Sprachentwicklung – Muttersprache beibehalten und neue Sprache fördern – die Balance finden

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Es kommt häufiger die Frage auf, in welcher Sprache wir mit den Kindern sprechen. Da unsere Kinder auf eine amerikanische Schule gehen, gibt es also zwei Möglichkeiten für uns. Wir sprechen in unseren vier Wänden so weit es klappt nur deutsch. Dabei fällt man sehr schwer in Gewohnheiten und spricht doch wieder englisch, ohne es zu merken, denn unsere Kinder antworten trotz deutscher Frage meist englisch. Was tut man also, um nicht das deutsch zu verlernen? Und was können wir für die Kinder tun, um beide Sprachen praktisch als Muttersprache zu beherrschen?

Englisch Crashkurs in 10 Monaten

Sowohl Nils als auch Ich konnten ein solides englisch sprechen bevor wir in die Staaten gezogen sind. Nicht so aber die Kinder. Da die Neuigkeit, dass wir in die Staaten ziehen und der tatsächliche Umzug nur drei Monate auseinander lagen, gab es auch nicht viel Zeit, die Kinder sprachlich vorzubereiten. Zumal war das deutsch noch nicht mal richtig da. Also blieb uns nicht viel anderes übrig, als die Kinder ins kalte Wasser zu werfen. Wir haben in den ersten acht Monaten so gut es geht versucht, sie an etwas englisch zu gewöhnen, zur Schule ging es dann aber doch mit fast keinen Sprachkenntnissen. Und was soll ich sagen? Nur zehn Monate später konnten die Kinder fließend englisch! Die Anpassungsfähigkeit ist erstaunlich, die Kinder müssen nicht wirklich lernen, sondern nur dabei sein und schon ist eine neue Sprache erlernt. Es kam schon des Öfteren mal vor, dass ich ein Wort nicht zu übersetzen wusste und Hilfe von Atticus bekommen habe, was mich völlig verblüfft hat. Mittlerweile sind wir aber an dem Punkt angekommen, wo wir die Kinder regelmäßig erinnern, mal wieder deutsch mit uns zu sprechen.

Deutsch, Englisch, Spanisch

Mittlerweile stecken wir schon im zweiten Schuljahr und Florentine lernt schon lesen und schreiben. Da stellt sich natürlich die Frage, was denn nun mit dem Lernen der deutschen Sprache, Grammatik und Rechtschreibung passiert? Es gibt leider kaum Angebote in unserer Umgebung für Deutschkurse für Kinder. Das einzige Institut ist die German International School Washington D.C. Das ist sozusagen die Schule, auf die alle Kinder mit deutscher Schulpflicht, die in der Umgebung leben, gehen. Da wir uns mit der Abmeldung aus Deutschland auch von der Schulpflicht befreit haben, müssen wir unsere Kinder dort nicht unterbringen. Zumal das auch nicht ganz preiswert ist. Diese Schule aber bietet die verschiedensten Kurse am Wochenende an. So auch Deutsch für muttersprachler jeder Altersklasse. Das Problem ist aber zum einen der Preis und zum anderen, dass es jeden Samstag um 9 Uhr stattfindet. Der Weg dort hin ist recht weit, eine knappe Stunde pro Strecke und wir sind gerne an den Wochenenden unterwegs. Man verpflichtet sich gleich für ein komplettes Schuljahr, das schränkt natürlich sehr ein.

Unsere Entscheidung ist, erstmal ein bisschen zu warten, die Kurse beginnen eh immer erst im September, und Florentine erstmal das Lesen und Schreiben mit ihrer Klasse und ihren Lehrern erlernen zu lassen. Wir sprechen weiterhin deutsch, lesen deutsche Bücher, hören unsere deutschen Tonies und schauen deutsche Trickfilme.

Da die Zukunft uns so unbekannt ist, freut es mich, dass die Kinder auch schon spanisch lernen. Noch sind es nur Begriffe, Farben, Tiere, die spielerisch gelernt werden, das auch nur ein Mal die Woche. Aber die Basis wird geschaffen und wenn wir dran bleiben, könnten die Kinder mit drei weit verbreiteten Sprachen aufwachsen. Ich selber habe schon zwei Mal gestartet mit dem Erlernen von spanisch. Es fällt mir jedoch wahnsinnig schwer, am Ball zu bleiben. Vielleicht wird es einfacher, wenn die Kinder es intensiv lernen müssen.

Annegret Hünerfürst

Geboren in der selben Woche, in der die erste Website online kam - gelernte Diätassistentin und Mutter von zwei Kindern

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