My Home Hero 1

27. März 2022
2 Minuten gelesen

Eine gute Kriminalgeschichte bedarf eines intelligenten Planers, eines durchtriebenen und moralisch fragwürdigen Gegenspielers und des Bedürfnisses, jemanden zu beschützen. Was aber, wenn all die genannten Attribute in einer Person vereint werden?

In „My Home Hero“ begibt sich das Team aus Autor Naoki Yamakawa und dem Zeichner Masashi Asaki in die Abgründe aufreißende Unternehmung, einen Familienvater zum Opfer seiner Umstände und gleichzeitig Täter werden zu lassen. Dieser Manga startete beim Imprint Manga Cult des Verlags Cross Cult.

Impulskontrolle

Der Protagonist und Familienvater Tetsuo Tosu wartet auf seine achtzehnjährige Tochter Reika. Sie hat gerade ihr Studium begonnen und wohnt allein in der Stadt. Wie man im Laufe der Geschichte erfährt, ist deren Bindung sehr innig und vertraut. Doch was muss der tollpatschige Büroangestellte, dessen Hobby es ist, Kriminalgeschichten im Internet zu veröffentlichen, dort im Gesicht seiner Tochter sehen? Blaue Flecken und offensichtliche Einwirkungen von häuslicher Gewalt versucht sie unter einer Sonnenbrille zu verstecken. Schnell kommt heraus, dass wohl ihr neuer und erster Freund dafür verantwortlich ist.

Durch Zufall belauscht Tetsuo kurz darauf ein Gespräch junger Erwachsener auf der Straße. Er verfolgt den vermeintlichen Freund seiner Tochter und muss mit Erschrecken feststellen, dass er wohl ein Yakuza ist, der bereits zwei seiner Ex-Freundinnen umgebracht und verschwinden lassen hat.

Als er dann in die Wohnung seiner Tochter geht, um sich Gewissheit darüber zu verschaffen, steht plötzlich der Freund seiner Tochter in der Wohnung. Tetsuo versucht sich anfangs zu verstecken und dem Konflikt aus dem Weg zu gehen, wird sich jedoch bewusst über die daraus folgenden Konsequenzen seiner Inaktivität: noch mehr Gewalt gegenüber seiner Tochter. Gar die ganze Familie ist zum Ziel der Yakuza geworden, denn sie scheint sehr wohlhabend zu sein. So kommt es, wie es kommen muss. Die körperliche Auseinandersetzung endet tödlich. Doch nicht etwa für den besorgten Familienvater.

Während des Versuchs, die Übersprunghandlung und den Totschlag zu verdecken, taucht auch noch seine Frau und Mutter der gemeinsamen Tochter in der Wohnung auf. Schnell entschließen sie sich, die Leiche möglichst unauffällig verschwinden zu lassen. Es entwickelt sich eine gewisse „Breaking Bad“-Atmosphäre als einer der beiden dann zum Baumarkt aufbricht, um die nötigen Werkzeuge und Materialien zu besorgen.

Ein Yakuza kommt doch selten allein. Schnell wird klar, dass die Familie und der Getötete beschattet wurden. Der verstorbene Nobuto Matori ist der Sohn des Anführers des Clans und das Einzige, das diesem blieb. Es entwickelt sich ein Katz- und Mausspiel zwischen den Yakuza und dem perfide kalt zusammenarbeitenden Ehepaar, das den Mord verdecken will.

Der Stil

Ganz allgemein kann man über diesen Manga sagen, dass dieser ziemlich erwachsen wirkt.

Die Charaktere werden in aufreibenden Situationen gezeigt, in denen sie ekstatische und gewaltvolle Expressionen tragen. Die stillen und empfindsamen Augenblicke sind allerdings ebenso kraftvoll und mitreißend. Beispielsweise in den Momenten, in denen sich Tetsuo klar wird, welches Schicksal ihm und seiner Familie drohen könnte.

Die gezeigten Szenen, in denen Gewalt verübt wird, sind zudem schonungslos und direkt. Jedoch rutscht der Manga nicht in Splatter oder Gore ab.

Einen großen Teil des Charmes dieses Mangas machen dabei vielleicht die berechnenden Sequenzen des Tetsuo aus. Wie in einer mentalen Skizze des Plans wird das anstehende Vorgehen in seinen Bestandteilen aufgelistet und von Monolog unterlegt erläutert. Diese dezidierte Planungsphase mag manches Mal an Nuancen des Mangas „Death Note“ erinnern.

Die recht textlastigen Panels strahlen eine klare und übersichtlich saubere Atmosphäre aus. Der Einsatz von Rasterfolie ist begrenzt, die Dimensionalität wird eher durch Schraffuren oder Schattierungen erzeugt. Die Inszenierung ist ziemlich filmisch und funktioniert reibungslos, sodass sich die daraus entstehende Anime-Serie schon fühlen lässt.

Fazit
Mit dem Auftakt von „My Home Hero“ haben der Autor Yamakawa (sein erstes großes Werk) und der im Krimi-Genre geübte Zeichner Asaki einen vielversprechenden Anfang präsentiert. Die Figuren lassen sich schnell fühlbar greifen, der unter der Oberfläche schwelende Konflikt wirbt für steigende Spannung und die Hybris des Protagonisten Tetsuo ist ein hervorragendes Motiv für weitere Charakterentwicklung. Die überaus gelungenen Bilder bilden zusammen mit der spannungsreichen Geschichte einen fesselnden ersten Band, der leider zu schnell zu Ende ist.
Pro
Spannende Kriminalgeschichte für Erwachsene, komplexe Charaktere in intensiven Situationen, strategische Planungselemente, die an „Death Note“ erinnern, filmischer und klarer Kunststil.
Kontra
Einige Szenen zeigen drastische Gewalt und sind aufgrund der Kürze des ersten Bandes nur begrenzt einprägsam.
9.2

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Über den Autor

Lars Hünerfürst

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