Steam Machine - DIY-Eigenbau

Ich wollte eigentlich nur einen halbwegs unkomplizierten Gaming-PC bauen, auf dem SteamOS läuft. Was daraus geworden ist, war dann doch deutlich mehr Fehlersuche als geplant. Angefangen hat alles mit dem Versuch, SteamOS auf meiner neuen Kiste zu installieren. Dabei bin ich schon an der ersten Hürde hängen geblieben, denn die vorhandene NVMe-SSD wollte mit der SteamOS-Installation nicht so richtig zusammenspielen. Also musste erstmal eine neue NVMe SSD her, die sich mit SteamOS vernünftig installieren ließ. Nachdem das erledigt war, konnte ich mich endlich dem eigentlichen Problem widmen: Der Rechner fror beim Spielen regelmäßig ein.

Bazzite war zunächst der Plan
Bevor ich mich komplett auf SteamOS festgelegt hatte, hatte ich ja Bazzite ausprobiert. Für einen klassischen Gaming-PC ist Bazzite schließlich ziemlich interessant. Steam-UI, Gaming Mode, AMD-Hardware und insgesamt ziemlich nah an dem, was ich mir von einer Steam Machine vorstelle. Das Problem: Nach einigen Stunden Spielen gab es plötzlich einen kompletten Freeze. Der Bildschirm blieb stehen, der Ton war weg und nach ein paar Sekunden startete der Rechner neu. Zuerst dachte ich deshalb noch an ein Softwareproblem. Vielleicht Bazzite? Vielleicht Steam? Vielleicht ein Memory Leak? Besonders Final Fantasy VII Rebirth war natürlich ein naheliegender Verdächtiger aber auch kleine Indie-Spiele die nicht wirklich viel Ressourcen brachten, machten ähnliche Freeze Probleme.
Also habe ich SteamOS ausprobiert. Und siehe da: exakt das gleiche Problem. Damit wurde die Sache schon interessanter.
Der Freeze war nicht nur ein SteamOS-Problem
Der Rechner lief grundsätzlich normal. Während des Spielens konnte er aber nach einer Weile plötzlich komplett einfrieren. Teilweise tauchten sogar sehr dünne weiße und graue horizontale Linien auf dem Desktop auf. Das sah natürlich sofort nach einem Problem mit der Grafikkarte aus.
Meine Grafikkarte war eine Sapphire Pulse Radeon RX 9060 XT mit 16 GB. Also begann die klassische Fehlersuche.
Erstmal RAM. Ich habe die beiden DDR5-Module mit MemTest86 getestet. Das lief mehrere Stunden und am Ende standen dort: 4 Passes, 0 Errors. Damit war zumindest der Arbeitsspeicher ziemlich weit unten auf meiner Verdächtigenliste.

Interessant war außerdem, dass SteamOS beziehungsweise Linux meine 32 GB RAM korrekt erkannt hat. Eine Anzeige im Steam Overlay hatte mir zwischendurch etwas völlig anderes erzählt und sah so aus, als wären praktisch keine 32 GB verfügbar. free -h zeigte dann aber ziemlich eindeutig 30 GiB insgesamt, rund 3,3 GiB in Benutzung und 27 GiB verfügbar. Also auch hier: kein Problem.
Dann kam der OCCT-Power Test
Der nächste Schritt war OCCT. Und damit wurde die Sache wesentlich interessanter. Zuerst habe ich CPU und GPU getrennt getestet. CPU: 20 Minuten, keine Fehler. GPU: 20 Minuten, keine Fehler. Beide Komponenten schienen alleine völlig problemlos zu laufen.
Dann kam der Power Test, bei dem CPU und GPU gleichzeitig ordentlich belastet werden. Und der Rechner fror ein. Zuerst nach ungefähr fünf Sekunden, später nach einigen Minuten. Das war ziemlich eindeutig reproduzierbar.

Die Temperaturen waren dabei völlig unauffällig. Die CPU lag unter Last bei ungefähr 82 °C, die GPU gerade einmal bei 57 °C. Also kein klassisches Temperaturproblem.
Das Netzteil war schnell verdächtig
Zu diesem Zeitpunkt lief noch ein ASRock PRO 650G mit 650 Watt. 650 Watt sollten für eine RX 9060 XT und einen Ryzen 5 eigentlich ausreichend sein, trotzdem war das Netzteil natürlich ein Kandidat, wenn der Rechner nur unter kombinierter CPU- und GPU-Last aussteigt.
Also habe ich das Netzteil ebenfalls ausgetauscht. Ein Corsair RM850e mit 850 Watt und 80 Plus Gold kam ins System.
Das Ergebnis? Der Rechner fror beim OCCT Power Test weiterhin ein. Damit war das Netzteil ziemlich eindeutig aus dem Rennen und ich war ziemlich genervt!
PCIe Gen4 statt Auto
Ein weiterer Verdächtiger war die PCIe-Verbindung. Im BIOS stand der PCIe-Slot für die Grafikkarte auf Auto. Ich habe ihn testweise fest auf Gen4 gestellt, sprich bewusst heruntergedrosselt.
Und tatsächlich änderte sich das Verhalten. Vorher war der Rechner beim Power Test ungefähr nach vier Minuten ausgestiegen. Mit Gen4 lief er zunächst deutlich länger und schaffte über zehn Minuten, bevor wieder ein Freeze kam. Das war zwar kein Fix, aber immerhin ein Hinweis. Vielleicht gab es irgendwo ein Problem zwischen Mainboard, CPU und Grafikkarte bei der PCIe-Kommunikation?
Das BIOS wurde langsam zum Minenfeld
Danach habe ich mich durch die BIOS-Einstellungen gearbeitet. PBO, Global C-State Control, Curve Optimizer, RAM, PCIe. Alles Dinge, die man bei einem AM5-System so findet, wenn man versucht, einen mysteriösen Freeze zu finden.

Dabei habe ich irgendwann gemerkt, dass ich mir mit den ganzen Änderungen vermutlich mehr Variablen geschaffen hatte, als ich eigentlich loswerden wollte. Also zurück auf Anfang: BIOS resetten, EXPO aus, RAM wieder auf den normalen DDR5-4800-Takt, alles andere erstmal auf Auto. Und plötzlich wurde es interessant.
Der Rechner lief plötzlich wieder besser aber nur kurz
Nach einem Reset über den Button am Mainboard und komplett zurückgesetztem BIOS lief der Rechner wieder deutlich besser. Der OCCT Power Test lief über die bisher kritische Grenze hinaus.
Danach habe ich Final Fantasy VII Rebirth gestartet und einfach gespielt. Eine Stunde. Kein Freeze. Kein Neustart. Keine komischen Linien.
Das war der erste Moment, an dem ich wirklich dachte, dass vielleicht gar keine Hardware kaputt war, sondern irgendeine Kombination aus BIOS-Einstellungen und Hardware für die Probleme verantwortlich war.
Aber ganz ehrlich: Nach so vielen Abstürzen wollte ich mich darauf noch nicht verlassen.
Also wurde die Hardware gewechselt
Ich hatte inzwischen wirklich genug von diesem System. Der Rechner sollte eigentlich eine kleine Steam Machine werden. Stattdessen hatte ich MemTest86, OCCT, BIOS-Settings, PCIe-Modi und Netzteiltausch auf dem Programm.

Irgendwann war die Entscheidung gefallen da es auch wieder zu einem Freeze kam: Das MSI-Mainboard fliegt raus. Zusammen mit dem Ryzen 5 7500X3D habe ich auf ein deutlich unkomplizierteres Setup gewechselt:
- AMD Ryzen 5 7600X
- ASRock B650M Pro RS
- 32 GB DDR5
- Sapphire Pulse RX 9060 XT 16 GB
- Corsair RM850e 850 Watt
Der große Vorteil war für mich gar nicht unbedingt, dass der 7600X schneller sein sollte. Der 7500X3D war für Gaming schließlich eine ziemlich interessante CPU. Ich wollte einfach eine möglichst langweilige Plattform. Und manchmal ist langweilig bei einem Gaming-PC genau das, was man haben möchte.
Das neue System
Mit dem ASRock B650M Pro RS und dem Ryzen 5 7600X war die Situation plötzlich wesentlich entspannter. Keine mysteriösen Freezes mehr unter der kombinierten Last, keine minutenlangen OCCT-Tests, bei denen ich daneben sitze und auf den nächsten schwarzen Bildschirm warte. Und vor allem konnte ich endlich wieder das machen, wofür der Rechner eigentlich gebaut wurde: spielen.
Die RX 9060 XT blieb dabei die ganze Zeit dieselbe. Auch das Netzteil hatte ich bereits gegen das Corsair RM850e getauscht. Damit konnte ich einen ziemlich großen Teil der Hardware als Fehlerquelle ausschließen.
Für mich war damit letztendlich das MSI B850M-VC zusammen mit dem Ryzen 5 7500X3D der entscheidende Teil der Geschichte. Ob es nun das Mainboard selbst, die Kombination aus BIOS/AGESA, PCIe oder die CPU war, lässt sich im Nachhinein nicht mit hundertprozentiger Sicherheit sagen. Dafür hätte ich CPU und Mainboard einzeln auf einer anderen Plattform testen müssen. Aber ehrlich gesagt war mir das irgendwann auch egal. Der Rechner läuft.
Was ich daraus gelernt habe
Die wichtigste Erkenntnis war für mich, dass man bei solchen Problemen nicht sofort auf das Betriebssystem zeigen sollte. Ich hatte zuerst Bazzite im Verdacht. Dann SteamOS. Dann den RAM. Dann die Grafikkarte. Dann das Netzteil. Am Ende war es offenbar die Plattform aus CPU und Mainboard beziehungsweise deren Zusammenspiel.
Besonders hilfreich waren dabei die Tests, die den Fehler reproduzierbar gemacht haben. Ein „Der Rechner friert manchmal nach drei Stunden Spielen ein“ ist für die Fehlersuche ziemlich mies. Ein „OCCT Power Test bringt die Kiste reproduzierbar nach wenigen Minuten zum Absturz“ ist dagegen eine ganz andere Ausgangslage. Damit konnte ich Komponenten einzeln testen und zumindest einige Dinge ziemlich sicher ausschließen.
SteamOS bleibt trotzdem
Trotz der ganzen Odyssee hat sich an meinem eigentlichen Ziel nichts geändert. Ich wollte einen Gaming-PC, der sich möglichst wie eine Steam Machine anfühlt.
SteamOS beziehungsweise die Linux-Gaming-Varianten wie Bazzite sind dafür mittlerweile ziemlich interessant. Gerade mit AMD-Hardware funktioniert erstaunlich viel direkt aus der Box. Nur sollte man sich darauf einstellen, dass man bei einem selbstgebauten Rechner nicht unbedingt die gleiche Plug-and-Play-Erfahrung bekommt wie bei einer klassischen Konsole.
Bei mir waren es am Ende eine neue NVMe SSD, mehrere BIOS-Resets, MemTest86, OCCT, ein neues Netzteil und schließlich ein neues Mainboard samt CPU.
Für eine Steam Machine war das dann doch deutlich mehr Bastelarbeit als ursprünglich geplant. Aber jetzt läuft sie und genau darum ging es am Ende. Zusätzlich wieder viel gelernt.




