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Cranioform – Erfahrungsbericht #Ellternalltag

Cranioform Berlin – warum wir uns dafür entschieden haben

Kurz nach der Geburt unseres Sohns im Jahr 2019 haben wir gemerkt, etwas stimmt nicht. Er lag immer auf der Seite, streckte sich ständig über und konnte auf biegen und brechen nicht in unserer geliebten Kokadi Tai getragen werden. Schnell wurde uns Physiotherapie verschrieben, da sich langsam eine seitliche Abflachung des Kopfes entwickelte. Von einer begleitenden Helmtherapie wurde uns aber abgeraten. Warum kam es dann doch dazu?

Keine Frage, die Physiotherapie hat uns und unserem Sohn so viel geholfen! Wir hatten eine ganz tolle Therapeutin bei der Praxis Berendes & Heinlein in Wittenau und haben schnell die Überstreckung in den Griff bekommen. Somit konnten wir auch der Gefahr vorbeugen, dass er später Probleme beim Laufen lernen hat. Die Vorliebe für die rechte Seite hatten wir schnell im Griff. Trotzdem wurde die Abflachung des Kopfes auf der rechten Seite einfach nicht weniger.

Unsere Physiotherapeutin gab uns den Tipp, mal bei Cranioform vorstellig zu werden. Gesagt, getan. Ein Anruf später und ich hatte einen unverbindlichen Termin. Die Praxis ist in Berlin, direkt neben dem Charite-Virchow-Klinikum. Dort wurde erstmal eine Bestandsaufnahme gemacht. Der Kopf wurde mit Maßband und Zange vermessen und anschließend wurde ein 3D-Bild angefertigt. Einen guten Tag später kam dann das Ergebnis per Mail. Plagiocephalus (Abflachung des Hinterkopfs) rechts und frontale Beteiligung links, heißt, die Stirn stand links weiter vor, dazu noch ein ear-shift und eine Gesichtsasymmetrie. Hört sich erstmal alles schlimm an, es handelt sich aber nur um Verschiebungen im cm-Bereich. Bei uns lag die Asymmetrie bei 1,7cm. Ich habe schnell gelernt, diese Zahl ist das absolute go-to wenn man in Foren liest und sich austauscht. Und das Ziel ist es, diese Zahl auf 0,0cm zu bekommen bzw. so nah dran wie möglich.

Ich möchte kurz darauf eingehen, warum denn diese Asymmetrie behandelt werden sollte, ganz abgesehen von der äußeren Erscheinung. Bei nichtbehandeln kann es zu Kieferproblemen kommen, die in der Behandlung schmerzhaft und teuer sein können. Weiterführend können ständige und starke Kopfschmerzen auftreten.

Übernimmt das die KK? Und was kostet denn das überhaupt?

Der Preis ist individuell aber immer im gleichen Rahmen. In unserem Fall lag er bei 1.819€. Inkludiert sind der Helm und alle weiteren Termine zur Helmanpassung. Keine versteckten Kosten. Reicht ja auch, denke ich. Wir haben hin und her überlegt und natürlich erstmal bei unserer Krankenkasse angerufen. Die Kosten können übernommen werden wenn es einen ärztlichen Befund gibt. Diesen bekommt man zum Glück gleich von Cranioform dazu. Wir haben also erstmal alles gezahlt und die Rechnung dann an die Techniker Krankenkasse übermittelt. Es gab einen Teil zu Beginn zurück und den Rest bei Abschluss der Therapie. Ich kann hier aber nur von der Techniker Krankenkasse reden. Diese hat festgelegt, ab einer Asymmetrie von 1,4cm gibt es mit ärztlichem Befund eine Rückerstattung. Andere Krankenkassen sind da leider nicht so weit. Man findet schnell raus, dass es viele Rechtsstreits gibt wegen Verweigerung der Kostenübernahme bei anderen Kassen. Ein kleines shoutout an die TK – wir waren bisher immer zufrieden!

Die Therapie

Der Helm war nach 2 Wochen dann fertig und wir sind zur Anpassung hin. Es handelt sich um einen weißen Helm, leichtes Material, ähnlich wie Styropor. Er wird regelmäßig von innen ausgefräst, damit der Kopf sozusagen in eine gewollte Form wächst. Das ist auch der Grund, warum solch eine Therapie früh begonnen werden sollte. Der Kopf wächst besonders schnell in den ersten 1,5-2 Jahren, in dieser Zeit kann man viel in kurzer Zeit erreichen. Getragen wird der Helm 22-23 Stunden am Tag. Zur Reinigung gibt es ein Tuch und ein Rezept für Ethanol. Wir hatten noch Glück, die Corona-Zeit fing grade an und der Alkohol in den Apotheken wurde aufgekauft. Wir haben noch eine Flasche bekommen.

Unsere Therapie dauerte 8 Monate. Den Sommer über trug unser Sohn tapfer seinen Helm. Aber es gab tatsächlich weniger Probleme als erwartet. Man muss natürlich die Klamotten besonders im Sommer reduzieren, da die Wärme über den Kopf nicht so abgegeben wird. Im Winter bräuchte man natürlich besonders große Mützen, die über den Helm passen. Hier und da ein Aufkleber verschönern natürlich den Helm. An die Blicke anderer Leute haben wir uns schnell gewöhnt. Ich hätte gedacht, dass mehr Fragen dazu kommen würden, war aber nicht so.

Womit man doch zu kämpfen hat, ist der Geruch. Unser Sohn schwitzt eh schon stärker, mit dem Helm hatte er dauerhaft nasse Haare. Jeden Abend wenn der Helm abgemacht wurde roch es etwas stärker. Der Alkohol hat da nicht viel geholfen. Die Haare haben wir ständig gewaschen aber der Geruch hing natürlich im Helm. Aber auch diese Zeit haben wir überstanden.

Ich kann über Cranioform nur positiv berichten. Wir haben unser Ziel erreicht, der Kopf ist wieder symmetrisch und ist es auch geblieben. Den Helm habe ich für spätere Erinnerungen tief in einem Karton mit alten Kinderklamotten verstaut und auf dem Dachboden eingelagert.

Annegret Hünerfürst

Geboren in der selben Woche, in der die erste Website online kam - gelernte Diätassistentin und Mutter von zwei Kindern

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