
Um zu verstehen, warum ich fast keine Comics mehr lese, muss man einige Zeit zurück gehen. Vor knapp 4 Jahren habe ich angefangen exzessiv viele Comics zu lesen. Ich befand mich im Beginn eines Umbruchs, der persönlich wie auch in Belangen der bald zu beginnenden Karriere, genug Raum ließ eben dafür. Sich die Zeit zu nehmen, die neu entdeckte Begeisterung für bebilderte Geschichten, dann auch noch zu verbalisieren, erschien mir wie die logische Konsequenz. Denn niemand in meinem Umkreis schien sich für etwas ähnliches zu interessieren.
Aller Anfang ist schwer
Zwar waren die Filme des MCU in aller Munde, doch kaum jemand las das Material, geschweige Comics, die darüber hinaus gingen. Also tauchte ich immer tiefer in die Welt Graphic-Novels ein, fand meine kindliche Faszination für Mangas wieder und begann zu schreiben. Übrigens etwas, das ich auch nie erwartet hätte irgendwann in meiner Biografie so etwas wie „Kritiker“ über mich zu behaupten, also jemand dessen Aufgabe es ist die Werke anderer Menschen zu bewerten. Somit wir auch schon zum Kern der Sache kommen.
Wie schreibt man überhaupt Kritiken, dass fremde Leser verstehen, warum etwas gut oder eben nicht ist? Wie kann ich mir anmaßen, als jemand, dessen bisherige Kernkompetenz nicht darin lag Geschichten zu schreiben, geschweige zu Zeichnen, überhaupt irgendwas über Werke anderer Menschen zu schreiben? Ein Spannungsfeld, dass sich nur durch die schiere Masse an gelesenen Comics teilweise legitimieren lässt. Denn natürlich wird man besser darin Schemata zu erkennen, Vergleiche anzustellen, Qualitäten hervorzuheben und auch die nicht so gelungenen Aspekte eines Werks zu beleuchten.
Zeit verfliegt
Dieses Momentum nutzend hab ich innerhalb der ersten Jahre knapp 300 Artikel über Comics, Filme und teilweise Musik geschrieben. Immer in der Gewissheit, dass ich das hauptsächlich aus einem Mitteilungsbedürfnis mache, ohne darauf aus zu sein, unbedingt gelesen zu werden. Denn natürlich ist die Menge der Leute, die Comics liest schon klein (ich rede explizit nicht von Mangas, da die Leserschaft seit Jahren wächst) und dann auch noch Menschen, die sich eine Rezension dazu durchlesen noch kleiner sein sollte. Dies war mir klar und auch lange egal.
Meine Regale sind beinahe geplatzt und ich musste häufig Platz schaffen. Da die gelesenen Comics alle Rezensionsobjekte sind und keinen Falls verkauft werden dürfen, spendete ich regelmäßig Säcke mit gelesenen Comics, die ich nicht wieder anfassen, geschweige vermissen würde, an meine nahegelegene Bibliothek. Ja, Bibliotheken nehmen gern Comics an, da auch sie mit allen Mitteln versuchen junge Kunden in ihre heiligen Hallen zu locken.
Die Familienbande
Einige Jahre im Geschehen drin, fragte mich dann mein Bruder und Chef dieser Website, ob ich mit meinen Texten nicht auch bei ihm vertreten sein möchte. Etwas, das ich gern angenommen habe, denn ich hatte mehr Output, als auf der anderen Website veröffentlicht werden konnte. Das hat sich heute leider geändert und ich betrachte regelmäßig meinen „Stapel der Schande“ mit Comics, die vor 2 Jahren erschienen sind und noch immer keine Rezension erhalten haben. Aber was ist passiert? Ich habe mich einfach weiterentwickelt und musste etwas feststellen, dass ich ungern zugebe.
Ich bin doch sehr leicht zu demotivieren, wenn ich nun sehen kann, wie viel (beziehungsweise wenig) sich für das Geschaffene interessieren. Der anfängliche Trotz, der Eifer egal was und wie zu veröffentlichen, nur um das innere nach außen zu kehren, sich mitzuteilen, einen Prozess der Reflexion zu verschriftlichen, war nun nicht mehr so motivierend. Die vorige Unwissenheit über die Zahlen (Klicks und Views) machte mir dies leichter, da ich in ein Nichts hineingeschrieben habe ohne mich in Verhältnisse zu anderen Schreibern zu setzen. Nun sehe ich jedoch welche Artikel gut funktionieren und welches Interesse in der Leserschaft dieser Website besteht.
Außerdem musste ich über die letzten Jahre doch auch feststellen, dass sich inhaltlich vieles im Kreis dreht. Häufig lesen sich insbesondere Superhelden-Comics wie Soap-Operas, die auch selten wahrhaftige Konsequenzen mit sich bringen. Jederzeit werden Tode vom Verlag rückgängig gemacht oder alternative Serien spielen neue Ideen mit gleichen Figuren durch, aber übernehmen andere Aspekte der bisherigen Serie teilweise. Es wird über die Zeit manchmal kompliziert in all dem Gewirr den Überblick zu behalten und das noch umso mehr, wenn man mal ein paar Wochen und Monate gedanklich raus war. Da lobe ich mir doch Mangas oder Graphic-Novels, die sich entweder ihrer Länge oder ihrer Abgeschlossenheit wegen leichter zu greifen sind.
Eine neue Phase

Zu allem Überfluss habe ich vor knapp zweieinhalb Jahren ein neues Hobby aufgenommen. Es ist etwas, das mich sehr abholt, da ich meine reingesteckte Zeit ganz praktisch verwenden kann, sie nutzen, tragen und auch handwerklich aktiv bin. Ich habe angefangen zu stricken. Ja, Stricken. Dass ich damit die Büchse der Pandora geöffnet habe und gleich noch einen tiefen Kaninchenbau, der mir viel freie Zeit verschlingt, hätte ich niemals erwartet. Denn ich genieße es sehr, habe Spaß daran, erfreue mich an mittlerweile zahlreichen eigenen Designs und Kleidungsstücken, verschenke gern und habe auch schon manches verkauft.
Jeder Mensch, der schon einmal mit einem handwerklichen Hobby oder sogar Beruf Kontakt hatte, kann dieses befriedigende Gefühl nachvollziehen, am Ende einer Session etwas „geschafft zu haben“ und sich in dieser abstrakt-digitalen Welt voller Langzeitprojekte einfach am Prozess des Abschließens zu erfreuen. Man sieht jedes Mal, wie weit man gekommen ist und was man gerade kreiert hat.
Die Wollbegeisterung
Außerdem ist das Stricken räumlich sehr flexibel. Ich nutze mittlerweile fast jede Bahn- oder Busfahrt, jede Pause, um ein kleines Projekt, das ich in meiner Tasche so gut wie immer dabei habe, fortzusetzen. So habe ich in den letzten Jahren schon Pullover für meine Eltern, die gesamte Familie Hünerfürst in den USA und mehrere für mich gestrickt. Socken für alle die wollten, zwei Hoodies mit Kapuze und Reißverschluss, eine Jogginghose, mehrere Kimonojacken (eigene Designs) in verschiedenen Ausführungen und Mützen und Schals für eine ganze Familie hergestellt.
Ich kann auch nicht aufhören mehr zu machen, denn allein der Prozess ist bereits so zufriedenstellend und es gibt immer etwas, das man verbessern kann. Allein die technische Ausführung, die Sauberkeit des Strickwerks, die Passform, die Auswahl der Materialien und dann auch noch komplexere Muster, die auf mich warten. Eins der größten Vorteile und Argumente für das Stricken ist auch, dass ich dies während des Genusses einer bereits bekannten Serie nebenbei machen kann. So haben meine Partnerin, die auch strickt, und ich bereits „Game of Thrones“, „Better Call Saul“, „Breaking Bad“ (fast) und einige Filmklassiker „weggestrickt“.
Eine alte Liebe
Wenn ich nun noch davon berichte, dass neben meinem Job ein Studium dazukam, dass unter Umständen sehr leseintensiv ist, sowie eine vor etwas mehr als einem Jahr gegründete Band, worin ich Texter, Musiker und Organisator bin, die demnächst die ersten Demos veröffentlicht, dann kann man sich denken, dass die übrige Zeit doch stark eingeschränkt ist. Doch was heißt das nun für die Comics und mich? Ich werde es versuchen, die übrigen Comics der Verlage, die so freundlich waren mir diese zukommen zu lassen, zu bearbeiten und die längst überfälligen Rezensionen zu veröffentlichen, diese natürlich an die Verlage zu teilen. Was danach passiert und inwiefern sich die Sektion Comics auf dieser Seite als etabliert darstellt, wird sich zeigen.


