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Doctor Strange in the Multiverse of Madness

2022 scheint das Jahr der multiversalen Medienerzeugnisse zu sein oder zu werden. Nachdem „Everything Everywhere All at Once“ schon für Begeisterungsstürme unter Kritikern gesorgt hatte, lieferte nun das Hause der Ideen seinen Film. Mit „Doctor Strange in the Multiverse of Madness“ knüpft das Marvel Cinematic Universe nun einen Teppich diverser farbenfroher Neuerungen und alter Motive zusammen. Der vom Regisseur Sam Raimi abgedrehte Film konnte bereits am Eröffnungswochenende mit satten 185 Millionen Dollar Einnahmen einen guten Start verbuchen.

Der charmante Benedict Cumberbatch als Dr. Stephen Strange und Elizabeth Olsen als Wanda Maximoff aka Scarlet Witch tragen diesen Film mit ihrem facettenreich Spiel in den Hauptrollen. Wie immer steht Benedict Wong in seiner Rolle als magischer Kämpfer und bester Freund dem eitlen Stephen Strange als Wong zur Seite. Zudem darf die bisher nur in Kurzfilmen oder Serien in Erscheinung getretene Xochitl Gomez ihre erste Rolle in einem Blockbuster verkörpern, die der America Chavez. Mit vielen weiteren namenhaften Schauspielern, die im Spoiler-Teil dieses Beitrags vorkommen, geht der Film mit einem zahlreichen Figurenkanon auf das Publikum los.

Das ist Wahnsinn…

Im vorangegangenen MCU Film, „Spider-Man: No Way Home“, deutete sich bereits an, dass das Multiversum ein spezielles Motiv innehat. Es ist das Motiv des alternativen Ichs, das zur Schau stellen des Selbst, das man nie gelebt hat, konnte oder wollte. Diesem Thema zu Grunde liegt dieser Film in allen Phasen. Für diesen Film lohnt es sich die Mini-Serie „WandaVision“ gesehen zu haben. Allerdings ist es kein Muss, um folgen zu können, denn nötiges Vorwissen wird in kurzen Nebensätzen erklärt.

Der 2 Stunden 6 Minuten lange Ritt beginnt mit einer Verfolgungsjagd in der Schnittstelle der Multiversen. Strange und America Chavez sind auf der Flucht vor einem CGI-Kraken, der ihnen nach dem Leben trachtet. Die zwei versuchen ein magisches Buch zu ergattern, um eine noch nicht ausgesprochene Bedrohung zu bekämpfen. Stephen Strange stirbt darin durch den Kraken, „Schnitt“, Dr. Strange wacht in bekannter Optik auf, denn es war nur ein Traum. Während er der Hochzeit seiner großen Liebe beiwohnt und seine Trauer darüber nur mäßig verbergen kann, geschieht in New York eigenartiges. Ein unsichtbares Wesen verfolgt ein junges Mädchen und zerlegt die Innenstadt. Es ist America Chavez, die in erster Linie skeptisch ob ihres Retters Dr. Strange ist.

In einem kurzen expositorischen Dialog zwischen Wong, Strange und Chavez stellt sich heraus, dass Träume Einblicke in die Ichs aus anderen Universen sind. Strange ist also tatsächlich gestorben und Chavez ist auch immer noch auf der Flucht vor besagter unbekannter Bedrohung. Warum ist sie auf der Flucht? Sie kann dank ihrer Fähigkeiten durch die Multiversen reisen.

Freund oder Feind?

Prompt kommt dem mächtigsten Magier des Marvel-Universums die Idee die mächtigste Hexe des MCU um Hilfe zu bitten. Zwischen Apfelbäumen schlendernd, redet er mit Wanda Maximoff alias Scarlet Witch über die Vorkommnisse. Schnell wird klar, dass Wanda nicht die Lösung, sondern Teil des Problems ist. Ihr Geist ist korrumpiert von einem Buch der dunklen Magie, dem Darkhold. Sie nimmt alles in Kauf, um ihre selbst erschaffenen und wieder verlorenen Kinder zurück zu bekommen. So entspinnt sich eine viele Realitäten umspannende Verfolgungsjagd, auf der Suche nach einem Weg Wanda Maximoff zu stoppen. Eines ist Gewiss, es ist ganz zweifelsohne der bisher dunkelste und gruseligste Film des MCU.

Spoil dich doch selbst!

Von hier an liest du auf eigene Spoiler-Gefahr. Wohl kaum ein anderer Film bietet so viel Potential für alternative Marvel-Universen wie eben dieser Titel und es wird auch genutzt. Als Strange und Chavez durch die Welten reisen landen sie auf einer futuristischen Erde, Erde-838. Dort wurde ebenso ein Kampf gegen Thanos ausgefochten und gewonnen. Allerdings starb Dr. Strange in diesem Kampf und galt fortan als Retter der Welt. Erst ein Blick hinter die Fassade aus Ruhm und Ehre offenbart, dass die Gemeinschaft der „Illuminati“ (ja wirklich!) ihren eigenen Kameraden umbringen mussten. Dieser war ebenso wie Wanda Maximoff vom Darkhold besessen und opferte sich, um keine Bedrohung für diese Realität zu werden.

Als klar wurde, wer in diesem Rat der Illuminati saß, lies es so manchen Kinobesucher klatschend oder in Staunen aufjubeln. Peggy Carter, der Love-Interest Captain Americas, ist in dieser Realität Captain Britain, Maria Rambeau ist die Captain Marvel dieser Welt, der aus der TV-Serie „Inhumans“ bekannte Blackagar Boltagon stellt Blackbolt dar und sogar Reed Richards alias Mister Fantastic der Fantastic4 ist mit dabei. Gekrönt wird diese illustre Riege, aus möglichen Figuren für zukünftige Filme, mit der von Marvel-Fans lang erwarteten Verschmelzung zweier Welten. Niemand Geringers als Professor Charles Xavier ist der Kopf dieser Organisation. Es ist eine wahre Freude für jeden X-Men Fan sich vorzustellen, dass bald X-Men Filme in MCU-Qualität auf die Leinwand kommen könnten. In den Comics passiert, auf die Multiversen bezogen, einiges spannendes und verrücktes Zeug. Doch wer weiß, wer weiß, vielleicht wird diese zweite Hälfte noch einige mehr als interessante Comic-Events abdecken.

„The Future is not ours to see, que sera, sera“

Wohin die Reise mit dem MCU gehen wird lässt sich nur vermuten. Feststeht, dass sich die Macher und Planer an einige große Events der Comics herantrauen. So wird im kommenden Juni eine Serie zu „Ms. Marvel“ auf Disney+ erscheinen, im Juli dann die vielversprechende Verfilmung durch Taika Waititi des Jason Aaron Comic-Runs von „Thor: Love and Thunder“ und im November dann der zweite Teil des Black Panthers mit „Wakanda Forever“. Es wird auch endlich einen dritten Teil von „Deadpool“, sowie einen neuen „Blade“ geben. All diese Filme und Serien sind allerdings nur das Aufwärmen für die anstehenden Mega-Events der Comic-Welt. Mit „Secret Invasion“ wird eine Serie erscheinen, die einige Entscheidungen und Entwicklungen einzelner Figuren rückwirkend verändern könnte.

Ob Wanda Maximoff in Zukunft noch einen Auftritt erhalten wird, bleibt nach diesem Film erstmal offen. Interessant wäre es jedoch ein Comic-Event wie „House of M“ im Film zu sehen. Darin wird eine ganze Welt in ihrer Realität verändert, in ihren Grundfesten zerrüttet. Ebenso interessant und vielleicht ja sogar eine mögliche Klimax einer zweiten Zäsur nach Endgame ist das Event „Secret Wars“. Darin wurden die bis zu diesem Zeitpunkt bestehenden Multiversen verschmolzen, gelöscht und neugestartet. Etwas, das gerade unter Betrachtung des „Doctor Strange in the Multiverse of Madness“, nicht unerheblich sein könnte.

Doctor Strange in the Multiverse of Madness
Interessant, aber fad

Zwischen all den interessanten Ideen, dem Fan-Service und den magischen Kämpfen bleibt leider nur wenig Substanz übrig. Die Handlung ist mager, die Figuren sind häufig plakativ und das CGI zu großen Teilen annehmbar. Wie wir aus dem „Marvel Moment“ Video gelernt haben ist schätzungsweise 80% eines MCU Films mit Hilfe von Computer Generated Images zusammengesetzt. Umso seltsamer ist es, dass auch in Blockbustern mit solchen Umsätzen Sequenzen vorhanden sind, in denen die Welt einfach nicht überzeugend „real“ aussieht.

Positiv an diesem Film sind die teils ethischen Konflikte, die vor allem Wanda Maximoff als Motiv vertritt und aushandelt. Die Figur Stephen Strange hingegen wirkt von Anfang bis Ende gleichbleibend fad. Dass man der Nebenfigur America Chavez eine Entwicklung zugesprochen hat, verwunderte nicht. Diese kam jedoch so unvermittelt und ohne jedweder Reflexion, dass man das Gefühl hatte eine Satz würde oft genügen, um ein vermeintliches Potential zu beherrschen.

Wie viel die zum Ende des Films aufgetretenen Cliff-Hanger und die Mid-Credit Scene da an Spannung aufbauen konnten, muss jeder für sich beantworten. Große Vorfreude auf den nächsten „Strange-Film“ hat sich dadurch in mir jedoch nicht aufgetan. Es ist ein unterhaltsamer und horroresker Film, der einige offene Fragen zu Wanda Maximoff schließt. Diese zwar nicht unbedingt befriedigend, aber zumindest im Kontext des MCU sinnvoll einordnet.

Pro
Fanservice Cameos und möglicher Ausblick auf Entwicklung des MCU
Wanda Maximoff als übermächtige Scarlet Witch
Schauspiel Elizabeth Olsen
Kontra
klischeehafte Figurenentwicklung
Stagnation der Figur Dr. Strange
CGI teilweise nur ok
6
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