Geburt in Amerika – Teil 3 – 26.000 Dollar für eine Geburt: Unser Kostenüberblick zu Entbindung, Pässen und Bürokratie

2. Februar 2026
5 Minuten Lesezeit

Geburt in Amerika

Geburt in Amerika – Teil 2: PDA, Pitocin und warum ich nach 24 Stunden wieder nach Hause wollte

Geburt in Amerika – Teil 1: So läuft die Schwangerschaftsvorsorge in den USA wirklich ab

Geburt in Amerika – Teil 3 – 26.000 Dollar für eine Geburt: Unser Kostenüberblick zu Entbindung, Pässen und Bürokratie

Der schwerste Teil war getan, das Baby zur Welt bringen. Nun stand uns also ein Berg an Bürokratie bevor. Geburtsurkunden – amerikanisch und deutsch, Social Security Nummer, Elternzeit usw. Zwar haben wir das alles schon in Deutschland zwei Mal gemacht, hier sieht es doch etwas anders aus. Bekommt man denn überhaupt Elternzeit? Ist diese bezahlt? Was ist mit dem Mutterschutz vor der Entbindung? Und wie sieht es mit dem Geburtsrecht aus, jetzt wo das Thema immer mal wieder in den Nachrichten auftaucht? Und die spannendste Frage von allen, was hat das alles gekostet? Sowohl Geburt als auch Pässe und Urkunden? Und mussten wir davon was übernehmen?

Anträge über Anträge

Schon im Krankenhaus ging das Ausfüllen los. Ich hatte den ersten vielseitigen Antrag schon dort auszufüllen. Dabei handelte es sich um den Eintrag ins Geburtenregister und die Social Security Nummer, das amerikanische Äquivalent zur deutschen Steueridentifikationsnummer. Alle weiteren Anträge hat Nils zum Glück übernommen, so war es schon in Deutschland bei den vielen Anträgen für Kindergeld und Elternzeit. Der nächste Schritt war also der Antrag für meine bezahlte Elternzeit. Die Informationen dafür hatte ich mir schon in der Schwangerschaft rausgesucht und mit meinem Arbeitgeber über die Pläne gesprochen. Das Studio der Deutschen Welle hier in Washington DC ist ein eingetragenes Business in der Stadt, mein Vertrag ist nicht mit den Studios in Bonn oder Berlin, sondern lokal, mit dem Studio Washington eben. Somit zahle ich Steuern an das Office for Paid Family Leave (OPFL), das Büro für bezahlten Familienurlaub. Dazu gehören neben Elternzeit auch Krankenfälle von Angehörigen und Sterbefälle, für die man die Arbeit kurz niederlegen muss. Zu 100% war ich mir nicht sicher, ob ich mich dafür qualifiziere. Zum einen arbeite ich nur Teilzeit und zum anderen bin ich eben kein US-Bürger. Das Maximum an bezahlter Elternzeit ist 12 Wochen, beginnend ab der Geburt, die höhe der Auszahlung ist ähnlich hoch wie das Gehalt. Den Antrag kann man erst mit einem Schreiben des Krankenhauses machen, dass man ein Kind geboren hat. Somit war mir bis ungefähr zwei Wochen nach Entbindung nicht bekannt, ob ich schon längst wieder hätte arbeiten müssen. Da ich aber schon bis zur Geburt von zu Hause aus gearbeitet habe, wäre das auch nicht allzu problematisch gewesen. Aber es hat sich dann gezeigt, dass ich genau 12 Wochen bezahlten Familienurlaub bekomme und somit bin ich bis Anfang Februar 2026 erstmal freigestellt. Danach werde ich wieder von zu Hause aus arbeiten müssen.

Das Thema mit dem Familienurlaub bzw. der Elternzeit hier in den USA ist extrem frustrierend wenn man sich damit näher beschäftigt. Der Fall mit den 12 Wochen die ich bekommen habe bezieht sich nur auf die Stadt Washington DC. Jeder Staat hat seine eigenen Regelungen, Washington DC liegt mit 12 Wochen im oberen Bereich der Staaten mit dem längsten bezahlten Urlaub. Viele Eltern kämpfen um einen Platz in einer viel zu teuren Einrichtung für die Betreuung des gerade mal drei Monate alten Babys um wieder arbeiten zu können. Ich habe anfänglich nicht verstanden, warum das Thema Milch abpumpen und Vorräte anlegen hier so ein großes Thema ist, bis ich verstanden habe, dass es nur so geht. Viele Mütter stillen deswegen erst gar nicht, ist der Struggle auf Arbeit abpumpen zu müssen einfach zu groß. Dazu kommt der Preis für die Betreuung, der in DC durchschnittlich bei über $2000 liegt. Die Betreuung von Kindern ist in wenigen Staaten ab dem Pre-K 3 Alter umsonst. Das bedeutet ab dem Alter von drei oder vier Jahren, je nachdem in welchem Monat man geboren wurde. Nur ein Staat, New Mexico, bietet gratis Betreuung für noch kleinere Kinder an. Für mich bedeutet das also Homeoffice bis zum Sommer 2029, wobei ich sicherlich nach der Stillzeit auch mal in das Büro kann, wenn Nils zu Hause ist.

Staatsbürgerschaft – Citizenship

Der nächste Schritt im Antrag – Marathon war der Antrag für die Geburtsurkunde. Dabei geht man einfach auf eine Website namens Vitalchek.com und gibt ein paar Daten ein. Das ist die offizielle Website des Standesamtes/Geburtenregister. Es werden nur wenige Daten wie Namen und Social Security Nummern der Eltern und Geburtsdatum des Kindes benötigt, den Rest an Info holt sich das Register dann beim Krankenhaus. Das Thema Birthright Citizenship (Geburtsrecht Staatsbürgerschaft) ist hier in den USA in der Constitution verankert. Auch wenn das Thema in den Nachrichten immer wieder aufkommt und der Präsident sogar ‚Excecutive Orders‘ feierlich unterschriebt, bleibt es ein Grundrecht im Grundgesetz, wer in den USA geboren wird, hat automatisch die Staatsbürgerschaft. Alles andere ist vor allem Angstmacherei und nicht legal. Um ein Recht (Amendment) in der Constitution zu ändern braucht es sehr viele Votings und Mehrheiten und vor allem sehr viel Zeit. Nichts davon ist bisher passiert.

Die Geburtsurkunden werden per Post verschickt, der Preis ist überraschend gering. Für drei Urkunden haben wir rund $85 bezahlt, neue Urkunden kann man jederzeit online bestellen. Mit einer Geburtsurkunde kann man innerhalb der vereinigten Staaten reisen, trotzdem haben wir einen Antrag für einen Reisepass ausgefüllt. Diesen kann man auch online machen und anschließend bei einer der teilnehmenden Postfilialen abgeben und bezahlen. Je nachdem wie schnell man den Pass haben möchte zahlt man zwischen $100 und $300.

Einen Termin in der Deutschen Botschaft haben wir auch schon vereinbart. Dort werden dann die deutsche Geburtsurkunde, der Eintrag ins deutsche Geburtenregister und die Erstellung der Steueridentifikationsnummer erledigt. Die Anträge werden dann von der Botschaft in das Bürgeramt, wo wir das letzte Mal gemeldet waren, gesendet und dort wird alles erstellt. Anschließend wird alles wieder an die Botschaft geschickt, dort können wir uns dann alles abholen. Einen deutschen Reisepass werden wir dann auch erstellen lassen.

Kosten

Der wohl spannendste Teil sind definitiv die Kosten. Wie schon im ersten Teil erzählt, habe ich eine Kostenübernahme der Krankenkasse bekommen. Was die einzelnen Besuche bei den Midwives gekostet haben weiß ich leider nicht, für die Blutabnahmen habe ich ab und zu Rechnungen in verschiedensten Höhen bekommen, die aber auch immer nachträglich übernommen wurden. Das waren rund $1.ooo die ich hätte übernehmen müssen, hätte ich nicht eine deutsche Versicherung. Vom Krankenhaus gab es dann ein bis zwei Wochen nach der Entbindung ein Statement per Post, was die Kosten auflistet. Einen Brief gab es für das Baby, mit rund $5000 Kosten für das Geboren werden und einen Brief für mich, mit folgenden Kosten:

  • Das Zimmer und Bett für eine Nacht: $3.966,98
  • Medikamente und IV-Lösungen: $1.487,71
  • medizinisch-chirurgische Materialien: $174,60
  • klinische Labortests: $2.621,53
  • Anästhesie: $8.155,80
  • Entbindung: $4.042,27

Der Gesamtbetrag beläuft sich also auf $20.448,89. Hätte ich keine PDA gehabt wäre es deutlich günstiger, trotzdem noch unfassbar teuer gewesen. Wenn man dann noch die Kosten für das Baby dazu nimmt liegen wir bei rund $26.000 für die Entbindung. Zu unserem Glück hat die Krankenkasse alles übernommen. Dafür zahlen wir natürlich auch einen recht hohen monatlichen Betrag. Viele Amerikaner müssen hingegen einen großen Teil selbst übernehmen, die Krankenkassen hier übernehmen selten den gesamten Betrag.

Ich habe vor ein paar Jahren mal darüber geschreiben, wie der Kinderwunsch sich je nach Wohnort ändern kann und das es nicht so einfach ist, dem Wunsch gerecht zu werden, auch wenn es sich dabei um einen für Frauen tiefliegendes Bedürfnis handelt, das man nicht einfach ignorieren kann. Hätte meine Krankenkasse das nicht übernommen, hätten wir vielleicht gar nicht erst über ein drittes Kind nachgedacht. Jetzt wo ich die Maus hier neben mir habe, ist sie die $26.000 natürlich wert und ich kann mir nicht vorstellen sie nicht zu haben. Aber leider muss man sich vor allem, wenn man in den USA lebt, im Klaren sein, was eine Geburt mit sich bringt und ob man dem allen überhaupt gerecht werden kann. Nicht nur in Bezug auf die Kosten der Entbindung, auch das, was auf einen zukommt wie die Kindesbetreuung und Kinderarztkosten.

Annegret Hünerfürst

Annegret Hünerfürst

Geboren in der selben Woche, in der die erste Website online kam - gelernte Diätassistentin und Mutter von drei Kindern

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.

Über Hünerfürst.de

Hünerfürst.de gehört seit 2009 zu den prägenden deutschsprachigen Blogs rund um digitale Netzkultur. Gemeinsam mit seiner Familie berichtet der Mediengestalter und Autor Nils Hünerfürst dort über Technik, Alltagskultur, gutes Essen und natürlich jede Menge Videospiele.