Dorohedoro 5

29. März 2022
3 Minuten gelesen

Dunkel, dreckig, gefährlich und magisch sind alles Worte, die man ganz unbedingt mit „Dorohedoro“ in Verbindung bringen sollte. Die Reihe startete bereits 2000 und ist nun, mehr als 20 Jahre später, beim Imprint Manga Cult vom Verlag Cross Cult als massive Edition erhältlich.

In dieser Ausgabe befinden sich zwei reguläre Mangas, was die Breite des Buchrückens erklärt.

Die Künstlerin Q-Hayashida hat mit „Dorohedoro“ eine Welt erschaffen, die sich in einer fiktiven Zukunft Japans wiederfindet. Die Menschen und die Magier leben getrennt voneinander. Die Menschen, die vornehmlich im „Loch“ (es ist genau das) wohnen, müssen Experimenten und der Willkür der Magier trotzen und sterben häufig an magischen Verletzungen.

Auf der Suche nach Klarheit

Zu Beginn dieses Bandes gehen wir den Ursprüngen eines Mannes nach. Der passionierte Arzt für Magieopfer Dr. Kasukabe traf bereits einmal auf den Mann, der sich Ai nannte. Sein Gesicht und den Tod desselben hat er nicht vergessen. Umso verwunderter war Kasukabe, als er besagten Ai im Haus der Kreuzaugen thronend als Figur vorfand. Er will herausfinden, ob Ai noch lebt, wie sehr er vielleicht immer noch verstrickt ist in die Machenschaften der Räuber und Drogendealer mit dem Gangnamen Kreuzaugen. Seine Suche führt ihn wieder einmal zu Shin und Noi, die ihm dabei helfen, die Welt der Magier unbeschadet zu durchqueren. Kasukabe möchte zu seiner Frau, einer mittlerweile zum Teufel (Rang und Erscheinung) gewordenen Magierin.

Währenddessen sind Caiman und Nikaido auf der anhaltenden Suche nach Risu, der das letzte Puzzleteil sein soll. Er kann dem zum Echsenmann verfluchten Caiman vielleicht herauszufinden helfen, wer er vorher war.

Ein großer Teil dieses Bandes befasst sich mit der bisher immer als Comic-Relief fungierenden Ebisu. Sie erlangte Erinnerungen zurück und erinnerte sich wieder daran, wo ihre Eltern wohnten, wer sie wirklich ist. Auf dem Weg dahin wird sie von ihrem besten Freund und ebenso tollpatschigen Mitstreiter Fujita verfolgt. Dieser machte sich Sorgen und möchte seine beste Freundin begleiten. Sie lehnt jedoch sämtliche Hilfe ab, die von Mitgliedern der En-Gang komme. Die bis dahin häufig angedeutete emotionale Verbindung, die von Fujita ausging, wird in diesem Band verdeutlicht und offengelegt.

Ein Pakt mit dem Teufel und ein Fluch

Nikaidos Pakt mit En war kurz davor zu erlöschen, doch nun begibt sich dieser wieder auf die Suche nach ihr. Es kommt deswegen zu einem großen Kampf zwischen den beiden, in dem Caiman sein Echsengesicht kurz vor seinem vermeintlichen Tod offenbart. Er steht auf einmal in seiner menschlichen Gestalt vor ihr, denn Ebisu starb beim Versuch, den Dämon im Haus ihrer Eltern zu besiegen. Der Fluch war durch ihr Ableben also gebrochen und Nikaido konnte ihrem Caiman zum ersten Mal ins Gesicht sehen. Auch an dieser Stelle fühlt man die seit jeher vermuteten romantischen Gefühle stark. Doch die Freude war nicht von langer Dauer, Caiman scheint getötet worden zu sein. Wäre da nicht ein Geist-Dämon, der seinem Körper entweicht, um sich in den Klon Risu zu verpflanzen. Und ja, die verwirrenden Personenkonstellationen sind ein wichtiger Kritikpunkt an diesem fünften Band. Der einst verfluchte Caiman entrinnt nur knapp dem Tod und ist nun wieder gänzlich ohne Erinnerung an sein voriges Leben als Echsenmann unterwegs. Er nennt sich nun Aikawa und schwingt ebenso behände seine Messer, wie er es vorher tat.

Eine sich zum Höhepunkt und Cliffhanger dieser Ausgabe heraufschraubende Auseinandersetzung zwischen einem Kreuzauge und dem Bandenführer En markiert das Ende. Bereits vorher träumte der Pilze zaubernde En von einer Konfrontation mit demselben Kämpfer, der ihn schon einmal fast tötete. Ist es der ehemalige Risu oder sogar Aikawa, der seinen Anschlag zu Ende bringen wird? Wird es nun tatsächlich so weit sein? Kann En, einer der stärksten Magier, in seinem eigenen Haus wirklich umgebracht werden?

Der Stil

Die Fülle der Panels ist, wie auch in den vorigen Ausgaben von „Dorohedoro“, überwältigend. Reich an atmosphärischen Details und übervoll an zerplatzenden Körpern, aufgeschnittenen Wesen und Opfern von Zauber zeigt Q-Hayashida sich erneut auf Hochtouren. Es ist nichts für empfindliche Augen, denn wie auch bisher wird hier nicht gespart an expliziter Gewalt.

Jedoch gelingt es der Künstlerin zwischen den vielen recht dunklen Panels, lichte Momente und einen gewissen albernen Humor einfließen zu lassen. Ebenso werden vermeintliche Nebenfiguren (wie die Kreuzaugenbande) mit kleinen Anekdoten zu mehr als nur gesichtslose Räuber.
Die Designs aller Figuren sind markant, jede für sich ein ganz eigenständiger Charakter in Entwurf und Habitus.

Außerdem sehr interessant ist eines der am Ende angehängten Kapitel, die immer als „Bonus-Fluch“ betitelt sind. Darin lässt sich ein skizzenhaftes Kapitel, eine abseitige Kurzgeschichte, lesen. Der unverkennbare Stil erscheint da als reduzierte, dennoch liebevoll gestaltete Welt voller düsteren Charmes. Die bereits angelegten Schraffuren sind da noch mit Bleistift zu erkennen. Viele der Panels der eigentlichen Ausgaben strotzen nur so vor Schraffuren, Schattierungen und einer großen Liebe für die dunkle Stimmung der endzeitlichen magischen Welt.

Fazit
Es ist vielleicht nicht der stärkste Band aus der Reihe „Dorohedoro“, dennoch hat er wunderbare Momente. Das Aufeinandertreffen Nikaidos und Caiman in menschlicher Gestalt, die liebevolle Zuwendung zwischen Fujita und Ebisu wie auch die sich mehr und mehr entfaltende Hintergrundgeschichte Ens sind sehr spannende Aspekte. Allerdings wird es zunehmend unübersichtlich. Dies mag daran liegen, dass der Figurenkanon stetig zu wachsen scheint. Zum anderen kann dies auch darin begründet sein, dass die verstrickten Beziehungen der Hauptfiguren, ihre dämonenbesessenen Ichs, wiederbelebten Alter-Egos und eine historische Verbindung zum bisherigen Antagonisten En oft nur angedeutet wurden. Nichtsdestotrotz hält „Dorohedoro“ ein konstantes Niveau an Unterhaltung und Gruselpotenzial. Der auf zehn Bände bei Cross Cult angelegte Re-Print ist nun also bei der Hälfte angelangt und es bleibt mit Spannung zu erwarten, was Nikaido und Caiman noch widerfahren soll.
Pro
Fesselnde Dark-Fantasy-Geschichte, faszinierende Charakterentwicklungen, atemberaubende Grafik mit stimmungsvollen Panels, unbeschwerter Humor und Bonus-Kapitelskizzen.
Kontra
Komplexe Charakterbeziehungen, unzusammenhängende Erzählung, zahlreiche Charaktere, die zu einer etwas unübersichtlichen Handlung beitragen, und im Vergleich zu früheren Bänden eine geringere Gesamtkohärenz der Erzählung.
9.4

Lars Hünerfürst

Minimalistisch und musikalischer Comic Enthusiast - lief zu Fuß von Berlin nach Paris.

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