Die Arche Neo

Die Sorge um das Tierwohl ist eine gesellschaftliche Errungenschaft. Einige einflussreiche Denker der letzten Jahrtausende haben dazu ebenfalls Wichtiges festgestellt.

Die Grösse und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie ihre Tiere behandeln.

Je hilfloser ein Lebewesen ist, desto grösser ist sein Anrecht auf menschlichen Schutz vor menschlicher Grausamkeit.

(Mahatma Gandhi)

oder

Alles, was der Mensch den Tieren antut, kommt auf den Menschen zurück.

(Pythagoras)

So ist es nicht verwunderlich, dass antropomorphisierte (vermenschlichte) Tiere zu den beliebtesten Figuren aus Animation- und Zeichentrickfilmen gehören. Walt Disney hat damit einen gesamten Multimilliardenkonzern ins Leben gerufen.

Doch wie steht es wirklich um das Wohl der Tiere? Wie geht es den Tieren auf Schlachthöfen, auf Bauernhöfen und welche Gedanken könnten sie umtreiben? Diesen Fragen widmet sich die beim Splitter-Verlag erscheinende und noch laufende Comic-Reihe „Die Arche Neo“. Geschrieben hat sie Stéphane Betbeder und wurde zeichnerisch fabelhaft von Paul Frichet umgesetzt.

Die Handlung

Copyright: Splitter-Verlag

Neo ist ein Schwein, ein sehr glückliches Schwein zudem. Als er noch ein kleines Ferkel war, avancierte er zum Social-Media-Star und erhielt seine eigenen Merchandise-Artikel und ein Instagram-Profil. Doch wie jeden Star im Show-Business überholte auch ihn das Alter. Er war nicht mehr süß genug und sollte geschlachtet werden. Einige Tierschützer adoptierten die schweinische Berühmtheit und gaben ihm einen Platz auf ihrem Bauernhof. Dort lebt in Gesellschaft unterschiedlichster Tiere wie Hund, Katze, Kühen, Hühnern und Schafen.

Das Leben scheint sorglos zu sein, denn er träumt beim Fernsehen im Wohnzimmer davon einmal das „Big-Island“ besuchen zu können. Dort würden nämlich „Menschenweibchen mit Zitzen in Beuteln, die den Schweinen Küsschen geben“ (Die Arche Neo 1, Splitter-Verlag) hinfahren. Ein wahres Paradies für Neo.

Doch es kommt alles ganz anders. Eines Abends stürmt die Polizei das Gelände, verhaftet die Tierschützer und sperrt die Tiere ein. Diese sollen dann größtenteils zum Schlachthof abgeführt werden. Nur Neo, der Hahn Ferdinand, Soasig das Schaf und im späteren Verlauf auch die Kuh Renate können sich befreien. Sie machen sich auf den Weg durch die „Wildnis“, überqueren Straßen und suchen ihre Freunde im Schlachthof. Eine waghalsige Reise beginnt.

Interessant an dieser Reihe ist, dass die Perspektive der Tiere versucht wird (natürlich nur aus menschlicher Sicht hineinprojiziert) anzunehmen und den Gedanken und Ängsten Platz eingeräumt wird. Schweinchen Babe war gestern, dieser Comic geht sehr viel weiter und ist zudem um einiges schonungsloser in seiner Darstellung und Handlung. Daher gilt definitiv die Empfehlung an Eltern, sich diesen Comic vorerst selber durchzulesen und mögliche Schock-Bilder erstmal der Tauglichkeit fürs eigene Kind nach zu bewerten.

Der Stil

Dem Zeichner Paul Frichet ist eine wundervolle Fusion gelungen. Die teils realistischen Tierdarstellungen, die atmosphärischen Umgebungen und die menschlichen Expressionen derer die Tiere fähig sind machen dieses Werk zu einem ganz besonders schönen optischen Erlebnis.

Copyright: Splitter-Verlag

Zudem sind Fell- und Federstrukturen der Protagonistinnen so fabelhaft detailliert, dass es eine wahre Freude ist die Tiere auf ihrer Reise zu begleiten. Sicherlich mag dies auch daran liegen, dass die digitale Koloration vielschichtig und mehr als treffend ist. Dem Künstler ist es gelungen einen täuschend echten Aquarelllook zu kreieren. Selbst die Schattenwürfe sind oft mehrschichtig und mehrfarbig und wirken im Vergleich zu manchem Superhelden-Comic wie überragende Kunst.

Die Panelstrukturen und Erzählgeschwindigkeit durch die Sprechblasenplatzierung ist recht konventionell und machen keine großen Experimente. Die Geschichte wird ganz schlicht und sauber erzählt. Der kleine Kritikpunkt an diesem ersten Band ist, dass es keine Splashpage gibt, die sich bei eben solch fantastischen Zeichnungen definitiv lohnen würde.

Fazit

„Die Arche Neo“ ist eine wundervolle, wenn auch die Romantik nehmende, Geschichte über eine Gruppe von Tieren auf dem Weg in ihre eigene Freiheit. Die Gespräche sind witzig, nachdenklich und geben den Figuren etwas greifbares, echtes. Die Spannung ist hoch, denn ganz ohne Cliff-Hänger kommt dieses Werk nicht aus. Im März wird der nächste Band erscheinen und es wird sicherlich ein ebenso großartiges zweites Kapitel ihrer gemeinsamen Reise.

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