
Bevor wir über Reigns: The Witcher sprechen, muss man kurz erklären, wie die Reigns-Spiele grundsätzlich funktionieren.
Das Prinzip ist simpel: Man bekommt Karten mit Entscheidungen präsentiert und wischt nach links oder rechts. Jede Entscheidung beeinflusst vier Werte, meist Machtbereiche wie Militär, Kirche, Volk oder Geld. Gerät einer dieser Balken in den Bereich Null heißt es Game Over. Ziel ist es also, so lange wie möglich die Balance zu halten, während sich eine größere Geschichte entfaltet.
Das klingt banal, ist aber erstaunlich fesselnd. Kurze Runden, schnelle Konsequenzen, permanentes Risiko. Und genau dieses System wird nun ins Witcher-Universum übertragen.
Geralt auf dem Thron – oder zumindest davor

In Reigns: The Witcher schlüpft man in die Rolle von Geralt von Riva und trifft Entscheidungen, die politische, moralische oder einfach sehr witchertypische Konsequenzen haben. Monster jagen oder verhandeln? Einen Herrscher unterstützen oder fallen lassen? Einen Fluch brechen oder kassieren?
Auf dem Steam Deck funktioniert das hervorragend. Das Wischen mit dem Stick oder Touchscreen fühlt sich natürlich an, die Sessions sind kurz genug für zwischendurch, aber durch das Fortschalten von Karten bleibt man doch länger dran als geplant.
Atmosphärisch passt erstaunlich viel. Die Illustrationen greifen den düsteren Stil der Vorlage gut auf, ohne überladen zu wirken. Bekannte Figuren tauchen auf, Dialoge sind trocken, manchmal zynisch, genau wie man es erwartet.
Mehr Witcher als erwartet – aber nicht tief genug

Was gut funktioniert, ist die Grundidee: Das Reigns-System passt überraschend gut zur politischen Zerrissenheit des Witcher-Universums. Entscheidungen sind selten eindeutig richtig oder falsch. Oft fühlt sich selbst eine „gute“ Wahl wie ein Kompromiss an. Das passt.
Was weniger gut funktioniert, ist die Langzeitmotivation. Nach einigen Stunden merkt man, dass sich viele Situationen wiederholen. Klar, es gibt freischaltbare Karten, neue Ereignisse und kleine Storyfäden, aber die Mechanik bleibt sehr reduziert. Das ist gewollt, aber eben auch begrenzend.
Gerade wenn man vom Witcher-Universum komplexere Verstrickungen gewohnt ist, fühlt sich das hier manchmal etwas leichtgewichtig an. Es bleibt ein Kartenspiel mit Witcher-Anstrich und kein vollwertiges Rollenspiel in Miniaturform.
Steam Deck – genau der richtige Ort
Auf dem Steam Deck fühlt sich das Spiel fast wie dafür gemacht an. Kurze Sessions im Bett, auf dem Sofa oder unterwegs – perfekt. Keine Ladezeiten, keine komplizierten Menüs, einfach Karte für Karte Entscheidungen treffen. Technisch lief alles stabil, keine Auffälligkeiten, keine Performance-Themen.



