Hulk – Gamma-Geschichten

22. April 2022
3 Minuten gelesen

Hulk ist grün, groß und gewaltvoll. Doch dass hinter der angsteinflößenden Oberfläche noch viel mehr steckt, mag man nicht unbedingt vermuten. Der aktuell in Deutschland noch laufende „Bruce Banner: Hulk“ zeigt, dass die Figur weitaus mehr kann als „Smash“. In diesem sehr einsteigerfreundlichen Paperback „Hulk – Gamma-Geschichten“ haben sich vier Top-Autoren und eine Reihe talentierter Künstler in vier Kurzgeschichten um den grünen Grobian gekümmert. Mit an Bord dieses Gammakraftpakets sind die Autoren David Vaughan, Declan Shalvey, Tom Taylor und Jeff Lemire. Die Bilder dazu liefern Kevin Nowlan, Declan Shalvey, Jorge Molina und Mike del Mundo. Sie werden zusätzlich von David Curiel und Marco D’Alfonso mit Farben unterstützt. Das Paperback erscheint beim Verlag Panini Comics.

Er kann nicht sterben

Wie im in Deutschland noch laufenden Run von Al Ewing und Joe Bennet festgestellt, ist der Hulk unsterblich. Außerdem wurde sich in deren Interpretation auf ein altes Motiv zurückbesinnt. Wird es Nacht, tritt die Zeit des Hulks ein und Bruce Banner verliert die Kontrolle. Dies als Grundlage angenommen, wird in „Hulk – Gamma-Geschichten“ in den vier Kurzgeschichten mit der Figur und seinen Wesenszügen gespielt.

Im ersten Heft „Große Kraft“, geschrieben von Tom Taylor mit dem Originaltitel „Great Power“, trifft Bruce Banner auf Spider-Man. Jorge Molina hat in diesem Heft für spaßige Momente, kraftvolle Perspektiven und empfindsame Momente am Zeichenbrett gesorgt. Die häufig zu suchende Logik hinter den Gamma-Fähigkeiten bewegt sich im magischen Bereich. Urplötzlich beginnt Peter Parker zu wachsen, wird grün und hüpft mit seinen Spinnenfähigkeiten wütend durch New-York. Immer auf der Suche nach Norman (Osborn). Bruce, die Fantastischen Vier und der Verursacher dieser Gamma-Verwechslung Loki versuchen nun den Hulk wieder in Bruce Banners Körper zu bannen. Das Dreieck Spider-Man, Bruce Banner und Hulk zeigt sich von einer empfindsamen und über Freundschaft und Loyalität verkörpernden Ebene.

„The Threshing Place“ oder auch „Die Tenne“ wurde von keinem Geringeren als Jeff Lemire geschrieben. Die extrem stimmungsvollen, stilistisch andersartigen und auf gewisse Weise an einen Cell-Shading-Look (Gung-Ho) erinnernden Bilder stammen aus der „Feder“ von Mike del Mundo. In diesem Kapitel ist Bruce Banner wieder einmal als Nomade unterwegs und strandet in einer kleinen Stadt, in der ein Mädchen verschwunden ist. Zudem verschwinden gehäuft Menschen und werden grotesk zugerichtet wiedergefunden. Bruce Banner fühlt, dass Gammastrahlung involviert ist und begibt sich auf Spurensuche.

Der Tod immer in Begleitung

Das dritte Kapitel „Flatline“ oder auch „Nulllinie“, verfasst und gezeichnet von Declan Shalvey, spiegelt den aktuellen „Bruce Banner: Hulk“ stilistisch und inhaltlich. Der vom Leben mit dem Hulk erschöpfte und zu seinem Leid unsterbliche Banner wandelt halbtot durch das amerikanische Hinterland. Das Thema Tod ist zentral in diesem Heft, denn er wird von einer ehemaligen Dozentin längst vergangener Universitätszeiten aufgesucht. Sie scheint ein Geheimnis zu bewahren, dessen Ursprung in der Gammastrahlung liegt.

Im letzten Kapitel mit dem Titel „A Little Fire“ (im Deutschen „Ein kleines Feuer“) begeben sich David Vaughan in Schrift und Kevin Nowlan am Zeichenbrett auf eine andersartige Reise. Bruce Banner strandet in einem Kino, das von Scarecrow (ja, der Scarecrow aus dem DC-Universum) geleitet wird. Darin sitzen Menschen gebannt unter Hypnose, sodass sich der Schurke an ihren Ängsten laben kann. Doch rechnete er nicht damit, dass der Hulk im Körper des jüngsten Opfers wohnt. Es nimmt ein grausiges Ende.

Diversitat der Bilder

Wie bei so vielen Sammlungen verschiedener Künstler in einem Paperback kann man ein breites stilistisches Spektrum erwarten. Diese Ausgabe bietet vier sehr unterschiedliche Zeichenstile und Kolorierungen, wobei sich für jede Vorliebe etwas finden lässt. Am eindrucksvollsten dabei, denn es sticht einfach extrem aus dem Mainstream heraus, ist das zweite Kapitel. Die darin genutzten Farben sowie die Art und Weise zu schattieren und Perspektiven zu wählen, überzeugen gnadenlos. Es fühlt sich sehr filmisch an und bietet zudem auch interessante Charaktere, die wunderbar in Szene gesetzt werden. Im dritten Kapitel, gezeichnet von Declan Shalvey, macht der Künstler deutlich, wie spielerisch er den Stil des Joe Bennett imitieren kann. Zudem finden sich kleine Easter-Eggs in manchen Bildern. Beispielsweise stehen die Namen der derzeitigen stilprägenden Künstler Ewing und Bennett als „Ewing Beer“ und „Bennett Shots“ in einer Werbetafel. Klar ist der Zeichenstil Shalveys anders. Die Panelaufteilung und der allgemeine Eindruck erinnern aber doch sehr stark an die Kunst von Bennett.

Fazit
Man kann diesem gänzlich losgelösten Paperback einiges abgewinnen. „Hulk – Gamma-Geschichten“ zeigt den Hulk facettenreich und interessant erzählt. Es ist ein guter Start für Neueinsteiger ins Medium Comic. Die abwechslungsreichen Themen, Figuren und Stile können ein gutes Fundament für eine langjährige Begeisterung des grünen Riesen schaffen. In seinem Kern liefern die Geschichten für Kenner keine großen Erkenntnisse, schaffen aber ein ausgewogenes Bild des aktuellen Hulks und seiner Beweggründe.
Pro
Vielfältiges und fesselndes Geschichtenerzählen. Ein starkes Kreativteam mit unterschiedlichen Stilen. Innovative Handlungsstränge jenseits des traditionellen „Smash“. Künstlerische Vielfalt sorgt für zusätzliche visuelle Attraktivität.
Kontra
Fehlende zusammenhängende Erzählung. Begrenzte Charaktertiefe. Unterschiedliche Kunststile sind möglicherweise nicht für alle geeignet. Einige Themen bleiben unerforscht.
8

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Lars Hünerfürst

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