Wolverine – Der Beste 5 – Im Zeichen des Biests

Wolverine - Der Beste 5 - Im Zeichen des Biests Cover

Wolverine alias James Howlett alias Logan gehört zu den beliebtesten Figuren der Mutanten aus dem Hause Marvel. In „Wolverine – Der Beste 5: Im Zeichen des Biests“ legt der mittlerweile schon 5 Jahre die Figur entwickelnde Stammautor Benjamin Percy einige interessante Neuerungen für die Welt der Mutanten vor. Percys Einstand war eine sehr erfolgreich Kriminalgeschichte in abgeschlossener Mini-Serie (Wolverine: Eine Lange Nacht), die sogar zu einem Hörspiel vertont wurde. Dieses bei Panini erscheinende Paperback nimmt sich der Stilistik der Kriminalgeschichte an und ist Dank der Bilder von Juan José Ryp zudem noch recht erwachsen in seiner Erscheinung.

Copyright: Panini

Alte Freunde und neue Feinde

Wolverine fand Mäßigung und sogar so etwas wie einen Freund. Innerhalb der vorigen Ausgaben wächst der misstrauische und zynische Mutant mit dem CIA-Agenten Jeff Bennister zusammen. Eine gelassene freundschaftliche Nähe entsteht auch zu dessen Tochter. Doch diese Ausgabe wird einen Riss in die Beziehung schneiden. Logan alias Wolverine ist als die tödlichste Waffe immer wieder im Einsatz, um seine Heimat Krakoa zu verteidigen. Als Leiter der X-Force schreckt Hank McCoy alias Beast nicht davor zurück kontroverse Einsätze zu befehligen. Dabei gerät Wolverine häufig in ausweglose Kämpfe und verliert gelegentlich auch Körperteile.

In diesem Fall geht es sogar so weit, dass es einem durchtriebenen Händler seltener Waren gelingt Wolverine in eine Falle zu locken und ihn umzubringen. Wolverines Körperteile sind sehr begehrt, da sich darin das Geheimnis ewigen Lebens finden ließe. Doch schier überraschend ist die Person, die bei der Auktion der Körperteile so hoch bietet, um den unsterblichen Wolverine töten zu dürfen: Beast. Es stellt sich raus, dass Biest einen lange geplanten Coup durchführt, der Wolverine zu einer stumpfen Waffe degradieren will.

Nach der Wiederbelebung wird im sogleich ein Mechanismus an den Hals angelegt, der sämtlichen Intellekt, Erinnerungen und mentale Resistenz ausschaltet. Biest hält Wolverine fortan wie ein Tier, angekettet und in einer Höhle auf Krakoa. Während sich Wolverine in seinem eigenen Geist durch die traumatischsten Erlebnisse seines langen Lebens kämpfen muss, dies nicht ohne zu bemerken wie müde und satt er jene Erinnerungen hätte, kommt die Mutantin Sage dem Plan Biests auf die Schliche.

Copyright: Panini

Rau und schonungslos

Die Figur Wolverine zeichnet sich durch schonungslose Gewalt aus. Dieser Bedingung treu bleibend, ist auch dieser Comic gezeichnet von expliziter Brutalität, nicht beschönigtem Splatter und einigen Szenen mit Body-Horror-Aspekten. Dabei präsentiert Juan José Ryp einen Zeichenstil, der schwer an die Phase der Underground-Comics der späten 80er und 90er Jahre erinnert. Der Detailgrad ist recht hoch, ausgehend von der geringen Zahl an Schattierungen und kaschierender Kolorierung. Jedoch muss auch gesagt werden, dass dieser Stil einer gewissen Gewöhnung bedarf. Zumal sich so manche Zeichnung nicht immer, selbst inhärent im gezeigten Stil, als besonders schön oder zumindest proportional beschreiben liesse. Es nimmt sich den Mut zur verzerrten Grimasse, die Perspektive auf das Hässliche und das Abschreckende. So gesehen hat dieses Paperback, auch der durchgehenden Stilistik wegen, einen gewissen Reiz. Schließlich findet sich ein solcher Stil nicht aller Tage in den Mainstream-Reihen des Hauses Marvel.

Die Kolorierung Frank D’Armatas fügt dieser Design-Ästhetik einen weiteren nennenswerten Aspekt hinzu. Alle in diesem Paperback befindlichen Hefte folgen einem zusammenhängenden Farbcode. Es geschieht selten, dass sich Farben aus diesem eher gedeckten Spektrum heraus bewegen, starke Akzente oder übertriebene Kontraste als Stilmittel zeigen. Der gesamte Band bewegt sich in einer blau-grün-orangenen Stimmung, die nur selten gebrochen wird. In den Phasen des „Beast-Wolverine“, in denen Wolverine durch ein technisches Gerät zu einem instinktgetriebenen Tier degeneriert, zeigt sich die große Verwendung von Rottönen. Doch selbst dann kann man nicht behaupten, dass jene Farben vergleichbar mit den knalligen Farbflächen anderer Comics wäre.

Wolverine - Der Beste 5 - Im Zeichen des Biests Cover
Ein neuer Handlungsstrang braucht Einführung
„Wolverine - Der Beste 5 - Im Zeichen des Biests“ versucht am Schwung des vorigen Handlungsbogens anzuschließen, einen neuen Strang zu bilden, fällt dann aber leider nur knapp neben das Sicherungsnetz der Klischees. Dieser Band ist nicht großartig und auch nicht ein totaler Reinfall. Es ist der Beginn einer neuen Handlung, also eine Exposition, das Setzen eines neuen Themas. Um sich nicht im luftleeren Raum zu befinden, nutzt Percy einige Klischees rund um die Figur, die zum wiederholten Male auf eine ähnliche Weise berühren. Ganz ähnlich dem immer wieder zu zeigenden Tod Bruce Waynes Eltern oder Peter Parkers Onkel Ben. Man hat es als regelmäßiger Comicleser verstanden. Jedoch kann man diesem Paperback eine gewisse Einsteigerfreundlichkeit attestieren, was die Verwendung jener Klischees dann leicht argumentierbar mache. Stilistisch, wie auch inhaltlich, interessant, wenn auch nicht das beste Paperback dieser Reihe.
Pro
eine neue Richtung
Figuren und Dynamiken gut geschrieben
Kontra
ein gewöhnungsbedürftiger Zeichenstil
Klischees in Serie
6

Lars Hünerfürst

Minimalistisch und musikalischer Comic Enthusiast - lief zu Fuß von Berlin nach Paris.

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