Blade Runner 2029: 2 – Echos

28. April 2022
2 Minuten gelesen

In einer Welt, in der Maschinen aussehen wie Menschen und doch nicht gleichberechtigt sind, ist ein Konflikt unumgänglich. Dass die von Philipp K. Dick verfasste Vorlage „Träumen Androiden von elektrischen Schafen?“ mal zu einem zweiteiligen Film-Franchise würde, hätte dieser sicherlich nicht erwartet. Diese alternative Realitätsvorstellung der nahen Zukunft konnte sogar so viele Menschen begeistern, dass sich der Autor Mike Johnson und Zeichner Andrés Guinaldo diesem Material widmeten.

Der zweite Band der „Blade Runner 2029“ mit dem Titel „Echos“ erscheint als Paperback bei Panini Comics und bietet viel zusätzliches Material zur Entstehung, Konzeptionierung der Figuren und mit Skripten dieser Ausgabe.

Wie es hineinschallt, schallt es heraus

Im vorigen Band fand ein Anschlag auf einen der wichtigsten Bauten der Stadt Los Angeles statt. Verantwortlich dafür ist der um den Anführer Yotun agierende Untergrund aus Replikanten – ebenjene Maschinen mit menschlichem Antlitz, aber übermenschlichen Fähigkeiten. Sie werden für die Erhaltung des Lebens oder den Luxus der Menschen benutzt und ausgebeutet wie Sklaven. Yotuns Überleben gilt als unmöglich, da er seine Laufzeit bereits mehrere Jahre überschritten haben müsste. Dennoch gelingt es ihm mithilfe seines Kults, die Stadt weiterhin in Terror zu versetzen. Die Lösung des Umgehens seines Ablaufdatums erfährt man in dieser Ausgabe.

Die Blade Runnerin (also staatlich angestellte Kopfgeldjägerin der Replikanten) Ash gerät zwischen die Fronten. Bei ihrem Versuch, den Anführer des Untergrunds dingfest zu machen, wird sie überwältigt und muss sich einer seelisch fordernden Prozedur unterziehen. Sie wird von ihren gejagten und für tot geglaubten Replikanten mit ihren Taten konfrontiert. Weiterhin greift Yotun im Sinne seiner allmächtigen Selbstwahrnehmung in die Physis von Ash ein. Sie leidet an ihren Rückenschmerzen, die durch den Kultführer und seinen bionischen Werkzeugen scheinbar geheilt wurden.

Yotuns Ziel bleibt es jedoch weiterhin, die Welt in eine gerechtere, für Replikanten freiere und gleichberechtigte Welt zu wandeln. Dafür scheint ihm jedes Mittel recht. Er entführt Freysa, die Geliebte der Blade Runnerin Ash, und infiltriert gewaltvoll das Hauptgebäude der städtischen Polizei. Er will die Menschen ob der anstehenden Veränderungen in Kenntnis setzen und zeigt sein Gesicht der Öffentlichkeit. Ash will Freysa befreien, verhindern, dass noch mehr Menschen sterben und Yotun zur Strecke bringen. Wird das die Revolution aufhalten können? Kann sie die übermächtigen Replikanten stoppen?

Der Stil

Andrés Guinaldos Zeichnungen strahlen eine klare Struktur und saubere Linien aus. Der Detailgrad ist eben genau richtig; nicht zu überladen oder zu wenig. Die von ihm gestalteten Szenarien sind sehr filmisch, erinnern daher auch des Öfteren an Shots aus bekannten Actionfilmen und lassen den Lesefluss ganz leicht von Seite zu Seite wandern. Hinzu kommt, dass die Panelstruktur sehr regelmäßig ist und wenig Extravagantes zeigt. Dies gibt den umwerfenden und teils eindrucksvollen Splashpages jedoch genau den richtigen Platz, um zu wirken. Das Figurendesign ist schlicht, frisch und zeigt interessante Perspektiven und Expressionen. Die Koloration von Marco Lesko gibt den Szenen ihre futuristisch-dystopische Wirkung, streng nach dem filmischen Vorbild. Hinsichtlich der visuellen Atmosphäre kann man dieser Reihe – im Speziellen dieser Ausgabe – nichts vorwerfen.

Fazit
Der zweite Teil von „Blade Runner 2029“ fügt sich seiner Funktion als Bindeglied zum abschließenden dritten Paperback. Es ist leider nur ein zweiter Teil, ein kleiner Höhepunkt, eine Klimax, die trotz ihrer großen Auswirkungen dennoch wie ein Sturm im Wasserglas wirkt. Man kann dieser Reihe nicht viel vorwerfen was die künstlerischen und erzählerischen Qualitäten anbelangt. Dennoch vermag es einfach nicht vollständig zu überzeugen, einen in den Bann zu ziehen und im Kopf hängen zu bleiben. So schnell, wie man sich durch diese Geschichte zwischen Revolution und Rettungsversuch durchblättert, so schnell ist sie auch wieder vergessen. Zutreffend ist diese Beschreibung allerdings auch für andere Titel und somit nicht zwingend negativ zu bewerten.
Pro
Fesselnde Erzählung, die Konflikte zwischen Replikanten und Menschen mit klarer und filmischer Kunst erforscht.
Kontra
In der Übergangshandlung fehlen möglicherweise herausragende Momente und gelegentliche Vorhersehbarkeit.
9.8

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Über den Autor

Lars Hünerfürst

Minimalistisch und musikalischer Comic Enthusiast - lief zu Fuß von Berlin nach Paris.

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