
Jedes Menschenleben ist eine Geschichte, mal geradlinig, mal wirr. Niemand ist losgelöst von den eigenen Erfahrungen, oft sogar noch beeinflusst von Traumata oder Erlebnissen, die Generationen vorher geschehen sind. Den Versuch, solch eine Geschichte zu erzählen, unternahm Gipi mit „Eine Geschichte“ in eindrucksvollen Bildern.
Der avant-verlag hat diese Graphic Novel des angesehenen Künstlers aus Italien in einem großformatigen Hardcover auf den Markt gebracht.
Vergangenheit, Gegenwart oder doch Schizophrenie?
Die Geschichte beginnt konfus. Es ist nicht sofort klar, ob es ein Dialog oder Monolog zweier Seiten einer Persönlichkeit ist. Schon auf der ersten Seite wird klar, dass man sich dieses Werk in mehrfacher Lektüre erschließen sollte. Der Monolog befasst sich eingehend mit der Selbstwahrnehmung, Verleumdung des Alterns und dem Tod. Die möglicherweise als Dialoge verfassten Zeilen bauen eine Atmosphäre der Zerstreuung und der Tristesse auf.
Doch stellt sich heraus, dass der Protagonist Herr Landi Patient in einer geschlossenen Psychiatrie ist. Dort befindet er sich wegen seiner anhaltenden schizophrenen Episoden, die sich in wiederholten Phrasen äußern. Diese ergeben für die ihn behandelnden Ärzte keinen Sinn. Dem Leser wird jedoch klar, dass sich mehr in den Tiefen seiner Psyche versteckt.
Stück für Stück entfaltet sich ein komplexes Bild von Depression, möglicherweise vererbte Schizophrenie und familiären Traumata, die nicht aufgearbeitet wurden. Mit Herrn Landi im Zentrum der Handlung erfahren wir Näheres zu den Entwicklungen, die ihn schließlich in die Psychiatrie brachten. Seine zerrüttete Familie, die Trennung von seiner Frau und die gelinde gesprochen komplizierte Beziehung zu seiner eigenen Tochter werden im Folgenden näher beleuchtet.
Immer wieder bewegt sich die Erzählung zeitlich hin und her. Sie springt aus der Gegenwart in der Psychiatrie und seinen behandelnden Ärzten zu den schockierenden Erlebnissen des Großvaters im Ersten Weltkrieg, hin zu den Ereignissen, die kurz vor der Hospitalisierung geschahen. Diese fließenden Übergänge verschmelzen zu einem Fiebertraum psychischer Verworrenheit und hinterlassen ein umwerfendes und verstörendes Gefühl.
Die Sprache der Bilder
Gipi nutzt in dieser Graphic Novel verschiedene Stile. Dabei stellt sich immer ein klarer Bezug zur Erzählerperspektive heraus. Wird aus der Erinnerung erzählt, aus der Vergangenheit oder durch die Augen von Herrn Landi wahrgenommen, zeigen sich die Panels zumeist in Farbe. Wie das Cover bereits präsentiert, sind die Bilder des Künstlers Gipi Mixed-Media Darstellungen, die sich vornehmlich durch die Verwendung von Aquarellfarben beschreiben lassen.
Die andere Perspektive, anscheinend immer dann, wenn Gedanken auf einer Meta-Ebene ausformuliert werden oder wenn andere Akteure die Handlung tragen, ist in Schwarz und Weiß gehalten. Die Zeichnungen wirken dann häufig wie mit einem Strich gezogen, also in einem Schwung aufs Blatt gebracht. Doch trifft diese leichte und helle Art und Weise ein Bild zu kreieren nicht immer zu. Einige Male erblickt man Bilder, die übervoll an Tuschelinien, Schraffuren und Schattierungen sind. Immer in perfektem Zusammenspiel mit dem Erzählten, die Stimmung unterstützend.
Eine weitere Auffälligkeit ist die Strukturierung der Panels. Fast ausschließlich in den Szenen, die Erinnerungen oder die geschilderten Geschehnisse des Großvaters zeigen, sind die Seiten in Panels strukturiert. Andernfalls fließen die Dialoge in randlosen Bildern über die Seite. So oder so präsentiert der Künstler Form und Inhalt in idealer Symbiose.






[…] als in „Eine Geschichte“ zeigt diese Graphic Novel jedoch klare Panelstrukturen. Klar abgegrenzte, eher konventionelle […]