. Dieser Re-Print in der Perfect Edition des Ludwigsburger Verlags Cross Cult, dessen Imprint Manga Cult diese Ausgabe veröffentlichte, kommt in hochwertigem Druck und als Massivband daher.
Systemsturz und Verlust
Nachdem in den vorigen 11 Bänden ein großer Bogen gespannt wurde, begonnen beim Verlust der Eltern Rins, über die Anheuerung Manjis als ihr Leibwächter, entlang der Konflikte mit der Schwertschule Itto-Ryu, bis zu den politischen Verstrickungen, findet dieser Band einen kurzen Moment der Ruhe.

Manji ist aus dem Foltergefängnis und Humanexperiment-Labor Dank Rins Anstrengungen entkommen. Doch ihm fehlt noch immer ein Arm, der wie wir erfahren dürfen nun einem seiner Erzfeinde anheim gefallen ist. Der bereits in den ersten Ausgaben dieser Reihe geschaffene Antagonist Shira. Dieser anfänglich für Itto-Ryu kämpfende Ronin verliert seine Hände und folglich auch seinen Verstand. Seine persönliche Vendetta an Manji ist nun das einzige ihn antreibende Motiv. Umso perfider stellt sich also die Idee heraus, dass Shira Dank der regenerativen Kräfte Manjis durch den Blutzauber und Fluch, nun auch nahezu unsterblich sei. Ein Aufeinandertreffen der Zwei wird unausweichlich und explosiv ausgehen, wie wir in diesem Band erfahren.
Zur gleichen Zeit etwa paktiert die einst unter der Leitung der Regierung agierende Itto-Ryu gegen die neuen Amtsträger. Es geht sogar so weit, dass sie einen groß angelegten Bluff zu ihrem Vorteil nutzen und der lokalen Regierung mit blankem Stahl beweisen, wieso sie die größte Bedrohung im Lande sind. Man muss sich dabei ins Gewissen rufen, dass diese Geschichte zu einer Zeit spielt, die geprägt war von gesellschaftlichen, politischen und ökonomischen Umbrüchen. Japan befand sich auf dem Höhepunkt ihrer Isolationspolitik, bis dann durch Waffengewalt durch die Amerikaner eine Öffnung und der rapide Umbau eines gesamten Landes zur industriellen Großmacht erfolgen sollte.
Kritik

Nebst der immer schöner und ebenso konstanter illustrierten Panels in „Blade of the Immortal 12“ durch den Mangaka Hiroaki Samura, zeichnet sich dieser Band durch eine Bandbreite an emotionalen Einblicken in die Motive und Charakteristika der Figuren aus. Viele der bereits sehr umfangreich beleuchteten Charaktere erhalten nun erneut Raum und Zeit, sich weiter zu formen, zu wandeln, ins Positive wie ins Negative.
Der Rückgriff, der durch Kämpfe zusehends kleiner werdenden Schwertschule Itto-Ryu, auf Themen der Radikalisierung überraschen nun nicht mehr. Es scheint eine logische Konsequenz, diese immer weiter geschwächten Super-Samurai, da sie häufig Plot-Armour haben und einfach nicht sterben können, in die Ecke zu drängen und so zu immer noch härteren Maßnahmen gegen die Regierung greifen zu lassen. Umso eindrucksvoller sind dennoch die ausgetragenen Kämpfe und die Beobachtung dieser sich bahnbrechenden Radikalisierung.
Ebenso interessant ist die sich zuspitzende Geschichte rund um Manji und Rin. Ohne all zu viel vorweg zu nehmen, kann gesagt werden, dass sich bisherige Vermutungen und emotionale Entwicklungen verfestigen.




