Teenager zu sein ist nicht leicht. Die Hormone schießen einem durch den Organismus, jeder Tag kann sich ganz anders anfühlen, man könnte sogar jeden Tag wer anderes sein und niemand wäre darüber besonders verwundert. In „Machen ist wie Wollen, nur krasser“ beschreibt Valentin Krayl ebendiese Phase im Leben eines Jungen. Auf 128 Seiten erzählt die Geschichte vom Streben und Leiden des Neuntklässlers Karl. Erschienen ist dieses Coming of Age Comic als Softcover beim Berliner Jaja-Verlag.
Vom Helden zum Hip-Hop
„Die meiste Zeit meines Lebens war ich ein Held. Hoch zu Ross. Ich kämpfte gegen die Monster…besiegte die Bösewichte…eroberte das Herz der Prinzessin…und wurde von allen gefeiert. Ganz einfach. Aber diese Zeit liegt nun hinter mir.“
Machen ist wie Wollen, nur krasser. Jaja-Verlag.
Mit diesem aussagekräftigen Monolog, bebildert mit Figuren, die Lego oder Fantasyfiguren ähneln, beginnen wir diese Geschichte. Karl steht vorm Spiegel und blickt der Realität ins Gesicht. Die Welt ist komplexer und komplizierter geworden, seitdem er kein kleines Kind mehr ist.
Er macht sich auf den Weg, seine angebetete Klassenkameradin am Kino zu treffen. Nach fast einer Stunde Wartezeit im Regen taucht sie mit einer Freundin zum Date auf. Sie sehen den ersten Teil der „Herr der Ringe“. Diese popkulturelle Referenz wird nur eine von vielen weiteren sein, die den Zeitpunkt der Handlung ganz klar auf die Anfang 2000er festlegen. Videoclips auf MTV, die Hochzeit von Jackass, Bombing und Tags von Graffitis, wohin man auch blickte, Reality-TV aus den USA und handliche Digitalkameras mit Handschlaufen sind nur einige Anspielungen, die in diesem Comic gezeigt werden.
Karl ist verliebt in die als Prinzessin dargestellte Anna. Doch muss er sich nach ihrem Date der Realität stellen. Anna ist in einen Jungen aus der 10. Klasse verliebt: Hip-Hop Micha. So beschließt Karl schließlich seinen Kampf um die Gunst der holden Anna auf ein anderes Schlachtfeld zu übertragen. Er wird Sprayer und will sich so den Respekt der Stadt erarbeiten, um Anna zu überzeugen, sich für ihn zu entscheiden. Auf dieser Reise begleiten wir Karl durch so einige erheiternde Situationen. Der Beginn seines Schülerpraktikums, die eine oder andere Party und der Beginn einer neuen Freundschaft sind nur ein paar Stationen auf diesem Ritt durch den Zeitgeist und die Popkultur des frühen 21. Jahrhunderts in Deutschland. Das Leben eines Teenagers ist wirklich nicht sehr einfach, denn schnell muss Karl feststellen, dass Wollen und Machen etwas grundsätzlich anderes sind. Wie häufig unerwartet sich das Schicksal wendet, wird er auch zum ersten Mal am eigenen Leib erleben.
Als jemand, der zur selben Zeit in einer ähnlichen Phase der Entwicklung steckte, kann ich die vielen Anspielungen und das Selbstverständnis des Protagonisten gut nachvollziehen. Auch daher konnte mir diese Geschichte das eine oder andere Lächeln und nostalgische Schmunzeln entlocken. Wie sehr dieser Comic jemanden berührt, der nur ein paar Jahre älter ist, kann ich nicht abschätzen. Dass dieser Comic ziemlich unterhaltsam ist und interessante zeitgeschichtliche Phänomene aufzeigt, bleibt aber auch ohne ein umfassendes Verständnis für diese Zeit außer Frage.
The style
Valentin Krayl’s drawings are simple and sometimes rough, show a certain street charm and give the impression as if the protagonist Karl had drawn them himself. The characters are exaggerated in their own character traits. Very pointed long noses, a noticeable baseball cap or even body hair sometimes look as if they were quickly put to paper. This gives the entire comic the effect of an elaborate sketch , which is also colored in simple, thematically adapted colors.
Die am häufigsten vertretene Farbe ist das pantonefarbene Grün, von dem sich Karls Mütze im kräftigen Orange abhebt. Mindestens genauso oft findet sich Gelb, entweder in Karls Haar, als Hintergrund oder Highlight verschiedener Figuren. In Traumsequenzen, einer empfundenen Bedrohung und einer überzeichneten fantasiereichen Wahrnehmung findet sich zudem ein dunkles Violett. Dies ist die Fortführung des Farbcodes, der anfänglich mit einem zarten Rosa ausschließlich auf Anna bezogen ist. Andere mit Sexualität oder emotionalen und körperlichen Reizen verbundene Personen oder Objekte werden zunehmend in roten Tönen dargestellt.
Die Struktur dieses Comics ist absolut konventionell, muss aber auch nicht innovativ sein, da sie eine sehr „gewöhnliche“ Coming of Age Episode erzählt. Gewöhnlich insoweit, dass die Erlebnisse von vielen Menschen nachempfunden werden könnten. Die Panels als solche sind, wie auch der Rest der Darstellungen, nicht glatt oder gar sauber gezeichnet. Sie sehen aus, als wären sie alle Freihand auf Papier gebracht worden. Dies gibt dem visuellen Eindruck die zusätzliche Ebene einer Skizze.