Marauders 3 – Rückkehr nach Madripoor

26. Oktober 2021
2 Minuten gelesen

Der umfangreiche X-Men Kosmos wird seit Jonathan Hickmans neuem Status quo komplexer und thematisch vielfältiger als je zuvor. So gelingt dem Team um Autor Gerry Duggan („Deadpool“, „Uncanny Avengers“), bestehend aus Matteo Lolli und Stefano Caselli, eine gesellschafts- und kapitalkritische Geschichte zu erzählen, die zudem auch noch humorvoll unterhaltsam ist.

Die Reihe „Marauders“ (Marodeure/Piraten) erscheint bei Panini Comics und bietet neben den fünf beinhaltenden Heften eine kleine Variantcover-Galerie.

Die Handlung

Die Marauders sind eine Gruppe Mutanten, die sich um Kate Pryde auf dem gleichnamigen Schiff versammelt haben. In waghalsigen Missionen haben sie bisher für die Verbreitung von Medizin und Konfliktlösungen in einigen Regionen gesorgt. Im vorigen Band wurde Kate Opfer eines Hinterhalts, was dazu führte, dass sie nun als vollständige Mutantin von „den Fünf“ wiedergeboren werden konnte.

Mit Emma Frost, eine der führenden Figuren der Hellfire Trading Company, Geschäftspartnerin und Freundin Kates, überwältigt sie den Drahtzieher des Attentats. Der hinterlistige Sebastian Shaw nutzte seinen Sohn aus und wird nun von den zwei Maraudern zu einem Handel „motiviert“ und für seine Vergehen bestraft.

Im Weiteren erzählt der Autor eine Geschichte über die Ausnutzung von finanzieller und politischer Macht. In Madripoor, eine der wichtigsten Handelsstädte für die Mutanten, regelt die mutantenfeindliche Organisation Verendi die Belange der Stadt. Ihre durchweg kapitalistischen Ziele werden vermehrt mittels der strategischen Finesse von Emma Frost bedroht und teils aus den Angeln gehoben. So eröffnen die X-Men eine kostenlose Klinik inmitten des Armenviertels, welches für eine neue Skyline geräumt werden sollte.

Es entsteht ein politisierter und manchmal medial ausgefochtener Konflikt zwischen den ideell motivierten Mutanten, die ihre Ressourcen dem Wohl der Welt zukommen lassen, und der mächtigen Elite, die niemanden außer sich selbst bereichern will. Dies auch mit allen dreckigen Mitteln.

Ororo, die Wetter manipulierende Omega-Mutantin der ersten Stunde, erfährt in diesem Paperback verteilt ihre eigene kleine Handlung über Freundschaft und Vergebung und wird für ihre Integrität gehuldigt. Mehr soll nicht verraten werden.

Der Stil

Ebenso wie der sich durchziehende Humor ist der gezeigte Zeichen- und Kolorationsstil farben- und facettenreich. Die zwei Künstler Lolli und Caselli schaffen es zudem, einen recht homogenen Wechsel ihrer Stile anzugleichen. Casellis Zeichnungen, alle außer Heft 17 und 18, sind etwas strukturreicher und weniger knallig in ihren Farben. Die schön gelungene Kolorierung übernahmen Edgar Delgado und Chris Soromayer (nur im letzten Heft). Casellis Figuren sind ein wenig kantiger, sehr ausdrucksstark und immer schön in Szene gesetzt.

Matteo Lollis zwei Hefte heben sich nur durch den etwas digitaler wirkenden Look ab. Vieles der Atmosphäre wird über die Kolorierung erzeugt, die mit gut gesetzten Farbverläufen und Lichtquellen fantastisch aussieht; fast schon zu schön für diese raue Welt der sich nach Freiheit kämpfenden Mutanten. Auch ihm gelingt die Präsentation von Emotionen anhand weniger Gesichtsausdrücke. Einiges des Humors dieses dritten Bandes stützt sich auf die visuelle Komik.

Fazit
Dieses durchweg schön anzusehende Paperback bestätigt den Eindruck der Reihe „Marauders“ nochmals. Es scheint die wohl beste „X-Men“-Reihe zu sein, die es derzeit zu finden gibt. Die Handlungen und Konflikte wirken relevant, auch für die reale Welt, die Zeichnungen sind fantastisch und die Entwicklung der Figuren reift weiterhin wie bei einem guten Übersee-Rum. Definitiv zugreifen und nachholen, wer es noch nicht hat und X-People-Fan ist.
Pro
Schöne Bilder, gut funktionierender Humor und spannende kritische Thematiken.
Kontra
Teilweise Anspielungen auf andere Reihen, die nicht weiter erklärt werden, aber wichtig scheinen.
9

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Über den Autor

Lars Hünerfürst

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