
Ich hab beide Teile von Kathy Rain komplett auf dem Steam Deck gespielt und relativ schnell gemerkt, warum die Reihe bei Adventure-Fans so einen guten Ruf hat. Der Einstieg ist dabei fast schon klassisch. Kleine Stadt, düstere Vergangenheit, kaputte Familienverhältnisse und eine Hauptfigur, die eher mit sich selbst kämpft als mit der Außenwelt.
Und genau da kommt auch direkt dieser True Detective Vibe rein. Nicht im Sinne von kopiert, sondern eher dieses Gefühl von langsamer, schwerer Ermittlungsarbeit. Viel Dialog, viel Atmosphäre und dieses permanente Gefühl, dass unter der Oberfläche etwas richtig Unangenehmes liegt.
Zwei Spiele, ein klarer Stil
Der erste Teil Kathy Rain spielt in den 90ern und schickt dich als Journalismus-Studentin zurück in deine Heimatstadt, um ein mysteriöses Ereignis rund um deinen Großvater aufzuklären.

Der zweite Teil Kathy Rain 2: Soothsayer geht dann einen Schritt weiter. Größer, etwas moderner und mit einem neuen Fall rund um Serienmorde. Gleichzeitig bleibt das Grundgefühl komplett erhalten. Man merkt sofort, dass hier keine komplette Neuausrichtung passiert ist, sondern eher eine Weiterentwicklung.

Gameplay – klassische Rätsel, aber richtig gut
Beide Spiele bleiben sehr nah am klassischen Point-and-Click-Design. Inventar, Dialoge, Kombinieren von Gegenständen. Nichts Neues, aber genau das ist hier die Stärke.

Die Rätsel sind umfangreich, teilweise sogar überraschend komplex, aber sie bleiben logisch. Ich musste selten in einen Guide schauen, und wenn doch, dann eher aus Ungeduld als aus Frust.
Das ist genau die Art von Design, die man heute nicht mehr so oft sieht. Keine wilden Trial-and-Error Lösungen, sondern nachvollziehbare Gedankengänge.
Look & Stil – Pixel trifft Handarbeit
Optisch sind beide Teile ein spannender Mix. Die Figuren sind klar im Pixelstil gehalten, während die Hintergründe oft deutlich detaillierter wirken. Das erinnert an klassische 90er Adventures, wird aber moderner umgesetzt. Die Pixel-Charaktere bewegen sich durch fast schon handgemalt wirkende Umgebungen, was dem Ganzen eine eigene Tiefe gibt.

Dieser Stil ist auch kein Zufall. Das Spiel orientiert sich bewusst an alten Genregrößen und wurde sogar mit Tools entwickelt, die genau diese klassische Adventure-Struktur unterstützen.
Man merkt einfach, dass hier jemand bewusst dieses Retro-Gefühl einfangen wollte, ohne komplett altbacken zu wirken.
Entwickler & Hintergrund
Hinter der Reihe steckt das schwedische Indie-Studio Clifftop Games, das ursprünglich als Ein-Mann-Projekt gestartet ist. Das erklärt auch ein bisschen, warum sich die Spiele so fokussiert anfühlen. Keine unnötigen Systeme, keine offenen Welten, sondern ein klar erzähltes Adventure mit viel Liebe zum Detail.

Interessant ist auch, dass sich der Entwickler stark von Serien wie Twin Peaks inspirieren ließ.
Und genau das merkt man. Diese Mischung aus Krimi, Übernatürlichem und persönlichem Drama zieht sich durch beide Teile.
Steam Deck – perfekte Kombination
Auf dem Steam Deck funktionieren beide Teile richtig gut. Point-and-Click ist ohnehin wie gemacht für Handhelds, und hier passt einfach alles zusammen.
Touch funktioniert, Steuerung funktioniert, Sessions lassen sich gut unterbrechen. Gerade weil die Spiele stark über Dialoge und Atmosphäre kommen, sind sie perfekt für unterwegs oder abends auf der Couch.





