Sunny 4

8. Juni 2021
2 Minuten gelesen

Bereits zum vierten Mal entführt uns der Carlsen Verlag mit dem Werk Sunny von Taiyo Matsumoto in die Welt der „Sternkinder“.

Der „Sunny“ ist ein stillgelegtes Auto und der Rückzugsort der Kinder dieses Kinderheims, dessen Bewohner wir mittlerweile sehr gut kennenlernen durften.

Taiyo Matsumoto erzählt in dieser Manga-Reihe, die eher der Graphic Novel zuzuschreiben wäre, ein Stück weit aus seiner eigenen Biografie, wie es war, im Japan der späten 70er Jahre ein Heimkind zu sein.

Diese vierte Ausgabe begibt sich in ihren Kurzgeschichten jedes Kapitels in emotionale Bereiche, die von Abschied und der Erkenntnis der Realität durchzogen sind.

Die Handlung

Der Rabauke und zunehmend als Querulant beschriebene Haruo nimmt immer mehr die Rolle des Protagonisten ein. Wir beginnen diesen Band damit, wie er schulschwänzend seine Nachmittage verbringt. Aus Zuneigung zu Junsuke, einem Kind aus dem Heim, stiehlt er eine Federmappe. Dieser Vorfall lässt den Erziehungsberechtigten Adachi keine Wahl, als damit zu drohen, dieses Fehlverhalten Haruos Mutter zu melden. Dieser fleht bitterlich darum, dass es nicht seiner Mutter erzählt würde, da er fürchtet, sonst nie wieder zu ihr zurückzukönnen.
Auch in einem späteren Kapitel wird Haruo eine zentrale Figur. Sein Vater taucht auf und sie haben zusammen eine für Haruo schöne Zeit. Der Junge sieht bewundert zu seinem offensichtlich „Lebenskünstler-Vater“ auf. Sein verzweifelter Schrei nach Aufmerksamkeit und Zuneigung mündet darin, dass er ständig Probleme anzettelt. Er verprügelt Mitschüler aus Rache für Junsuke und ärgert auch andere Schüler seiner Klasse.

Ein anderer Handlungsbogen wird von Sei getragen, der seit Wochen auf einen Brief wartet. Er hat sich mit einem Mädchen aus der Schule angefreundet und sie verbringen zusammen Zeit. Die Freundschaft wird davon überschattet, dass Sei den dringenden Wunsch hat, wieder zurück zu seiner Familie zu gehen und alle zu verlassen. Seine Hoffnung wird aber ein weiteres Mal enttäuscht.

Ebenso wichtig und prägend für diesen vierten Band sind die wiederholt auftretenden Kontakte einiger Kinder des „Sternheim“ mit ihren Eltern. Eine der älteren Bewohnerinnen hält ein Gespräch mit ihrer Mutter, die ihr wie ein fremder Mensch erscheint. Unausgesprochene Hoffnungen werden zunichtegemacht und Versprechungen getätigt, die jeder Leser als falsch enttarnen kann.

Das Mädchen Kiko darf sogar zu ihren Eltern zurück. Das ganze Heim ist in Abschiedsstimmung und es wird eine Feier abgehalten. Eine sehr interessante Dynamik zwischen ihr und der besten Freundin Megumu entsteht, die auf Neid und Missgunst, aber gleichzeitiger Freude für den anderen basiert. Doch auch in diesem Kapitel werden Hoffnungen und Erwartungen, ein glückliches Leben mit den eigenen Eltern zu erleben, enttäuscht.

Dieser vierte Band hat die bisher aufgebauten emotionalen Motivationen, Wünsche und Erwartungen an eine Zukunft relativiert. Einige der Kinder müssen nun lernen, mit ihrer Realität umzugehen, sie als unumgängliche Tatsache zu verstehen, und leiden zusehends daran, sich von ihrem Wunsch, ihrer Familie nah zu sein, zu verabschieden.

Der Stil

Taiyo Matsumoto hat einen absolut eigenen und einzigartigen Stil.

In den vorigen Rezensionen wurde des Öfteren darüber geschrieben, wie schwierig und vermeintlich unansehnlich einige Zeichnungen sind. Es ist immer eine subjektive Empfindung und Vorliebe, die sich glücklicherweise entwickeln kann.
So wie sich die Figuren bisher in „Sunny“ entwickelten, so wuchs auch die Begeisterung für den Zeichenstil des Taiyo Matsumoto. Er ist kantig, ungewöhnlich nah, oft sehr groß in seinen gezeigten Emotionen und immer wieder überraschend mitreißend.

Die Bildausschnitte, die Emotionen in den Gesichtern der Kinder, die Komposition der Panels und die immer mal eingeworfenen Blicke auf das Leben drumherum schaffen so unglaublich viel Atmosphäre. Es ist verwunderlich, dass bisher noch niemand diese Graphic Novel in einer Serie adaptiert hat. Jedes Kapitel bietet Raum für viele sehr melancholisch träumerische Interpretation.

Fazit
In diesem vierten Band finden sich wohl die bisher traurigsten und ernüchterndsten Kapitel dieser Reihe. Den Kindern wird oftmals die Hoffnung auf ein „Happy End“ in ihren eigenen Familien genommen und sie erkennen dies an. Natürlich in ihrer sehr sensibel erzählten und kindlichen Art und Weise, die auch ein weiteres Mal zeigt, wie wichtig der „Sunny“ als Rückzugsort für die Kinder ist. Ein Ort der grenzenlosen Fantasie, an dem alles möglich ist und niemand ungeliebt allein gelassen wird. Dies ist das Kinderheim in seiner Gänze und es erfreut und bedrückt einen gleichzeitig, wie viel mehr „Familie“ alle Kinder im „Sternheim“ erleben als außerhalb bei ihren leiblichen Eltern.
Pro
Authentische Figuren mit emotionalen Höhen und Tiefen.
Kontra
Offene Handlungsstränge finden noch keinen Abschluss.
9

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Lars Hünerfürst

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