
Echoes of the End stammt vom isländischen Entwickler Myrkur Games, einem Studio, das sich auf narrative Einzelspieler-Erfahrungen spezialisiert hat. Bereits seit den ersten Trailern war klar: Hier geht es nicht um ein riesiges Open-World-Abenteuer, sondern um eine stark fokussierte, filmische Reise in einer Fantasy-Welt. Unterstützt von Publisher Koch Media / Prime Matter konnte das kleine Team eine eindrucksvolle Vision umsetzen.
Ich habe das Spiel komplett über GeForce NOW durchgespielt – auf meinem Steam Deck. Die Streaming-Performance war auch diesmal wieder hervorragend: schnelle Ladezeiten, scharfe Grafik und kein Ruckeln. Ein perfektes Beispiel dafür, wie gut Cloud Gaming heutzutage funktionieren kann.

Die Geschichte
Die Hauptfigur Ryn ist eine Kämpferin mit außergewöhnlichen Fähigkeiten. Ihre Gabe erlaubt es ihr, Raum und Materie zu manipulieren – ein Talent, das sie tief in die Konflikte und Geheimnisse einer fremdartigen Fantasy-Welt zieht. Anders als viele Genre-Vertreter setzt das Spiel auf eine kompakte, lineare Erzählweise, die den Fokus klar auf die Charakterentwicklung und die emotionale Reise legt. Es gibt keine überladenen Nebenmissionen, sondern eine stringente Story, die mit filmischer Inszenierung erzählt wird.

Im Gameplay gefangen
Spielerisch kombiniert Echoes of the End Action, Rätsel und ein wenig Erkundung. Die Kämpfe sind dynamisch und nutzen Ryns Kräfte für taktische Möglichkeiten – etwa das Teleportieren oder Manipulieren der Umgebung. Dazu kommen Rätsel-Passagen, die geschickt in die Welt integriert sind. Besonders gelungen: Das Gameplay bleibt immer eng mit der Geschichte verknüpft, wodurch es nie beliebig wirkt.
Allerdings muss man betonen: Wer eine offene Spielwelt erwartet, wird enttäuscht. Das Spiel bleibt stets linear, manchmal sogar fast schlauchig. Für mich persönlich war das aber ein Vorteil – die Entwickler wollten eine klare Vision umsetzen und haben genau das getan.

Grafik versus Spielepyramide

Zwar hat einer der Entwickler insgesamt fünf Bitcoins verkauft (Stückpreis 51.870 US-Dollar), um ein Kamera-Rig für Facescans zu finanzieren – diese Information stammt aus einem Entwicklervlog – dennoch fühlt sich das gesamte Spiel in Teilen an wie ein typischer „Spielepyramiden“-Titel. Kennt ihr noch die Spielepyramiden? Oft gab es diese in größeren Kaufhäusern wie Karstadt. Dort lagen meist nationale Produktionen, ältere Titel zum reduzierten Preis oder etwas billig wirkende Spiele wie die frühen Landwirtschaftssimulatoren.
Echoes of the End wirkt keinesfalls billig. Es ist aber auch nicht durchgehend hochwertig. Die Grafik sowie die Auflösung und technische Qualität sind wirklich sehr gut und erinnern sogar über GeForce NOW an eine AAA-Produktion. Doch fehlt es an der letzten großen Extra-Meile, die man sonst nur von größeren Studios kennt.

Der fehlende Feinschliff fällt vor allem beim Leveldesign und im teils repetitiven Gameplay auf. Gegner verpuffen nach einem Kampf einfach ohne eine zur Welt passende Animation. Beim Spielen bemerkt man viele Kleinigkeiten, die nicht ganz in ein kohärentes Design passen.
Für angehende Videospielentwickler ist der YouTube-Kanal von Myrkur Studios sehr sehenswert. Bereits 2018 kam der erste Devlog online, bis heute sind es 24 Videos geworden. Ich habe mich dort etwas umgeschaut und muss zugeben: Solche Videos beeinflussen meine Kritik positiv. Man versteht noch besser, wie viel Arbeit in das Projekt geflossen ist und wie sehr das kleine Team versucht hat, sein Erstlingswerk in seinen Augen perfekt zu veröffentlichen.




