Yellowstone

25. Mai 2021
2 Minuten gelesen

Die Welt, in der wir leben, kann einem manches Mal vorkommen, als wäre sie von Konzernen manipuliert, wenn nicht sogar gesteuert. Der Autor Philipp Spreckels überspitzt diese Annahme und erschuf mit dem Künstler David Scheffel-Runte in der Graphic Novel „Yellowstone“ einen spannenden Thriller vor der dystopischen Kulisse der USA im Jahr 2042.

Der Zwerchfell Verlag hat dieses schöne und handliche Hardcover veröffentlicht.

Am Ende dieses Werks finden sich außerdem Skizzen, Layouts, Charakterstudien und einige Hintergründe zur Entstehung dieser Geschichte.

Die Handlung

Die USA sind gespalten, nicht nur politisch, sondern geografisch. Zwei Eruptionen im mittleren Westen, die Tausende Menschen das Leben kosteten und die Evakuierung ganzer Landstriche erforderten, spalten das Land in Ost- und Westküste. Der gesamte mittlere Westen ist abgeriegelt und gilt als gefährliche verbotene Zone.

Die Hauptfigur Noah Simmons schlägt sich in Washington D.C. durchs Leben. Er will in Ruhe sein Leben leben können und sich auf keinen Fall in die derzeit aufkochenden Proteste während des aktuellen Wahlkampfes ziehen lassen. Eher unfreiwillig gerät er in den Besitz eines ominösen Datenträgers. Mit etwas Fast Food bestückt begibt er sich zu seiner besten und einzigen Freundin Lenny. Sie wird als Technologie-Ass eingeführt und macht sich sofort daran, den Inhalt dieser Diskette zu entschlüsseln. Die zwei müssen feststellen, dass sich wohl extrem sensible Daten aus Regierungskreisen darauf befinden müssen. Sie können sie nämlich nicht entschlüsseln und prompt erscheinen die Truppen der YTAF (Yellowstone Territory Armed Forces). Diese fackeln nicht lang und beginnen zu schießen, wobei Lenny schwer getroffen wird. Noah flieht, die Disk nah an sich haltend, vorbei an Kontrollpunkten und Polizisten. Es entsteht eine Jagd nach Noah und der Disk.

Angekommen in Buffalo, der letzten Stadt im Norden des Landes vor der kanadischen Grenze, versteckt er sich vor dem langen Arm des Systems. Ihm bleibt keine Alternative, er muss in die Zone. Dort erwarten ihn unerwartete Begegnungen und ein ungeahnter Optimismus, diesen Konflikt doch lösen zu können.

Zeitgleich zu diesem Handlungsstrang springt die Erzählung zum Agenten Cole, der kurz vor seiner Pensionierung steht und die Jagd auf Noah Simmons leiten soll. Seine Vorgesetzte Nia Briggs ist eine strenge, systemtreue und unnachgiebige Person, derer Intentionen und Motivation bis kurz vor Ende der Geschichte nicht aufgelöst werden. Das FBI scheint zudem an einem geheimen Projekt zu arbeiten, das weitreichende Konsequenzen für das gesamte Land haben könnte. Leider wird dieses nicht aufgelöst.

Der Stil

Der prägende, oftmals monochromatische Look jedes Panels wird nur von einzelnen Figuren gebrochen. Alles, bis auf die wichtigen handlungstragenden Figuren oder Objekte, ist mit einer Farbe koloriert. Diese wechseln je nach Panel oder Szenario in ihren Stimmungen.

Die gewählte Farbpalette bewegt sich viel zwischen bläulich-grünen und rot und gelben, eher gedeckten Farben.
Noah beispielsweise wird durchgehend mit einem etwas weniger gesättigten Senfgelb koloriert, Lenny hingegen in unaufdringlichem Rot.
Diese Charakteristika – allein durch die Farbgebung – sind effektvoll und kontrastieren oftmals sehr schön mit der Szenerie.

Der Zeichenstil als solches ist modern, in seiner Bildsprache klar strukturiert, an einigen Stellen eckiger als erwartet.
Die Dynamik in Kampfszenen kommt trotz der einfarbigen Kolorierung sehr gut rüber.

Die Panelstruktur und das Erzähltempo sind ziemlich klassisch und nur an einigen Stellen überraschend.
Hingegen sind die Dialoge durch die Blasenpositionierung manches Mal interessant und in einem sich natürlich anfühlenden Tempo angeordnet.

Fazit
„Yellowstone“ ist eine spannende Jagd durch die USA, auf den Spuren einer Verschwörung und Geheimnissen einer möglicherweise korrupten Regierung. Scheffel-Runte und Spreckels erzählen mit ihren Figuren aber nicht sehr viel Neues oder Unerwartetes, sogar Plot-Twists haben leider keinen so tiefgreifenden Schock-Moment. Da die Figuren – vor allem die Antagonist:innen – recht eindimensional daherkommen, ist die Fallhöhe nicht so groß und es geht einem selbst nach Eröffnung der Motive nicht furchtbar nah. Die visuelle Gestaltung ist hingegen sehr ansprechend und bietet ein schönes Leseerlebnis. Daher kann man „Yellowstone“ als einen optisch überzeugenden Polit-Thriller für einen unterhaltsamen und farblosen Nachmittag empfehlen.
Pro
Die visuelle Gestaltung ist sehr ansprechend und bietet ein schönes Leseerlebnis. Ein optisch überzeugender Polit-Thriller für einen unterhaltsamen und farblosen Nachmittag.
Kontra
Inhaltlich wird nicht viel Neues geboten; zuweilen ist die Handlung sogar sehr vorhersehbar.
7

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Über den Autor

Lars Hünerfürst

Minimalistisch und musikalischer Comic Enthusiast - lief zu Fuß von Berlin nach Paris.

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