Kaiju No. 8 – ein Monster-Action-Anime geht in die zweite Staffel

28. Juli 2025
5 Minuten Lesezeit
Kaiju No. 8 Season 2

Kaiju No. 8 hat eine eigene Serie erhalten und gehörte 2024 zu einem der erfolgreichsten Action-Anime auf der Streaming-Plattform Crunchyroll. Die von Naoya Matsumoto geschaffene Geschichte rund um Kafka Hibino war bereits Thema und ihr könnt mehr dazu hier lesen.

In diesem Beitrag soll es sich hauptsächlich um den Anime drehen und die Tatsache, dass nun bereits die zweite Staffel läuft. Der bereits abgeschlossene Manga hat durch die Adaption einige wirklich sehenswerte Erneuerungen erhalten. Das Animationsteam von Production I.G hat unter der Regie von Tomomi Kamiya und Shigeyuki Miya (sowie Hirotaka Mori in einer Episode) eine absolut überzeugende, visuelle dynamische und überraschende Mischung erschaffen. Die großteils gelungene Mischung aus Komik, Action und Introspektive der Figuren, lässt einen mitfiebern und verleiht der Serie einen besonderen Charme.

Kurz zusammengefasst

Kaiju No. 8 Team

Der Anime, wie auch der Manga, erzählen die Geschichte des ambitionierten, wenn auch talentlosen, Kafka Hibino. Dieser möchte, basierend auf einem Versprechen aus Kindertagen zu seiner Kindheitsliebe Mina Ashiro, einer der besten Soldaten im Kaiju-Verteidigungskorps werden. Seine mangelnde physische Konstitution hindern ihn daran, bis er eines Tages von einem kleinen fliegenden Monster überrascht wird. Dieses fliegt in seinen Mund und macht ihn zum Träger der Kaiju-Kräfte in humanoider Form. Jene besondere Mischung, also den „Intellekt“ Kafka Hibinos und die Kräfte eines Kaijus zu vereinen, machen ihn zu einer gefürchteten Sonderform der alles zerstörenden Wesen.

Es gelingt Kafka in das Korps aufgenommen zu werden und er muss nun fortan besonders vorsichtig sein seine Kräfte zu verstecken. Er würde sonst umgehend isoliert, getötet und möglicherweise in eine der auf Kaiju-Teilen basierenden Superwaffen umgebaut. Diese Spannung allein, also der innere Konflikt Kompetenz und Autonomie vor sich und der Gruppe zu beweisen, wäre Potenzial genug, um eine spannende Figur zu erzählen. Hinzu kommen da allerdings noch seine neu gewonnene Freunde, die ebenso in einer ambivalenten Beziehung stehen, sobald sie erfahren, dass Kafka das Kaiju No. 8 ist.

Doch dies nicht genug ist ein neuartiges Kaiju erschienen, das seinerseits die Fähigkeit hat zu reden und menschliche Form anzunehmen. Anders gesagt, es kann die Fähigkeiten seiner assimilierten Opfer selber verwenden. Dies macht den Kampf extrem schwierig, bis zu unmöglich mit herkömmlicher Vorgehensweise, weswegen Kafka seine Tarnung aufgeben muss. Er rettet das Leben seiner Kameraden und ist nun Teil der gejagten Monster. Mit dieser Enthüllung den daraus entstandenen Folgen endet die 1. Staffel.

Kurz kritisiert

Kaiju No. 8 Hibino

Man kann diesen Anime nun als das, was es ist betrachten und sich an der fantastischen Animation erfreuen. Diese vermischt die Dreidimensionalität und perspektivische Kamerafahrten des CGI mit dem „konventionellen“ zweidimensionalen Look der aktuellen Animes. Klar sollte an dieser Stelle sein, dass Animes kaum noch tatsächlich am Zeichenbrett entworfen wird, sondern am Computer und somit alles im weitesten Feld der Computer-Generated-Images liegt. Doch erkennt man immer noch in vielen Animes das Bestreben seiner Animation eine zusätzliche und räumliche Dimension zu verleihen, den sich darin bewegenden Objekten oder in diesem Fall Kaijus eine Tiefe und räumliche Ausdehnung zu geben. Dies gelingt nicht immer so gut wie in Kaiju No. 8 und sieht leider oft eher lustig, plump aus. Doch nicht in dieser Serie.

Gerade dieses Vorhaben gelingt der ersten Staffel bereits exzellent. Die Verschmelzung ist zweckdienlich, immer genau an der richtigen Stelle eingesetzt, um die Kampfgeschehen noch überzeugender, dynamischer und gewaltiger zu gestalten. Nicht nur die Szenen in der Serie, ebenso das Intro ist bereits ein Schaustück für CGI-Kunst, wobei sich die Inszenierung und der visuelle Stil sehr stark an eine Bond-Film-Ästhethik anlehnt. Wenn sich wie in einem Kaleidoskop Objekte entfalten, ständig entfalten, explodieren, auseinander blättern oder eine zentrierte Figur von der Umgebung durch Labyrinthe und Bedrohungen fliehen muss, erkennt man schnell eine stilistische Resonanz.

Was steckt drin?

Man kann diese Serie und den Manga auch für das betrachten, was es ist: ein Lobgesang auf Hierarchie, krankhafter Sucht nach Bestätigung und das Prinzip des Stärksten. Was ist damit gemeint? Zum einen verfestigt der Anime, wie auch der Manga eine extrem starre und unüberwindbare Befehlsstruktur, die anscheinend trotzdem so viel Anziehung für Kafka Hibino zeigt, dass er sich diesen trotz seiner sozialen Schmach, der schwächste, älteste und untalentierteste zu sein, freiwillig aussetzt.

An dieser Stelle sei gesagt, dass seine Jugendliebe wohl auch ein kräftiger Motivator sei. Anstatt mit seinen neu gewonnen Kräften die Welt zu retten, das System somit zu sprengen und sich nicht in die Gefahr zu begeben von den eigenen Kamerad:innen möglicherweise gehasst und verfolgt zu werden, bleibt er der Hierarchie und dem System treu. Etwas, das aus der japanischen Perspektive sozialer Strukturen sicherlich „natürlicher“ erscheint, da das Verständnis für Individualität und Kollektivismus anders gelebt wird, als in Europa.

Kaiju No. 8 Skyline

Weiterhin sollte man nicht missachten, dass Kafka Hibino unter ständigem Druck des sich Beweises steht. Nicht nur vor sich, insbesondere vor der Öffentlichkeit und somit zusehends abhängig von Bestätigung und positiver Rückmeldung wird. Dies lässt sich ganz besonders in der Unfähigkeit sich zu verwandeln zu Beginn der zweiten Staffel erkennen. Seine Selbstzweifel, die Angst vor dem unkontrollierbaren Monster und die daraus folgende Ausgrenzung aus seiner gewählten Gruppe, sitzen sehr tief und führen zu scheinbaren Blockaden der Psyche.

Hibino und die Statistiken

Darauf zu spekulieren, dass er, wie auch hunderte andere Helden in letzter Sekunde über sich hinaus wachsen können, um das Leben seiner Freunde zu retten und den Feind zu besiegen, ist für jeden, der schon drei bis zehn Filme gesehen hat, sehr offensichtlich und zu erwarten. Es zeigt darüber erneut, wie sehr die Figur Hibino von Erwartungen und Ängsten durchzogen ist. Etwas, das die Figur in seiner Indifferenz nebst aller Kritik tatsächlich sehr spannend macht und neugierig darauf, wie sich die Entwicklung fortentwickelt.

Letztere Kritik, das Prinzip des Stärksten, ist so Klischee und offensichtlich, das dies sicherlich auch ein Grund ist, warum Serien wie Dragonball, One-Piece und alle weiteren Shonen eben so gut funktionieren. Es sind ab einem Gewissen Punkt der Handlung mehr Zahlen, Levels, Stärke-Indikator im Spiel, als Figuren auf der Bildfläche. Der Super-Sayajin-Mega-Gott-Modus ist ein Kaiju No. 8 eine einfache Prozentzahl, die das freigeschaltete Kraftpotenzial der jeweiligen Person mit ihrem Spezialanzug darstellt.

So ist beispielsweise Kafka Hibino mit einer Kampfkraft von 1% in seiner menschlichen Form die Definition des „Lauch“ während seine Kameradin und wohl talentierteste Novizin Kikoru bereits zu Beginn an Werten mittleren zweistelligen Werten kratzt. Auch sie ist wegen ihrer Geschichte, einem familiären Erbe von Ehre und Ansehen, dazu angehalten stetig stärker zu werden. Es bleibt ihnen leider auch keine andere Wahl, denn wie es der Plot so will, entwickeln sich die in Wellen auftretenden Kaijus natürlich auch weiter, allen voran Kaiju No. 9, der einen komplizierten Plan und eine neue Fähigkeit nach der Anderen entwickelt. Die daraus resultirenden Zerstörungen ganzer Stadtteile und Lebensgrundlage sind natürlich in Kauf zu nehmen.

Warum sollte man diesen Anime sehen?

Nun wurde viel Kritik an Kaiju No. 8 an dieser Stelle ausgeteilt. Im Kern bleibt jedoch übrig und sollte auch hauptsächlich so verstanden sein, dass dieser Anime ein wirklich gelungenes Werk ist. Es ist ein Schmelztiegel aktueller, politischer Probleme, zeigt eine großartige visuelle Umsetzung, interessante Figuren, die ihrerseits viel Raum für Entwicklung anbieten und einem darunter liegenden Humor, dem es gelingt all das zusammen zu halten. Der Humor ist eigensinnig, denn gerade die „seriösesten“ Figuren dienen häufig als Comic-Relief und sind scheinbar dümmlicher, als die meisten einfachen Soldaten dieser Welt. Bis auf die weiblichen Figuren dieser Welt ist ein großer Teil der männlichen Kommandeure einfach gestrickt und kindisch. Sie sind auch diejenigen, die die Anime-Klischee Expressionen zeigen, also Schweißtropfen bei Nervosität, Punktaugen bei Fassungslosigkeit oder weit aufgerissene Münder mit spitzen Zähnen in Szenen der Wut.

Es bleibt ein Action-Anime und dieser kann alles, was man von einem solchen erwarten möchte überaus zufrieden stellen. Die Animationen sind bombastisch, die Kaijus großartige designte Schreckensgestalten, die Kämpfe gewaltig und alles in allem auch fantastisch im Sounddesign. Gerade die Kämpfe wirken durch das Sounddesign sehr authentisch und greifbar, auf einem Standard den man aus AAA-Hollywood Produktionen manchmal nicht erhält. Ein Spaß für alle Action-Fans und Monster-Schlachten.

Lars Hünerfürst

Lars Hünerfürst

Minimalistisch und musikalischer Comic Enthusiast - lief zu Fuß von Berlin nach Paris.

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