Spindle im Test: Zelda-Melancholie aus Berlin

6. Dezember 2025
1 Minute Lesezeit

Ich habe mir Spindle angeschaut, ein kleines Action-Adventure vom Berliner Indie-Studio Wobble Ghost Games, das ich 2023 noch auf der gamescom in der Indie Arena Booth gesehen habe. Damals war es eher ein Geheimtipp, inzwischen ist das Spiel endlich erschienen und man kann sich selbst ein Bild davon machen, was aus dem Projekt geworden ist.

Du spielst den Tod. Klingt erstmal schwer und düster, wird hier aber sehr ruhig und fast schon märchenhaft erzählt. Dein ständiger Begleiter ist ein kleines Schwein, und gemeinsam macht ihr euch auf den Weg durch eine Welt, in der niemand mehr sterben kann. Klingt romantisch, ist es aber nicht wirklich, denn genau darin liegt das Problem dieser Welt. Irgendetwas ist grundlegend kaputt. Und du bist derjenige, der herausfinden soll, warum.

Atmosphäre & Idee

Was Spindle von Beginn an gut macht, ist seine Stimmung. Pixelgrafik, verlassene Landschaften, ruhige Musik und dieses unterschwellige Gefühl, dass hier etwas nicht stimmt. Das Spiel nimmt sich Zeit und schreit nicht nach Aufmerksamkeit. Es ist eher leise, manchmal melancholisch und immer ein bisschen traurig, ohne dabei aufgesetzt zu wirken.

Thematisch geht es um Tod, Verlust und Erinnerungen, aber nie auf die Holzhammer-Art. Das Spiel will keine große Predigt halten, sondern erzählt vieles über Bilder, Orte und kurze Dialoge. Das funktioniert an vielen Stellen gut, bleibt aber auch öfter mal etwas vage.

Gameplay & Spielgefühl

Spielerisch ist Spindle ein klassisches Top-Down-Adventure. Du erkundest Gebiete, löst Rätsel, kämpfst gegen Gegner und wechselst zwischen verschiedenen Tierformen, die dir neue Fähigkeiten geben. Dein Schwein hilft dir bei bestimmten Aufgaben, ist aber mehr Begleiter als echtes Spielelement.

Einige Dungeons und Bosskämpfe sind überraschend gelungen. Andere wirken eher wie Pflichtprogramm. Die Steuerung ist solide, aber die Weltführung ist nicht immer klar. Ich bin mehr als einmal herumgeirrt, weil mir nicht eindeutig gesagt wurde, wo es weitergeht oder was als Nächstes erwartet wird.

Das Spiel zwingt nichts auf. Es erklärt wenig. Für manche ist das Atmosphäre, für andere Frust. Bei mir war es eine Mischung aus beidem.

Devlog & Entwickler

Besonders sympathisch ist, wie offen Wobble Ghost Games das Projekt begleitet haben. Auf dem offiziellen YouTube-Kanal gibt es einen Devlog, der schön zeigt, wie viel Herzblut in das Spiel geflossen ist. Es ist kein Produkt „von der Stange“, sondern ein echtes Indie-Projekt, das über Jahre gewachsen ist.

Man merkt dem Spiel an, dass hier ein kleines Team am Werk war. Nicht immer technisch perfekt, aber ehrlich.

Spindle im Test: Zelda-Melancholie aus Berlin
Süß und mäh zugleich
Spindle ist kein Spiel für jeden. Es ist ruhig, langsam, manchmal sperrig und nicht besonders lang. Aber es hat Charakter. Wer Indie-Spiele liebt, die eher über Stimmung als über Mechanik funktionieren, wird hier wahrscheinlich glücklich. Ich persönlich würde es bei einer 6 von 10 einordnen. Eine schöne Idee, eine gute Atmosphäre, aber spielerisch und strukturell hätte es mehr sein dürfen. Es fühlt sich ein bisschen so an, als hätte man ein großartiges Konzept gehabt, aber nicht genug Raum, um es ganz auszuerzählen.
Pro
Starke Atmosphäre und ruhiger Grundton
Hübsche Pixelgrafik und stimmiges Sounddesign
Sympathisches Indie-Projekt mit eigenem Stil
Kontra
Teilweise unklare Weltführung
Gameplay bleibt eher simpel
Geschichte nicht immer auserzählt
6
Nils Hünerfürst

Nils Hünerfürst

Nils Hünerfürst (geb. 1991) ist Mediengestalter für Bild und Ton und schreibt seit Jahren über Technik, Kultur und Videogames. Zwischen Kamera, Blog und dem Elternalltag verbindet er Beruf und Leidenschaft auf seine ganz eigene Art.

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Nils Hünerfürst (geb. 1991) ist Mediengestalter für Bild und Ton und schreibt seit Jahren über Technik, Kultur und Videogames. Zwischen Kamera, Blog und dem Elternalltag verbindet er Beruf und Leidenschaft auf seine ganz eigene Art.