Split Fiction – Wenn Gameplay alles will, aber nichts trägt

28. Dezember 2025
1 Minute Lesezeit

Hazelight Studios sind für uns fast schon ein Selbstläufer. A Way Out haben meine Frau und ich gemeinsam durchgezogen, damals noch sehr filmisch, fast schon experimentell. It Takes Two war dann der große Wurf: mehr Spiel, mehr Ideen, aber immer noch mit Herz und erzählerischem Rahmen. Split Fiction wollte diesen Weg konsequent weitergehen und ist dabei für uns ein gutes Stück übers Ziel hinausgeschossen.

Viel Spiel, wenig Gefühl

Split Fiction ist ganz klar das gameplaylastigste Hazelight-Spiel bisher. Mechanisch funktioniert das alles, keine Frage. Aber genau da liegt auch das Problem: Es funktioniert zu gut, zu vorhersehbar, zu routiniert. Nach ein paar Stunden hatten wir das Gefühl, das Spiel selbst ist genervter als wir – oder vielleicht waren es einfach die Charaktere, die genau das ausgestrahlt haben.

Der filmische Teil, sonst immer eine Stärke des Studios, ist hier auffallend schwach. Die Figuren bleiben blass, Dialoge wirken funktional, nicht emotional. Wo It Takes Two noch Beziehung, Konflikt und Entwicklung hatte, liefert Split Fiction eher ein Pflichtprogramm zwischen Rätselabschnitten.

Mechaniken im Farbwechsel

Was uns besonders ermüdet hat, war die Spiellänge – nicht, weil 14 Stunden grundsätzlich zu viel wären, sondern weil sich die Rätsel ständig wiederholt haben. Viele Mechaniken waren schnell durchschaut oder fühlten sich wie bekannte Systeme an, nur eben in anderen Farben oder leicht rotiert.

Das Wechseln und Rotieren von Fähigkeiten zwischen den Spieler:innen ist anfangs clever, wird aber sehr schnell vorhersehbar. Überraschungen bleiben aus, und irgendwann spielt man eher aus Gewohnheit als aus Neugier weiter.

Technisch stark – akustisch ein Totalausfall

Grafisch ist Split Fiction eine echte Wucht. Da gibt es nichts zu meckern. Umso bitterer war der Sound-Bug, der sich bei uns durch die komplette Kampagne gezogen hat. Die vertonten Dialoge klangen wie aus weiter Ferne, hallend, unverständlich – fast so, als würde man ihnen aus einem anderen Raum zuhören.

Reddit war voll mit Tipps: 3D-Audio an, aus, HDMI-Codec prüfen. Angeblich ein PS5-Problem. Für uns? Nein. Egal was wir probiert haben, der Bug blieb. Und wenn ein storylastiges Koop-Spiel akustisch nicht funktioniert, ist das mehr als nur ein kleiner Makel.

Ein Spiel, das liegen blieb

Vielleicht sagt am meisten über Split Fiction aus, dass wir im März angefangen haben und erst Mitte Dezember fertig geworden sind. Nicht aus Zeitmangel, sondern weil es uns einfach nicht gezogen hat. Es gab immer etwas, das spannender war. Am Ende wollte nicht mal jemand auf Facebook Marketplace das Spiel haben. Zum Glück hat GameStop es noch genommen.

Split Fiction – Wenn Gameplay alles will, aber nichts trägt
Naja geht so
Split Fiction ist kein schlechtes Spiel. Aber es ist für uns das schwächste Hazelight-Projekt bisher. Zu viel Gameplay, zu wenig Seele. Zu lang für das, was es spielerisch wirklich bietet. Technisch beeindruckend, emotional überraschend leer.
Pro
Grafisch extrem stark und detailreich
Sauber funktionierendes Koop-Gameplay
Klare Handschrift von Hazelight Studios
Kontra
Schwacher erzählerischer und filmischer Teil
Wiederholende Rätsel und vorhersehbare Mechaniken
Massiver Sound-Bug über die gesamte Kampagne
6
Nils Hünerfürst

Nils Hünerfürst

Nils Hünerfürst (geb. 1991) ist Mediengestalter für Bild und Ton und schreibt seit Jahren über Technik, Kultur und Videogames. Zwischen Kamera, Blog und dem Elternalltag verbindet er Beruf und Leidenschaft auf seine ganz eigene Art.

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Nils Hünerfürst (geb. 1991) ist Mediengestalter für Bild und Ton und schreibt seit Jahren über Technik, Kultur und Videogames. Zwischen Kamera, Blog und dem Elternalltag verbindet er Beruf und Leidenschaft auf seine ganz eigene Art.