Blacksad 4 – Die Stille der Hölle

Blacksad Stille der Hoelle Cover Carlsen

Die Südstaaten der USA, ein Ort voller kontroverser Historie und reicher Kultur vieler Einwanderer. Diese vierte Ausgabe von „Blacksad“ mit dem Titel „Die Stille der Hölle“ begibt sich ins Herz des Jazz im Süden, New Orleans. Der tierisch gute Detektiv und selber recht kontroverse Kater Blacksad wurde von Autor Juan Diaz Canales und Autor und Illustrator Juanjo Guarnido zum Leben erweckt. Man kann dieses bei Carlsen veröffentlichte Albumformat einfach nicht abwerten. Form und Inhalt sind einfach großartig. Doch was steck drin in „Die Stille der Hölle“?

It’s a Jazz-Life

Der Begriff Jazz stammt aus den frühsten Jahren des 20. Jahrhunderts und bezeichnet ein kraftvolles, schwungvolles etwas. Diese Kraft und auch kraftraubende Profession der Musik mussten viele Größen des Jazz am eigenen Leibe erfahren. Sei es der Ruhm, die Prädisposition an einer psychischen Erkrankung wie Sucht zu leiden oder einfach das Aufkommen der Drogenszene allgemein, viele starben an zu hoher Dosierung jedweder Substanz. Viele der heute als Rhythm and Blues oder Jazz-Ikonen bekannten Künstler hatten ernsthafte Probleme mit Heroin, Kokain oder Alkohol. So scheint es mehr als angemessen dieses Thema in einem Comic wie „Blacksad“ zu adressieren.

Der Detektiv Blacksad reist nach New-Orleans, um sich mit dem Jazz-Musiker Harper zu treffen. Dieser würde ihm einige Hinweise auf möglicherweise korrupte Machenschaften liefern können. Doch wird er nie eintreffen. Anstelle dessen gerät Blacksad und sein Assistent und Zeitungsreporter Weekly, liebevoll Week genannt, in eine weitaus persönlichere Fede. Beim Versuch mehr zu Harper zu erfahren, gerät das Team an Faust Lachapelle. Dieser sehr erfolgreiche Produzent von lokalen Jazzbands ist tief verstrickt in etwas, das weitreichende Folgen für alle Beteiligten hat. Faust Lachapelle schwer krank und besucht, in der Hoffnung auf Heilung, eine Schamanin, die ihm für viel gezahltes Geld die Krankheit nehmen soll. Ein schöner Einblick in die Vermischung der der bis heute prägenden Kulturen und Rituale. Er gibt Blacksad und Weekly den Auftrag den verschwundenen Pianisten Sebastian Fletcher zu finden. Ein scheinbar einfacher Job.

Der Sohn des Produzenten, Thomas Lachapelle, ebenfalls eine weißer Ziegenbock wie sein Vater, bietet dem Detektiv Hilfe und scheint kooperativ. Man merkt jedoch schnell, dass diese Fassade nur der Öffentlichkeit präsentiert wird. Ein schwelender Konflikt mit seinem Vater ermöglicht einen Blick in dessen eigentlich Motive. Zeitgleich erfahren wir, dass der gesuchte Musiker Sebastian Fletcher ein schweres Drogenproblem hat und außerdem Vater werden wird. Er gelobt Besserung und versucht sich mit „ordentlicher“ Arbeit in die Rolle seines Vater-seins einzuleben. Der Geist war willig, doch der Körper schwach, oder sogar andersherum? Ein großes Finale, geschrieben wie ein fantastisches Melodrama, entfaltet sich und man wird nur so mitgenommen von eindrucksvollen Bildern und empfindsamen Dialogen.

Egal wie, egal was…großartig

Juanjo Guarnidos Kunst ist schlichtweg fantastisch. Es ist nun bereits das vierte Mal, dass Blacksad in diesem Rahmen besprochen wird und es ist jedes Mal eine absolute Freude. Die großartigen Bilder strahlen so viel Energie, Lebendigkeit, Liebe zum Detail und Virtuosität aus, dass es nahezu unmöglich scheint dieses Niveau zu halten. Doch Guarnido macht genau das. Mit jedem weiteren Kapitel aus der Welt Blacksads fügt er eine weitere Dimension hinzu. In diesem Fall ist das bunte, kulturell reiche und lebendige an sich, das auf den Punkt getroffen wird. Man erlebt diese Welt förmlich und blick nicht nur auf zweidimensionale Figuren auf weißen Papier. Wie schon in den vorigen Rezensionen vermehrt festgestellt, lebt dieser Comic von seiner Expressivität. Die Charaktere verkörpern eine Vielzahl von Eigenschaften und zeigen diese in Körperhaltung, Mimik und Gestik. Manchmal überzeichnet, aber nie zu viel.

Blacksad Stille der Hoelle Cover Carlsen
Umwerfend
„Blacksad 4 - Die Stille der Hölle“ beweist ein weiteres Mal, warum diese Reihe in jedes Bücherregal gehört. Es ist einfach grandios in allen Facetten. Die visuelle Kunst schmiegt sich gefühlvoll und künstlerisch verspielt an die Texte Canales an. Jene sind ihrerseits subtil kritisch, spielen mit Genre-Klischees der Hardboiled oder Noir-Storys und zeugen außerdem von Witz und Charme. Die emotionalen Highlights funktionieren in Bild und Text und reißen das Geschehen nur so an sich. Ganz klare Empfehlung, ohne Einschränkungen eines der besten Reihen, die man in der 9. Kunst finden kann.
Pro
großartige Bilder
witzig, charmant, gefühlvoll
schöner Einblick in Subkultur "Jazz"
unerwarteter Plottwist
Kontra
10

Lars Hünerfürst

Minimalistisch und musikalischer Comic Enthusiast - lief zu Fuß von Berlin nach Paris.

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