Moon Girl und Devil Dinosaur 2

14. April 2022
2 Minuten gelesen

Bereits zum zweiten Mal darf die in Deutschland noch relativ unbekannte Lunella Lafayette alias Moon Girl ihre Abenteuer vollbringen.

Dieser ebenfalls unter dem Imprint Panini Ink vom Stuttgarter Verlag Panini Comics laufende Titel „Moon Girl und Devil Dinosaur 2: Die Mondfahrt“ beherbergt die anschließenden zwölf Kapitel des ersten Bandes.
Auch diese Ausgabe wurde vom Autorengespann Brandon Montclare und Amy Reeder verfasst. Neben der Stammzeichnerin dieser Reihe, namentlich Natacha Bustos, finden sich noch Ray-Anthony Height, Leonard Kirk, Michael Shelfer und Dominike Stanton im Team der Zeichner. Tamra Bonvillain hat bei allen Kapiteln für die Koloration und Stimmung gesorgt.

Dieses Paperback ist, wie von Panini Ink gewohnt, eine Softcoverausgabe im Kleinformat.

Sag mal, kommst du vom Mond?

Lunella Lafayette ist die wohl klügste Person des gesamten Marvel-Kosmos. Ihre überaus große Auffassungsgabe paart sich jedoch mit einer jugendlich naiven „das wird schon klappen“-Mentalität. Doch nicht nur das wird ihr in dieser Ausgabe das eine oder andere Mal etwaige Komplikationen einbrocken.

Im vorigen Band hat sie bereits Bekanntschaft mit Amadeus Cho alias Hulk gemacht. Nun trifft sie schon sehr zeitig auf einen weiteren Bewohner der Yancy Street. Es ist niemand Geringeres als der kotterschnauzige Ben Grimm alias Das Ding. Ganz im Stile seiner Altherrenattitüde ist er gekommen, um der Neunjährigen mal etwas über die Welt und Freundschaft zu erklären. Sie fühlt sich immer noch nicht verstanden, ja nicht einmal akzeptiert dafür, was sie ist: die klügste Person der Welt im Körper einer Neunjährigen, die zu allem Überfluss einen riesigen roten Tyrannosaurus-Rex als Teamkollegen mit sich führt.

Wäre dieser ganze Stress nicht schon genug, könnte man meinen, es fehle eine Bedrohung vom Super-Bösewicht-Kaliber. Der für tot geglaubte Dr. Doom hat in seinem gewählten Exil von der Existenz Lunellas erfahren und fühlt sich in seinem Stolz gekränkt. Ein Kind, das schlauer sein soll als sein Erzfeind Reed Richards und er zusammen. So entsendet er Doom-Bots, um sich der kindlichen Bedrohung zu entledigen. Jedoch hat Viktor van Doom nicht mit der Unterstützung durch Dr. Strange, Ironheart, die X-Men und die grobschlächtigen Freunde Hulk und Das Ding gerechnet.

Mithilfe einiger X-Men-Technologien baut sie sonderliche Apparaturen, die das Raum-Zeit-Kontinuum durchschütteln, ihr eine Reise auf einen Mond ermöglichen und ihr sogar die Raum-Zeit-Brücke zugänglich machen. So kommt es zu einem überraschend tragischen Abschied zwischen zwei Figuren, die sich (hoffentlich) wieder vereinen werden.

In diesem Band ist sehr viel los. Themen wie Freundschaft, Verlässlichkeit, Eltern-Kind-Beziehungen und so etwas wie der Suche nach einer Aufgabe im Leben werden behandelt und liebevoll kindlich auserzählt. Es ist eine klare Steigerung zum vorigen ersten Band dieser Ink-Reihe.

Bunt und frech

Mit Ausnahme des zweiten und dritten Kapitels, das von Ray-Anthony Height gezeichnet wurde, zeigt die Künstlerin Natacha Bustos ihre Freude an diesen Figuren. Ihre Arbeit lässt sich auch in einigen Kapiteln des Miles Morales: Spider-Man Runs erblicken.

In der hiesigen Ausgabe von Moon Girl präsentiert Bustos einen sehr präzisen Zeichenstil. Die Formen sind wohlwollend, weich und jugendlich, kräftig und kantig und manchmal detailreich. Nichts wirkt dabei dem Zufall überlassen oder gar zu weniger Arbeitszeit zum Opfer fallend. Die vielen Gastauftritte beweisen, wie gut ihr Blick für das nötige Detail ist, um einen Charakter in einem Panel im Kern zu erfassen. Außerdem gelingt es ihr, den diesmal etwas besser funktionierenden Humor mit ihren Bildern perfekt zu unterstützen.

Die Kapitel 14 und 15 nähern sich dem Stil Bustos an, auch wenn sie ihre eigene Linie fahren. Es passiert mehr in den Bildern, die Figuren sind ausgearbeiteter und die Szenerie wirkt ebenso detailreicher. Allerdings kommt die Naseweis Lunella Lafayette dann nicht mehr ganz so niedlich und frech herüber. Sie scheint dann nur noch frech und vorlaut. Nichtsdestotrotz sind diese zwei Kapitel ebenfalls interessant zu betrachten und schüren ein gewisses Interesse, diesen Künstler in einem anderen Kontext zu sehen.

Allgemein kann man festhalten, dass diese Reihe sehr farbenfroh, vermehrt kosmisch und energisch unterwegs ist. Beim abschließenden Durchblättern für den Gesamteindruck blitzen die knalligen Panels und Figuren nur so von den Seiten. Es ist wegen der ausbleibenden expliziten Gewalt zudem sehr geeignet für Kinder.

Fazit
„Moon Girl und Devil Dinosaur 2: Die Mondfahrt“ überzeugt visuell wie auch erzählerisch auf ganzer Breite. Für das, was es ist (nämlich ein Comic für ein jüngeres Publikum), macht es einen fabelhaften Eindruck. Die wachsenden Sympathien zu den Figuren kann man dem versierten Erzählen der beiden Autoren zuschreiben. Ebenso wird der thematische Bogen etwas weiter gefasst und man traut sich an größere Fragen heran, was sehr gut gelungen ist. Natürlich ist und bleibt es die Geschichte einer Neunjährigen mit Problemen einer Neunjährigen. Doch ist sie eben nicht nur irgendein Kind, sondern ein durch den Weltraum und die Zeit reisendes Genie mit einem roten Dino. Wenn das nicht reicht, um das Kinderherz hochspringen zu lassen, was dann?
Pro
Fesselnde Handlung mit Charakterentwicklung und vielfältigen Themen, ergänzt durch lebendige und energiegeladene Kunstwerke.
Kontra
Unterschiedliche Kunststile und eine mögliche Verschiebung in der Darstellung der Hauptfigur können für einige Leser die visuelle Konsistenz beeinträchtigen.
10

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Über den Autor

Lars Hünerfürst

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