Undiscovered Country 4 – Zerrissenheit: Zwischen Vergangenheit und dystopischer Zukunft

13. September 2025
2 Minuten Lesezeit
Undsicovered Country 4 Cover

In „Undiscovered Country 4 – Zerrissenheit“ führen die Autoren Scott Snyder und Charles Soule ihre dystopische Fantasie einer USA der Zukunft fort. Dieser vierte Teil von bisher fünf Ausgaben springt in die nächste der 13 Zonen dieses neuen Staates. Weiterhin haben Giuseppe Camuncoli als Zeichner, Leonardo Marcello Grassi als Tuschezeichner und Matt Wilson als Kolorist den visuellen Stil der vorigen Ausgaben kontinuierlich und konsequent fortgesetzt. Wie auch die vorigen Ausgaben erscheint dieses Hardcover beim Ludwigsburger Verlag Cross Cult und liefert auch noch einige Konzeptzeichnungen, Alternativcover und Wissenswertes am Ende dieses Comics.

Ob die Geschichte, die als politisch-apokalyptische Suche nach der Heilung eines die Welt zerstörenden Virus begann, nun einen mutigen Schritt machen konnte, klärt sich im Folgenden. Die thematische Nähe „Zerrissenheit“ zur tagesaktuellen politischen Lage der USA verleiht dem Ganzen eine Nuance, die zumindest nennenswert ist.

Die Handlung

Nachdem die Protagonisten, die Geschwister Graves, und ihre multinationalen und interdisziplinären Begleiter mit der Hilfe von Dr. Elgin, dem nach Uncle Tom designten Avatar in jeder dieser Zonen, durch die ersten 3 Zonen geschafft haben, stehen sie nun vor einer anderen Herausforderung. Das Team wurde zerrissen und so müssen nun mehrere kleinere Fraktionen ihre eigenen Aufgaben in dieser vierten Zone bewältigen. Dem Titel zu Folge befinden sich die Figuren nun in historischen und zukünftigen Phasen der amerikanischen Geschichte, die von einer politischen Zerrissenheit zeugen.

So befindet sich ein Team in einer lebensechten Simulation der Unabhängigkeitskrieg vor der Gründung der USA, das andere in einer faschistoiden Zukunft, in der Destiny Man Präsident ist. Das Team welches sich in der Geschichte befindet, kann erst zur nächsten Episode amerikanischer Zerrissenheit fortschreiten, wenn der jeweilige Konflikt verstanden und überwunden ist. Erst dann können sie zum nächsten großen Ereignis wie beispielsweise Pearl Harbor fortschreiten.

Das Team in der Zukunft sieht sich konfrontiert mit einer pervertierten Form des Amerikanisierens. So mussten Kulturen oder Menschen, die nicht assimilierbar waren der Zerstörung zukommen. Sie konnten nicht amerikanisiert werden und mussten weichen. In dieser Realität stehen sie im Konflikt mit Macht, Politik, Umsturz, Verantwortung des Individuums und dem Willen zur Veränderung. Es sind diese Konflikte, die das Team zerreissen, auf die Probe stellen und viel Platz bieten um bisher blasse Figuren zu beleuchten.

Copyright: Image Comics

Stil

Wie auch in den vorigen drei Ausgaben zeichnet sich der Stil durch sichere Klarheit aus. Die schnörkellosen Designs sind pragmatisch, zeugen von einer gewissen Härte und lassen dennoch genug Raum zur Entfaltung von empfindsamen Expressionen einzelner Figuren. So erleiden in dieser Ausgabe unterschiedlichste Charaktere recht emotionale Momente, in der sie ihre eigene theoretische Zukunft besuchen, dort von ihrem zukünftigen Ich über die Verluste und Niederlagen unterrichtet wurden. Ein Bild der Verzweiflung und der Perspektivlosigkeit eröffnet sich, eines das Bildung zur Sache der normativen Eliten macht, in der Polizeigewalt auf willkürliche Art gegen nicht Weiße ausgenutzt wird und in der massenhafte Beeinflussung durch Medien und das politische Parkett zu einem Quasi-Faschisten-Staat führt. Obwohl, ist dies überhaupt noch Dystopie oder nicht schon lange Realität in den USA?

Undsicovered Country 4 Cover
Baut ab
„Undiscovered Country 4 - Zerrissenheit“ fügt sich gelungen in die bisher erzählte Geschichte. Allerdings verliert die Story an Fahrt. Selbst die zu Beginn eingeschobene Episode über die Hintergrundgeschichte des „Destiny Man“ macht dies dann auch nur zu Teilen besser. Es erscheint weiterhin als eine handwerklich solide abgelieferte Geschichte, die grade wegen des pragmatischen Stils einen Gewissen Reiz, wenn auch Schlichtheit, mit sich bringt. Der Mut, das zur Entstehungszeit dieses Comics herrschende politische System, Kritik zu üben und mit einem gesalzenen Finger an alten Wunden zu kratzen, ist anzuerkennen. Die darunter liegende Handlung, also der eigentliche Plot dieses Werks, rückt nun mehr in den Hintergrund, verliert so an Fahrt und Interesse. Es ist eine gelungene Fortsetzung, allerdings sollte man nicht erwarten, das sich darin große Geheimnisse offenbaren, die die Haupthandlung wirklich voranbringen könnten.
Pro
interessante Referenzen zur Tagespolitik und Entwicklung
Kontra
Zugkraft der Haupthandlung verliert sich
Figuren sind reine Plot-Devices
6
Lars Hünerfürst

Lars Hünerfürst

Minimalistisch und musikalischer Comic Enthusiast - lief zu Fuß von Berlin nach Paris.

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