Batman – One Bad Day – Clayface

Batman One Bad Day Clayface Panini Cover

Zu den großen und bekanntesten Schurken des Batman-Kosmos entstehen nun seit Sommer 2022 einzelne Kurzgeschichten. Dieser von Collin Kelly und Jackson Lanzing geschriebene, durch Xermánico gezeichnete und von Romulo Fajardo Jr. kolorierte Comic befasst sich mit dem „One Bady Day – Clayface“. Im Rahmen und unter dem Credo eines der bekanntesten Batman-Joker-Comics:

„Es braucht nur einen schlechten Tag, um den gesündesten Mann der Welt in den Wahnsinn zu treiben. So weit ist die Welt von mir entfernt. Ein einziger schlechter Tag.“

(Batman: The Killing Joke, 1988)

dürfen wir von wechselnden Künstlerteams in den „einen Tag“ eintauchen, der einen Unterschied gemacht haben könnte.

Dieses großformatige Album, das bei Panini im Hardcover erscheint, bietet eine interessante Perspektive auf Narzissmus, Egomanie, die Medienlandschaft und natürlich einige Batman-Action.

Ich habe eine Vision

Clayface, einer der frühsten Erzfeinde Batmans, erschien bereits in den 1940er Jahren in den Detective Comics. Als Basil Karlo, in der Namensgebung angelehnt an den durch große Mimik bekannt gewordene Schauspieler Boris Karloff, war Clayface Schurke, Komplize und sogar Teammitglied Batmans. Immerhin sind es schon über 80 Jahre gemeinsame Geschichte, die sie teilen.

Dieser Comic ist in seiner Form einem Skript angelehnt. Es beginnt mit der Eröffnung durch einen Regietext zur Szene, es folgt eine Splashpage, die Clayface in all seiner Größe zeigt, worauf ein immer wieder auftretendes 9-Panel-Raster folgen soll. Jene Designentscheidung allein macht diesen Comic zu einer äußerst interessanten Lektüre. Es verschwimmt in Form und Inhalt in seiner Erzählperspektive und lässt so einen analytischen Blick beim Lesen noch leichter zu. Die Anlehnung an Alan Moores präferiertes Panel-Raster ist auch ganz bewusst als Hommage gewählt und fügt die Vorlage exzellent ein.

Der golden State

Nun ist Basil Karlo in Hollywood angelangt, weit weg von Gotham City, und möchte Schauspieler werden. Man möchte vermuten, dass gerade dessen Fähigkeit der Mimikry prädestiniert für die Arbeit in der Traumfabrik Hollywood sei. Allerdings erhält er mehr Absagen in Castings als seine Freunde und Kollegen.

Als es um die Rolle des Jokers in „The Killing Joke“ ging, ergreift Basil ein wahnsinniger Ehrgeiz. Er behauptet von sich die perfekte Besetzung für den Joker zu sein und verkraftet die Absage nach dem Casting nicht. Anstelle dessen tötet er seinen „Freund“, der die Zusage erhielt und gibt sich fortan als dieser aus. So hat er sich doch noch einen Platz am Set gesichert und beginnt dort sein Unwesen zu treiben. Denn er kann nicht von seiner Überzeugung, seiner Idee, seinem egozentrischen Blick auf diese Rolle, den Film, die Figur und sich abkommen. Es artet aus und schlussendlich wird er fast das gesamte Team, das am Dreh beteiligt ist in sich einverleiben, deren Persona übernehmen und den Film im Alleingang zu Ende drehen müssen.

Ein Bruch im Selbstbild

Doch natürlich wird auch dieses Unterfangen nicht mit Erfolg gekrönt. Eine sehr klare Ansage des Studio-Bosses, die zeitgleich eine harsche Kritik an der Medienlandschaft, der „Kunst“ Hollywoods und der Zuschauerschaft als stumpfe Konsumenten, ist, führt zum Konflikt. Clayface kann nicht anders, seine fehlende Kritikfähigeit, der wachsende Geltungsdrang und die Sucht nach Anerkennung führen dazu, dass schlussendlich der beste Detektiv der Welt sich einschalten wird. Batman ist in Hollywood und Clayface ist verdammt dazu ein trauriges Dasein in seiner Selbstliebe und Verzweiflung zu führen.

Das gesamte Geschehen erfährt durch die bereits vorher genannte Designentscheidung, diesen Comic als Drehbuch zu inszenieren, eine anregende Art der Illustration. Nicht nur die Panelaufteilung, die als „Montage“ betitelt wird und mit „Schnitt“ ganz handfeste Regieanweisungen enthält, auch die genutzten Perspektiven schaffen einen filmischen Eindruck. Hinzu kommt der feine Strich des Xermánico, der trotz der teils verstörenden Body-Horror-Körperwandlung eine Ästhetik und Eleganz behält. Die handfeste und hochwertige künstlerische Ausführung unterstreicht und konterkariert den kritischen Inhalt dieser auf Oberflächlichkeit beruhenden Kunstwelt Hollywoods ganz ohne Worte.

Batman One Bad Day Clayface Panini Cover
Schön illustrierte Kritik an der Filmlandschaft
„Batman - One Bad Day - Clayface“ ist ein künstlerisch und inhaltlich gelungener One-Shot, dessen Bereitschaft das Medium Film und den Zeitgeist des Geltungsdrangs zu kritisieren, erneut beweist, weshalb diese Reihe auch für nicht Comic-Fans zu empfehlen ist. Sowohl das Format, der Druck, die Geschichte, sei sie auch noch so voraussehbar, und die Illustrationen lassen mit dieser Ausgabe der „One Bad Day“ Reihe erneut große Vorfreude auf weitere Ausgaben heranwachsen.
Pro
ästhetische Zeichnungen
Spiel von Form und Inhalt
unüberlesbare Kritik
Kontra
Story sehr erwartbar

Lars Hünerfürst

Minimalistisch und musikalischer Comic Enthusiast - lief zu Fuß von Berlin nach Paris.

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