Loco Motive – Point & Click auf einer luxuriösen Dampflok

4. Februar 2026
1 Minute Lesezeit

Ich hatte kürzlich zwei jeweils acht Stunden lange Flüge vor mir. Diese Art von Reisen, bei der man irgendwann nicht mehr weiß, ob man gerade über dem Atlantik oder schon in einem endlosen Zeitloch hängt. Für genau solche Situationen war Loco Motive auf dem Steam Deck ziemlich perfekt. Kopfhörer auf, Deck in der Hand, und plötzlich saß ich nicht mehr im Flugzeug, sondern in einem luxuriösen Zug irgendwo zwischen britischem Humor, Mordfall und Pixelnostalgie.

Von Loco Motive hatte ich vorher schon im OK Cool-Podcast gehört, wo der deutsche Komponist des Soundtracks zu Gast war. Allein das Gespräch über Musik, Humor und diese sehr spezielle Art von Adventure hat gereicht, um das Spiel auf meine innere „muss ich mir anschauen“-Liste zu setzen und auf meine Steam Wishlist. Und ja, das war eine gute Entscheidung.

Loco Motive ist ein klassisches Point-and-Click-Adventure, das sich ganz bewusst an alten LucasArts-Zeiten orientiert, ohne sich darin zu verlieren. Die Geschichte dreht sich um einen Mord an Bord eines luxuriösen Zuges, erzählt aus verschiedenen Perspektiven. Man wechselt zwischen mehreren Figuren, jede mit eigener Persönlichkeit, eigenen Motiven und eigenem Blick auf das Geschehen. Das sorgt dafür, dass die Geschichte angenehm Fahrt aufnimmt und nie zu statisch wirkt.

Der Humor ist dabei ein ganz großer Pluspunkt. Sehr britisch, sehr trocken, oft herrlich absurd, aber selten albern. Dialoge tragen das Spiel, und das tun sie erstaunlich gut. Die Sprachausgabe sitzt, die Figuren bleiben im Kopf, und selbst Nebencharaktere bekommen genug Raum, um mehr zu sein als nur Klick-Hindernisse.

Spielerisch bleibt Loco Motive klassisch. Rätsel sind größtenteils logisch, manchmal leicht verschachtelt, aber nie unfair. Auf dem Steam Deck funktioniert das überraschend gut. Touch-Eingabe, große Hotspots, alles gut lesbar – ein echtes Reise-Adventure. Perfekt für kurze Sessions, aber auch für längere Abschnitte, wenn man einfach drin bleibt.

Visuell ist der Pixelstil detailreich, bunt und sehr bewusst inszeniert. Der Zug wirkt lebendig, fast wie eine kleine Bühne, auf der ständig irgendwo etwas passiert. Dazu kommt der Soundtrack, der genau das macht, was er soll: Atmosphäre aufbauen, ohne sich in den Vordergrund zu drängen.

Natürlich ist Loco Motive kein Spiel, das das Genre neu erfindet. Aber es versteht sehr genau, was ein gutes Adventure ausmacht, und zieht das konsequent durch. Es ist angenehm, clever und einfach verdammt gut geschrieben.

Loco Motive – Point & Click auf einer luxuriösen Dampflok
Tolles Point-and-Click
Loco Motive ist ein klassisches Point-and-Click-Adventure mit viel Charme, starkem Humor und einem tollen Gespür für Tempo und Atmosphäre. Kein Revolutionär, aber ein sehr runder Vertreter seines Genres und ein perfekter Begleiter für lange Reisen.
Pro
Großartig geschriebene Dialoge mit viel britischem Humor
Sehr gut für das Steam Deck geeignet
Stimmiger Soundtrack und starke Atmosphäre
Kontra
Keine großen spielerischen Überraschungen
Rätsel bleiben meist auf sicherem Niveau
Wer moderne Adventure-Experimente sucht, wird hier nicht fündig
8

Nils Hünerfürst

Nils Hünerfürst

Nils Hünerfürst (geb. 1991) ist Mediengestalter für Bild und Ton und schreibt seit Jahren über Technik, Kultur und Videogames. Zwischen Kamera, Blog und dem Elternalltag verbindet er Beruf und Leidenschaft auf seine ganz eigene Art.

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Über Hünerfürst.de

Hünerfürst.de gehört seit 2009 zu den prägenden deutschsprachigen Blogs rund um digitale Netzkultur. Gemeinsam mit seiner Familie berichtet der Mediengestalter und Autor Nils Hünerfürst dort über Technik, Alltagskultur, gutes Essen und natürlich jede Menge Videospiele.