Geburt in Amerika

Mitte November 2025 neigte sich meine dritte Schwangerschaft dem Ende zu. Die Frage der Kostenübernahme mit der Versicherung war geklärt, wie ich schon im ersten Teil erzählt habe. Nun gab es neue Fragen und Dinge zu klären, zum Beispiel, was wir mit den Kids machen wenn es soweit ist, ob Nils am Ende überhaupt bei der Entbindung dabei sein kann? Aber auch Fragen zum Thema Entbindung selbst, wird alles gut gehen? Wie laufen die Dinge hier so ab? Was ist, wenn dringende medizinische Entscheidungen getroffen werden müssen? Wie lange muss ich im Krankenhaus bleiben? Wie sehen hier die U-Untersuchungen für das Baby aus?
Das Baby kommt

Am Abend des 13. November, neun Tage vor meinem errechneten Termin, wusste ich, dass es los geht. Leichte unregelmäßige Wehen und die Ablösung des Schleimpfropf waren deutliche Zeichen. Ich habe natürlich gehofft, dass es schnell geht, ist es immerhin das Dritte. Ich habe also meine Krankenhaustasche zu Ende gepackt, bin duschen gegangen, habe den Kindern erklärt, dass es bald losgeht und bin dann ins Bett gegangen. In der Hoffnung, noch etwas zu schlafen, bevor ich mich der unweigerlich körperlich anstrengendsten Aufgabe stellen muss, habe ich es bis drei Uhr nachts geschafft. Aufgrund von sehr starken Blutungen musste ich dann aber ins Krankenhaus, auch wenn die Wehen noch harmlos waren.
Für die Kinder hatten wir nie einen richtigen Plan, da man ja nie weiß, wann es los geht. Wir haben von vielen Eltern angeboten bekommen, dass wir die Kinder dort abgeben können oder das die anderen Eltern die Kinder von der Schule mit nach Hause nehmen können. Das Angebot hätten wir definitiv in Anspruch genommen, aber nicht nachts um drei, an einem Freitag. Nach kurzer Überlegung, ob wir die Kinder nun wecken um mich ins zehn Minuten entfernte Krankenhaus zu bringen oder ob ich einfach ein Uber nehme, haben wir uns für das Letztere entschieden. Zu meinem Glück war die Uber Fahrerin eine Frau, Mutter und sogar schon Großmutter.

Im Krankenhaus angekommen wurden erstmal die üblichen Untersuchungen abgehalten und die Hebamme kam zum Schluss, dass auch wenn die Geburt nur sehr langsam voran schreitet, es besser wäre mich da zu behalten. Also ging es um sechs Uhr morgens am 14. November in den Kreißsaal. Es kamen in den nächsten Stunden etliche Personen vorbei, die im Krankenhaus arbeiten, um sich mir vorzustellen. Zwischen den schmerzhaften Wehen, manchmal auch währenddessen, habe ich nicht die Energie gehabt, zu fragen, warum sie sich mir vorstellen. Die Hebammen kamen auch immer mal wieder vorbei und haben mich etliche Unterlagen unterzeichnen lassen. Vor allem Absicherungen für das Krankenhaus, dass mir alle möglichen Risiken für all die verscheidenen Szenarien erklärt wurden.
Am späten Morgen kam dann Nils, nachdem er die Kinder in die Schule gebracht hatte, ins Krankenhaus. Meine Wehen wurden schmerzhafter aber blieben unregelmäßig und die Geburt wollte nicht wirklich voran gehen. So viel dazu, dass ich gehofft hatte, das Dritte kommt am schnellsten. Ich habe die ersten beiden Geburten ohne Schmerzmittel ausgehalten, ich war dem Thema Peridualanästhesie (PDA) aber diesmal nicht abgeneigt. Zumal ich nun schon wieder mehrere Stunden in den Wehen lag. Also habe ich darum gebeten, eine zu bekommen. Der Anästhesist war innerhalb weniger Minuten da und nicht mal eine Stunde später saß die PDA. In meinem Fall hat sie Wunder gewirkt. Wie ich schon im ersten Teil erzählt habe, ist die PDA viel häufiger in den USA im Einsatz als in Deutschland. Es waren mehrere Anästhesisten auf der Station unterwegs, während in Deutschland wahrscheinlich erst jemand gerufen werden muss. Laut Erzählungen von anderen Müttern dauert es in Deutschland auch oft deutlich länger, manchmal zu lange, bis endlich jemand kommt um die PDA zu setzen. Die rasche Verfügbarkeit in den USA zeigt sich dann aber auch in dem Preis, den man für die Anästhesie zahlt. Dazu aber mehr im nächsten und letzten Beitrag.

Die PDA saß nun also, die Zeit rannte troztdem, musste Nils die Kinder ja um 15:30 Uhr wieder abholen. Wir hatten für den Nachmittag zwar einen Babysitter, das Abholen und Wiederkommen war troztdem riskant. Da ich aber nun seit 12 Stunden im Krankenhaus war und die Hebammen alle ab 19 Uhr Feierabend haben würden und das anstehende Wochenende keiner der Hebammen arbeiten würde, da alle auf eine gemeinsame Veranstaltung gehen sollten, wurde mir eine Einleitung mit Pitocin nahe gelegt. An dieser Stelle kam ich das erste Mal zu dem Punkt, an dem ich gerne abgelehnt hätte, da ich das Gefühl hatte, die Wehen kamen nun stark und schnell hintereinander. Es wurde aber eben mit der Tatsache, dass die Hebammen am Wochenende nicht da sind, Druck gemacht und ich habe nachgegeben. Also gab es gegen 3:00 Uhr die Einleitung, Nils ist fix los, die Kinder abholen und Ruck Zuck war es dann soweit und die Presswehen fingen an.

Kurz nach 16 Uhr war unsere Maus dann da, Nils kam nur wenige Minuten später auch dazu. Während der Schwangerschaft habe ich mich oft gefragt, wie es wohl ist, in einem Raum voller Fremder, ohne Partner, zu entbinden. Die Wahrscheinlichkeit, dasss genau das passieren wird, war nicht gering, daher habe ich mich damit früh schon abgefunden. Dass es sich dabei nur um rund 5 Minuten handelt, die Nils später gekommen ist, ist ärgerlich aber nicht allzu schlimm. Ich habe mich zwischen den zwei Nurses (Krankenpflegerinnen), der Hebamme und dem Intern (Auszubildenden), der das erste Mal eine Plazenta entbinden durfte, sehr gut aufgehoben und sicher gefühlt. Dank der PDA hatte ich schon vorher immer mal nett mit den Nurses schwatzen können und die Entbindung war entspannt und vor allem war ich zu 100% dabei, ohne Schmerz und Geschrei.
Wie auch bei den anderen Geburten war der Moment, das Baby auf den Bauch geklatscht zu bekommen, total surreal. Schnell aber habe ich mich in der Rolle wieder gefunden und das Baby zum Stillen angelegt. Die Nachgeburt (Plazenta) kam problemlos raus, es gab keine Risse, dem Baby ging es auch gut. Nun hieß es warten, bis die PDA nachlässt. Das war für mich einer der Nachteile der PDA. Man kann eben nicht sofort aufstehen und die Toilette nutzen. Das Baby war für die gesamte Zeit bei mir, einmal kam eine Nurse vorbei um zu Wiegen, Messen, Augentropfen, Vitamin K und das ganze Drum Herum, genau wie in Deutschland eben. Es ist tatsächlich nicht unüblich in den USA, dass man das Baby über Nacht den Schwestern geben kann um sich zu erholen. Das ist aber von Krankenhaus zu Krankenhaus unterschiedlich, kam für mich aber absolut nicht in Frage. Zumal auch in den USA die goldene Regel gilt, alle zwei Stunden muss das Baby trinken bzw. 12 mal in 24 Stunden. Als es dann Abend war, musste Nils nach Hause und ich lag noch immer im Kreißsaal, das Taubheitsgefühl aber war weg. Irgendwann kam dann eine Krankenschwester und hat mir geholfen, mich für den Transport auf mein Zimmer vorzubereiten.
Aufenthalt im Krankenhaus
Immer wenn man innerhalb des Krankenhauses transportiert wird, muss man in einen Rollstuhl. Das war schon bei meiner Ankunft so, obwohl ich es definitiv nicht gebraucht hätte, und auch auf dem Weg vom Kreißsaal auf mein Zimmer. Das Baby dabei im Arm, meine Tasche hinten aufgeladen hat mich die Nurse zur Anmeldung gebracht und dann auf das Zimmer. In dem Krankenhaus meiner Wahl gibt es nur Einzelzimmer, die Erfahrungen während der letzten Geburten waren nicht gut was das angeht, daher war ich sehr froh über diese Aussicht. Ernüchterung kam dann als ich das Zimmer sah, die Klimaanlage/Heizung war extrem laut und kalt, man konnte aber nichts verstellen, die Deckenbeleuchtung war grell und flickerte, andere Beleuchtung gab es nicht. Zum Glück hatte ich mir ein Nachtlicht eingepackt, was mir für den gesamten Aufenthalt als Lichtquelle diente. Die Decke war nur ein Laken und eine Stoffdecke, das Kissen war wie ein altes Kühlpad, steinhart und aus Plastik. Das Bett war verstellbar, knarrte aber irre laut bei jedem Knopfdruck, was jedes Mal das Baby hat aufschrecken lassen. Für das Baby gab es eine Plastikschale auf einem fahrbaren Gestell mit Stauraum in dem sich Windeln und Feuchttücher befanden. Ein Outfit für das Baby gab es nicht, nur die hier überall bekannten Blankets (Stoffdecken) mit denen die Babys gepuckt werden. Das Badezimmer war spärlich, Handtücher gab es nicht, die Dusche war nur ein alter Duschvorhang, es gab auch keine Haken um das mitgebrachte Handtuch aufzuhängen. Was es dafür reichlich gab waren Einlagen in verschiedenen Größen, Wegwerf-Unterwäsche, Kühlspray und Eispacks, eine Zahnbürste, Zahnpasta, Deo und Bodylotion, Stilleinlagen, Nippelbalsam und auf Nachfrage auch Nippelaufsätze fürs Stillen. Und all das durfte man beim Verlassen mit nach Hause nehmen. Dazu gab mir die Nurse auch noch eine extra Packung Windeln und Feuchttücher mit auf den Weg. Das mag sich alles viel und großzügig anhören, wenn man aber den Preis für eine Nacht schwarz auf weiß vor sich sieht, dann ist das lächerlich. Für den gezahlten Preis hätte man auch in einem Penthouse eines 5-Sterne Hotels nächtigen können.

In den 24 Stunden, die ich in diesem Zimmer war kamen Kinderärzt/innen, Gehörexperten und Krankenschwestern vorbei. Mit dem Baby und mir war aber alles in Ordnung, weshalb sich die Besuche kurz gehalten haben. Das Essen wird in diesem Krankenhaus per Telefon bestellt und dann innerhalb von bis zu einer Stunde aufs Zimmer gebracht. Die Qualität war wie in den meisten deutschen Krankenhäusern auch eher spärlich, die Auswahl war klassisch amerikanisch – ungesund.
Die eine Nacht, die ich dort verbracht habe war kurz und ungemütlich, der nächste Tag zog sich in die länge, ich wollte einfach nur nach Hause. Da es ein Samstag war, hatten die Kinder Sprachschule und konnten mich erst am späten Nachmittag besuchen. Die Nurse hat mir nahegelegt noch eine Nacht zu bleiben, warum weiß ich nicht wirklich, aber das Heimweh und die Ungemütlichkeit waren zu groß. Außerdem wird in den USA keine weitere Untersuchung, wie die zweite U-Untersuchung in Deutschland, im Krankenhaus vorgenommen, daher gab es für mich absolut keinen Grund zu bleiben. Nach also nur 24 Stunden gab mir die Kinderärztin das finale Go! für die Entlassung, das Baby bekam noch die Hepatitis B Impfung, der in den USA übliche Tracker am Fuß des Babys wurde entfernt (um kidnapping zu verhindern) und wir sind am Abend des 15. November nach Hause gefahren.



