BRZRKR 2

28. August 2022
2 Minuten gelesen

Die von Keanu Reeves und Matt Kindt geschriebene Superheldengeschichte des unsterblichen Berserkers Ubunte geht weiter.

Dieser in den USA bei Boom! Studios publizierte Comic war zum Zeitpunkt seiner Veröffentlichung mit über 600.000 verkauften Ausgaben die meist gekaufte Nummer. Ob der Hype um diese per Crowdfunding finanzierte Reise um den von Ron Garney illustrierten Anti-Helden so erfolgreich weitergeht, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abschätzen. Die Freude bei den Fans liegt zwischen Ekstase und Enttäuschung.

Diese zweite von drei Ausgaben erscheint im Soft- und Hardcover bei Cross Cult und bietet eine mehr als übervolle Cover-Galerie im Anhang.

Was ist der Sinn des Lebens?

Diese große Frage stellt sich der Held in dieser Ausgabe. Alles steht nun unter dem Stern der Sinnsuche. Im vorigen Band endeten wir mit dem Versuch der Wissenschaftlerin Diana, ein engeres Verhältnis zum freiwilligen Probanden Ubunte herzustellen. Dort schließt diese Ausgabe nahtlos an. Sie steht vor seiner Tür und eröffnet ihm die „ganze Wahrheit“ über die Versuche und das Ziel der Experimente mit seinem Bewusstsein. Schnell wird klar, dass sie jedoch keineswegs in alle Details eingeweiht ist und sich noch mehr hinter den Tests am Unsterblichen verbirgt.

Gemeinsam versuchen sie in die Jahrtausende alten Erinnerungen einzudringen und so möglicherweise den Schlüssel für seinen Ursprung zu finden. Sie versprachen dem Titelhelden, der immer noch sehr wie eine Comic-Adaption Keanu Reeves aus „John Wick“ aussieht, einen Weg zu finden, ihn sterblich zu machen. Während des Eindringens in die Erinnerungen erleben wir, wie Ubunte hunderte Versuche unternahm, einer menschlichen Bestimmung, einem Sinn des Lebens nahezukommen. Er versuchte Vater zu werden. Jedes Kind starb, egal in welcher Epoche. Immer wieder war der Tod schneller als seine Kraft des unendlichen Lebens. Man kann daran zweifeln, ob der Sinn eines jeden menschlichen Lebens darin besteht, ein Kind zu zeugen. Dies jedoch nur am Rande.

Als dann klar wird, dass mit einem weiteren und noch extremeren Versuch geliebäugelt wird, stellt sich der Comic weitere Fragen über die Existenz und Verantwortung gegenüber dem Menschen. Die Forscher der Labore in den USA hätten herausgefunden, dass seine Wanderungen und die damit einhergehende Verbreitung von Technologie ein die Entwicklung des Menschen vorantreibender Faktor sei. Nun wird die Verantwortung gegenüber der Menschheit – vor dem Hintergrund Jahrtausende beinhaltender Erinnerungen – mehr und mehr in den Vordergrund gestellt. Zu einer Lösung der Frage kommt dieser Band allerdings noch nicht.

Dafür jedoch erhält man, wie auch in der ersten Ausgabe, viele brutale Kampfszenen und Massenschlachten. Immer wieder beweist der Comic, dass es nicht um tiefgreifende philosophische Fragestellungen zum Sinn des Lebens oder existenziellen Dilemmata geht, sondern einfach ein Popcorn-Comic bleibt. Zwar ist dieser etwas angereichert mit „Philosophie-Light“ und so manchem bekannten Konzept aus anderen medialen Erzeugnissen, revolutionär ist die Geschichte dadurch jedoch nicht.

Der stil

Leseprobe aus dem zweiten Band von Keanu Reeves‘ Comic-Debütreihe „BRZRKR“. (Copyright: Cross Cult)

Der Zeichenstil Ron Garneys zeigt eine rohe und klare Ästhetik. Man kann es mögen, dass manche Figur, Mimik oder Hintergründe nur angedeutet und fast skizziert wirken. Jedoch ist es auch ein guter Grund, die Bilder dieses Comics – insbesondere vor dem Hintergrund der Handlung – als noch mehr vom Selben und somit oberflächlich und grob zu bewerten. Etwas mehr Liebe zum Detail und die Wirkung wäre eine grundlegend andere. Es erinnert an so manchen schnell produzierten Superhelden-Comic, dessen Deadlines immer zu knapp sind. Allerdings funktioniert diese Art der Darstellung auch sehr gut in vielen Szenen. Denn immer wieder werden auch Ansichten von Landschaften, abstrakten Sphären und Kämpfen gezeigt, die überzeugend gut sind und sehr viel Spaß machen.

Die schönen Ideen des Layouts und der Panelaufteilung, die so manche Doppelseite auflockern und den Erzählfluss sehr stimmig machen, stechen sehr hervor.

Auch ein Grund dafür ist die Kolorierung durch Bill Crabtree, dessen Arbeit immens viel an der Wirkung dieser Ausgabe zuteil hat. Sehr stimmig und in seiner Stimmung sehr das Werk unterstützend.

Fazit
„BRZRKR 2“ liefert wieder brachial und hemmungslos gewaltvoll ab. Die Hauptfigur gewinnt ein wenig an Tiefe; dies zwar nur in einigen Szenen, doch genau dann wird das Leiden des ewigen Lebens umso deutlicher. Es ist eine Geschichte, die zunehmend ins Spirituelle und Mystische abwandert, sich dabei aber nur mäßig viel Platz lässt, diese wirken zu lassen. So unvermittelt man in die Gefühlswelten eines Unsterblichen eintaucht, so hart und gnadenlos prügelt, schießt und hackt sich dieser auch wieder dort heraus. Es ist ein unterhaltsamer Comic, der seine Balance zwischen den großen Fragen des Lebens und massiver Gewalt zu finden versucht. Bisher wirkt es ausgewogen und macht Spaß, es liest sich zudem sehr schnell und leicht. Ein perfekter Comic-Snack für Fans von Splatter-Filmen und semi-mystischen Figuren.
Pro
Fortsetzung einer fesselnden und actionreichen Erzählung, Auseinandersetzung mit existenziellen Fragen, wirkungsvolle Layout- und Panelgestaltung, starke Farbarbeit.
Kontra
Charakterdesigns gefallen möglicherweise nicht jedem, die rohe und skizzenhafte Ästhetik könnte als detailarm empfunden werden, philosophische Aspekte bleiben eher oberflächlich.
9.2

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Über den Autor

Lars Hünerfürst

Minimalistisch und musikalischer Comic Enthusiast - lief zu Fuß von Berlin nach Paris.

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