Deliver At All Costs – Isometrisches Chaos

17. August 2025
1 Minute Lesezeit

Als Deliver At All Costs auf einer Gameshow angekündigt wurde, hatte ich direkt Lust drauf. Der Entwickler Far Out Games aus Schweden hatte sich für dieses Projekt gegründet und Konami fungiert als Publisher. Dass ein neues Studio mit ihrem Erstprojekt von einem großen Publisher unterstützt wird, ist sehr selten. Der Release folgte ein halbes Jahr später – und eine Demo kam auch noch hinterher. Ich bin mittlerweile durch mit dem Spiel und kann mir nun ein Urteil erlauben.

Far Out Games ist ein junges Indie-Studio aus Göteborg, das sich für dieses Projekt komplett neu formiert hat. Man merkt schnell: Das Team hat einen klaren kreativen Anspruch und will kein Standard-Actionspiel abliefern, sondern eine Mischung aus Abenteuer, Erzählspiel und absurdem Roadtrip. Dass Konami hier den Publisher-Part übernommen hat, sorgt nicht nur für eine solide technische Umsetzung, sondern auch für eine gewisse Qualität, die vielen Indie-Neulingen fehlt.

Die Geschichte

Die Handlung beginnt simpel: Du bist ein Kurierfahrer, der einen mysteriösen Auftrag annimmt. Was wie ein Routinejob wirkt, entwickelt sich schnell zu einer Reise voller seltsamer Begegnungen, mysteriöser Zwischenfälle und bizarrer Wendungen. Das Spiel zieht sich von amerikanischen Kleinstädten über Industriegebiete bis in surreale Traumwelten.

Mit der Zeit wird die Story immer abgedrehter – skurrile Nebenfiguren, absurde Dialoge und Momente, die zwischen Humor und Drama schwanken. Für meinen Geschmack war gegen Ende etwas zu viel Drama drin, das Tempo hätte an manchen Stellen gestrafft werden dürfen. Trotzdem: Die Mischung aus Absurdität und emotionalen Momenten war amüsant.

Gameplay

Deliver At All Costs ist ein Third-Person-Abenteuer mit Erkundungs-, Fahr- und Rätselpassagen. Die Kernmechanik: Fracht von A nach B bringen – aber die Routen sind selten direkt. Unterwegs musst du Hindernisse umfahren, kleine Rätsel lösen oder dich in kurzen Minispielen behaupten.

Auf dem Steam Deck lief das Spiel durchgehend flüssig, auch ohne Cloud Connection oder Remote Play. Die Steuerung ist simpel, aber präzise genug, um sowohl Fahrten als auch On-Foot-Abschnitte angenehm zu gestalten.

Mit der Spielzeit von rund 12–14 Stunden ist Deliver At All Costs für den günstigen Preis erstaunlich umfangreich. Besonders im letzten Drittel kippt der Ton ins Absurde – wer mit einer Prise „Was zur Hölle passiert hier gerade?“ umgehen kann, wird Spaß haben. Wer eine nüchterne, bodenständige Story sucht, könnte allerdings etwas überfordert sein.

Deliver At All Costs auf dem Steam Deck
Ist okay
Deliver At All Costs ist ein mutiger Genre-Mix, der Roadtrip-Atmosphäre, Erkundung und eine zunehmend absurde Geschichte miteinander kombiniert. Das Debüt von Far Out Games zeigt, wie ein frischer Ansatz mit einer soliden Umsetzung und einem guten Publisher im Rücken funktionieren kann. Ja, gegen Ende verliert sich die Story etwas in Drama und überdrehter Inszenierung – aber bis dahin ist die Reise charmant, überraschend und oft auch richtig witzig. Für den Preis ein echter Geheimtipp, vor allem für Spieler, die Lust auf etwas Ungewöhnliches haben.
Pro
Einzigartige Mischung aus Roadtrip, Erkundung und Rätseln – unverbrauchtes Setting
Skurrile und abwechslungsreiche Story – bleibt lange unvorhersehbar
Sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis – viel Inhalt für wenig Geld
Kontra
Gegen Ende etwas zu viel Drama – hätte kürzer und pointierter sein können
Manche Gameplay-Abschnitte ziehen sich – besonders in der Mitte
Sehr abgedrehte Story – nicht jeder kommt mit den Tonwechseln klar
6
Nils Hünerfürst

Nils Hünerfürst

Nils Hünerfürst (geb. 1991) ist Mediengestalter für Bild und Ton und schreibt seit Jahren über Technik, Kultur und Videogames. Zwischen Kamera, Blog und dem Elternalltag verbindet er Beruf und Leidenschaft auf seine ganz eigene Art.

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Über Hünerfürst.de

Hünerfürst.de gehört seit 2009 zu den prägenden deutschsprachigen Blogs rund um digitale Netzkultur. Gemeinsam mit seiner Familie berichtet der Mediengestalter und Autor Nils Hünerfürst dort über Technik, Alltagskultur, gutes Essen und natürlich jede Menge Videospiele.