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Vollzeitjob Mutter – #Elternalltag

Hände hoch, wer schon mal Opfer von Mom-Shaming war? Meine Vermutung liegt bei 9 von 10 Händen, die jetzt in die Höhe ragen. Und die eine Mutter, die jetzt nicht die Hand hebt, weiß nur nicht, dass auch sie hinter ihrem Rücken in irgendeiner Form als schlechte Mutter bezeichnet wurde. Wie genau sieht Mom-Shaming aus? Was gibt Leuten das Recht, es besser zu wissen? Was tut man, wenn man das Gefühl hat, nicht gut genug zu sein? Die Linie, die es gilt nicht zu überschreiten, ist hauchdünn. Ganz schnell kann ein Blick oder etwas Gesagtes auf dem Spielplatz zu viel sein, seinen Gegenüber schon verletzen. Man selber merkt es vielleicht nicht mal, dass man jetzt diese Linie überschritten hat. Was genau braucht es eigentlich, um eine gute Mutter zu sein?

Shoutout an alle Muttis

Ersteinmal ein großes Lob an alle Mütter. Ihr macht das toll! Auch wenn ihr es nicht selber fühlt, ob jetzt grade oder in der Vergangenheit, dein Kind schaut zu dir auf und vergöttert dich und darauf kommt es doch an, oder? Es gibt für mich persönlich nichts schöneres, als das Gefühl, meine Kinder brauchen mich und finden ihren Frieden bei mir. Ob es nun ein Weh-Wehchen ist, Wut oder Trauer, mit ein bisschen Mama-Tanken kann schon viel behoben werden. Ein paar Minuten in Mamas Armen kuscheln lässt die Welt wieder besser aussehen. Wenn das doch nur im Erwachsenenalter noch helfen würde, wo wären wir dann wohl jetzt? Und diese Fähigkeit ist es, die uns Mütter zu etwas besonderem macht und auf die es am Ende ankommt. Es ist egal, ob das Kind per Kaiserschnitt oder „natürlich“ zur Welt kam. Ob es gestillt wurde oder die Flasche bekommen hat. Ob es mal mehr mal weniger fernsehen darf oder eines der Kinder ist, was als letztes aus der Kita abgeholt wird. Es sollte immer davon ausgegangen werden, dass jede Mama ihr Bestes gibt und ihr Kind so liebt, wie es das Kind braucht. Stop the Mom-Shaming!

SAHM oder doch lieber arbeiten?

SAHM´s (stay-at-home-mom) haben es oft schwer. Der Ruf eilt ihnen voraus, der Grund warum eine Mama nicht arbeiten geht, ist unwichtig. SMAH´s werden direkt als faul abgestempelt. Besonders Frauen, die noch keine Mütter sind urteilen schneller, als sie sollten. Auch ich habe über das Muttersein und die Erziehung von Kindern ganz anders gedacht, bevor ich es selbst erlebt habe. Der Job Mutter ist in so vielerlei Hinsicht schwer. Man kann nicht einfach aufhören, wenn man nicht mehr kann oder will. Mental ist man dauerhaft auf einem Level mit den Kids, was extrem unterfordernd sein kann. Dabei muss man aber den Haushalt wuppen, der mit Kindern nicht der selbe ist wie vorher, ohne Kinder. Es wird abgewaschen, sauber gemacht, Wäsche gewaschen und aufgreäumt als gäbe es keinen Morgen mehr. Stell dir vor du bist Koch und keinem von deinen Gästen schmeckt das Essen. Stell dir vor du bist eine Reinigungskraft und jemand guckt dir beim Wischen zu und kippt gezielt das schmutzige Wischwasser wieder auf den Boden sobald du fertig bist. Und wenn du dann doch alles geschafft hast, gibt es keine Bezahlung. Weder Geld noch ein Danke. Vielleicht hast du sogar das Pech, wenn dein Partner von der Arbeit nach Hause kommt, Dinge zu hören wie du führst ja ein Lotterleben, den ganzen Tag zu Hause, kannst fernsehen und chillen etc. Autsch! Da wären wir wieder beim Mom-Shaming. Warum ist es so schwer zu akzeptieren, dass Muttersein ein harter Vollzeitjob ist?

Als wir noch in Berlin wohnten, hatte ich das Vergnügen, 30 Stunden die Woche arbeiten zu gehen. Während die kinderlosen Kollege*innen leicht jammernd und lustlos zur Arbeit kamen, war es für mich endlich die gewohnte Abwechslung. Das Gefühl, jetzt mal für die nächsten 8 Stunden Ruhe vor den Kids zu haben, Gäste zu bedienen, denen das Essen schmeckt, aufräumen mit einem sauberen Finale und dafür auch noch bezahlt werden? Herrlich! Zwar hat sich die Arbeit zu Hause nicht von selbst erledigt und oft bin ich in eine nicht abgewaschen Küche und unaufgeräumte Wohnung gekommen aber das Gefühl ist ein anderes, wenn man von der Arbeit kommt statt den ganzen Tag mit den Kids verbracht zu haben. Aber, nicht jeder Job ist dafür geeignet. Ich hatte das Glück, einen tollen Arbeitsplatz zu haben. Verständnis dafür, dass Kinder oft krank sind, man selber zwar gesund ist, trotzdem zu Hause bleiben muss, man nicht Fulltime erreichbar oder einsatzbereit ist, ist nicht immer gegeben. Auch am Arbeitsplatz kommt es zu Mom-Shaming.

Die größte Frage ist leider oft, Karriere oder Kinder? Karriere ist mit viel Zeit und Einsatz verbunden. Leider nicht vereinbar mit einer Schwangerschaft, Geburt und Kind. Das Alter, in dem Frauen zum ersten Mal Mutter werden liegt mittlerweile bei 30,2. Bei Vätern sogar bei 35,4. Das hat sich in den letzten Jahren stark verschoben. Zwar nehmen mittlerweile immer mehr Väter ihren Anspruch auf Elternzeit wahr, die Schwangerschaft und Geburt kann einem jedoch niemand abnehmen. Karriere und Kinder unter einen Hut zu bekommen ist für mich ein Kunstwerk. Ich persönlich habe auf eine „Karriere“ mehr oder weniger verzichtet. Mit einem Job als Ausgleich, der etwas Geld einbringt, war ich schon zufrieden. Das liegt vielleicht auch daran, dass ich nie meine Berufung gefunden habe und somit den Schritt, Nils eine Karriere haben zu lassen sehr einfach gehen konnte. Das ich mittlerweile eine SAHM in den USA bin, ohne Aussicht auf Arbeit (Visum lässt es nicht zu) ist zwar nicht das, was mich erfüllt, ich tue es aber für die Familie was mir etwas Zufriedenheit bringt. Und umso mehr ziehe ich jetzt, nach dieser Erfahrung, den Hut vor jeder SAHM, vor allem mit Kindern, die noch keine Betreuungseinrichtung besuchen. Das ist für mich der härteste Job bisher.

Müttermafia

Was für ein neumoderner Begriff! Die Müttermafia bezeichnet Mütter, die ungebetene Ratschläge verteilen, die meinen, ihre Erziehungsmethoden seien die ultimativ Besten und die all das nach außen hin tragen. Leider sind grade Mütter untereinander die schärfsten Kritiker. Dabei ist jedes Kind anders und auch jede Mutter gibt doch ihr Bestes. Grade zu Zeiten von (un)sozialen Medien und Frauen/Müttern, die ein perfektes Bild vom Muttersein verbreiten, dabei aber nur zeigen, was sie möchten, macht es besonders schwer, heutzutage eine Mutter zu sein. Es gibt wenig ehrliche Profile auf Instagram und co. Verständlich, wer möchte schon seine Fehler öffentlich eingestehen, oder? Aber sind es denn wirklich Fehler, die Mütter machen, weshalb sich ein Kind mal verletzt oder wenn es eine nach der anderen Erkältung aus der Kita nach Hause bringt? Ist es denn so schlimm, wenn mein Kind ein paar Gummibären in seiner Brotdose hat? Mir persönlich fällt es nicht allzu schwer, ungebetene Ratschläge zu überhören. Dafür habe ich ein dickes Fell. Andere Mütter jedoch nehmen es sich schwer zu Herzen. Ein sehr kleiner Tipp, der mir geholfen hat, folgt auf Instagram und co. nicht anderen Müttern. Besonders denen mit vielen Followern und bearbeiteten, mit Filtern überladenen Storys und Beiträgen. Das bringt niemanden weiter. Wenn andere Mütter auf dem Spielplatz darüber klagen, dein Kind sei zu wild, nimm es dir nicht zu Herzen. Wenn deine Familie deine Art, mit deinen Kinder umzugehen, ständig kommentieren muss, nimm es dir nicht zu Herzen. Nur du weißt, was für dich und dein Kind das Richtige ist und wie ihr am besten miteinander umgeht.

Mütter – damals und heute

Ein bisschen beneide ich die früheren Generationen darum, ohne das Medium Internet Kinder gehabt zu haben. Es muss in der Hinsicht recht einfach gewesen sein, keine perfektionierten Mütter sehen zu müssen, ein Produkt nach dem anderen vorgesetzt zu bekommen, was angeblich grade unverzichtbar ist. Nur auf dem Spielplatz oder in der Kita/Schule traf man auf andere Mütter. Aber wusste man damals schon so viel über Erziehung wie heute? Sicherlich nicht. Worum ich also niemanden beneide, sind veraltete Erziehungsmethoden, die wir früher vielleicht selber erfahren haben. Strenge, Zucht und Ordnung? Das hört sich für mich nicht nach einer glücklichen Kindheit an. Ich denke nicht, dass ein starker Wille gebrochen werden muss. Oder ein Kind eine gewisse Zeit ruhig sitzen können muss. All das erfahren Kinder schon noch früh genug mit dem Erwachsen werden, also lasse ich meine Kinder noch Kinder sein.

Zu guter letzt wünsche ich hiermit allen Müttern einen wundervollen Muttertag! In der Hoffnung, an wenigstens diesem einen Tag die Wertschätzung zu erhalten, die Mütter verdienen, für all das, was sie das ganze Jahr über leisten.

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Annegret Hünerfürst

Geboren in der selben Woche, in der die erste Website online kam - gelernte Diätassistentin und Mutter von zwei Kindern

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