Blade of the Immortal 9

8. Juli 2023
4 Minuten gelesen
Blade of the Immortal 9 Cover

Die 1993 gestartete Mangareihe „Blade of the Immortal“ findet nun schon seit 2020 als Perfect Edition bei Cross Cult eine Neuauflage. Diese neunte Ausgabe kommt mit ihren 464 Seiten nicht weniger kräftig als seine Vorgänger daher. Alle jener hochwertig gedruckten Exemplare erscheinen zudem mit einem zusätzlichen Kunststoff Einschlag, der sich mit einer rauen Haptik wunderbar anfühlt und aussieht. Im vorigen, achten Band hat sich schon eine gewisse Wende angekündigt, die nun konsequent und exzellent von Hiroaki Samura weitererzählt und gezeichnet wird.

Wer außerdem Interesse an dieser Welt kurz vor der Meiji-Ära hat, dem seien der Film oder der Anime ans Herz gelegt. Sie finden sich als Angebote zum kostenlosen Stream auf einer großen Plattform. Der Anime handelt die gesamte Handlung in einer 24 Episoden Staffel ab.

Was bisher geschah

Manji, der der Unsterblichkeit verfluchte Leibwächter der Dojo-Erbin Rin, wurde von Kagimura Habaki gefangen und dient schon seit Ausgabe 8 als Versuchsobjekt. Seine Heilungskräfte und der Fluch, durch die Blutwürmer verursacht, sollen auf andere Menschen übertragen werden. Dafür schafft der lose für das Shogunat arbeitende Fürst mehr und mehr Gefangene heran. Diese werden vom aufstrebenden, wenn auch wegen unerlaubten Verlassen des Landes in Ungnade gefallenen Arzt, am lebendigen Leibe amputiert und mit Gliedmaßen Manjis wieder zusammengesetzt. Diese Bluttransfusion soll auf lange Sicht eine unsterbliche Armee produzieren können.

Rin hingegen, immer noch auf dem Weg ihre Rache an dem Mörder ihrer Eltern zu vollziehen, ist nun allein. Sie befindet sich wieder im Dojo ihrer Eltern und hatte zwei umherstreifende Samurai aufgenommen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Der sanfte Riese Isaku mit nicht japanischem Aussehen und das hitzköpfige Mädchen Doa, das schneller tötet, als man sehen kann. Beide gehören zur von Rin verhassten Schwertschule Itto-Ryu, die durchs Land ziehen und versuchen eine Kampftruppe zu sammeln, um das Shogunat zu stürzen. Sie gibt ihnen, ohne dies zu wissen Obhut und es entsteht nahezu etwas, das man Freundschaft nennen könnte. Zusammen suchen sie auf Rins Geheiß ihren liebsten Leibwächter Manji.

Feind oder Freund?

Doa ist eine heißblütige und furchtlose Kämpferin, die nur durch die sanfte Art ihres großen Wächters eingedämmt werden kann. Doch hin und wieder bricht ihre Impulsivität aus ihr heraus und hat viele Tote zur Folge. So kommt es unweigerlich dazu, dass sie sich wegen einer nichtigen Auseinandersetzung mit niederen Beamten in einen Kampf reizen lässt. Als traurige Konsequenz verliert die tödliche Doa ihren einzigen Freund, den pazifistischen Sohn eines portugiesischen Missionars Isaku. Deren Vorgeschichte beleuchtet Hiroaki Samura im Verlauf dieses Bandes auf einigen Seiten. Nun trägt die anfangs so naive und hilflose Rin Asano eine große Verantwortung. Sie ist merklich reifer und berechnender geworden. Ihre Entwicklung über die gesamte Reihe ist daher selbstredend die interessanteste.

Nun folgen Rin und Doa jeder noch so kleinen Spur, um an Informationen zum Aufenthalt Manjis und auch Isakus zu gelangen. Ihre Spurensuche führt sie zum Palast, der wegen der auffällig hohen Zahl an Inhaftierten, die nie das Gefängnis verlassen, schnell zum Zentrum ihrer Observationen wird. Eines Tages entdecken sie geheime Tunnelsysteme, die in die Festung/Palast führen. Außerdem stoßen sie in der Nähe des Ausgangs auf eine große Menge zerstückelte Leichen. Rin kombiniert die aufgeschnappten Gerüchte und kommt zu einem Schluss. Manji muss dort im Verlies sein.

Ein eigenartiges Team

Weiterhin schlussfolgert Rin nach einem Treffen und einem geglückten Diebstahl von chemischen Substanzen beim mit Doa befreundeten Arzt, dass sie eine Anhängerin der Itto-Ryu ist. Sie lebt mit einem Anhänger ihres Erzfeindes unter einem Dach.

Manji seinerseits spielt in dieser Ausgabe eine verschwindend kleine Rolle. Er ist lediglich ein lebender Lieferant einer Ressource, unsterblichen Gewebes. Dieses testen sie in immer mehr Operationen an einer steigenden Zahl von Menschen. Der einst noble und von Moral geplagte Arzt, dessen Erfahrungen mit westlicher Medizin aus erster Hand stammen, ist nach seiner eigenen Inhaftierung und dem Vorwurf des Verrats dem Wahnsinn verfallen. Seine vorigen moralischen Zweifel daran so viele Menschenleben für eine künstlich erschaffene Unsterblichkeit zu opfern sind nun verloren. Seinen Opfer lässt er Tüten über den Kopf stecken, damit sie enthumanisiert werden und sein pervertierter Sinn von Ethik nicht erschüttert wird. Wie gesagt, er ist dem Wahnsinn verfallen.

Szenerie und Erzählweise

Diese 9 Ausgabe bietet sich wie keine andere dieser Reihe dafür an in Episoden zu erzählen. So scheint es ganz natürlich, dass zwischen den Geschehnissen um Manji, seiner Tortur und den Fortschritten der „Unsterblichkeits-Forschung“ und den Ereignissen rund um Rin gesprungen wird. Die bedrückenden und häufig abschreckend, ekligen Szenen im Folterkeller/Labor der Festung kontrastieren stark mit der helleren Stimmung, meist leichteren und auch von Humor geprägten Dialogen zwischen Rin und Doa. Es findet sich auch darin viel Fläche für Konflikte, Trauer und Leid. Doch als Nachgeschmack bleibt lediglich deren eigenartig schwesterlicher Umgang miteinander, wobei sich Rin wie schon angedeutet, als die reifere große Schwester entpuppt.

Ihre Expressionen hat Hiroaki Samura schön inszeniert und in diversen Perspektiven wunderbar eingefangen. Die unregelmäßig eingestreuten Kohle-Aquarell-Zeichnungen, geben so manchem Kapitelstart seinen ganz eigenen Look. Dieser weiche und von einer vielschichtigen Haptik definierte Stil zeigt sich auf jedem Cover dieser Reihe. Der gezielte Einsatz dieser Technik bringt auch im Laufe eines Kapitels gelegentlich eine andere Atmosphäre auf und gibt so einzelnen Dialogen und Figuren noch eine andere Ebene und Charakterisierung.

Nicht unerwähnt lassen, sollte man auch die sehr explizite und schonungslose Gewalt in dieser Reihe. Dieser neunte Band hält sich mit Schwertergerassel zurück und lässt dafür den Body-Horror ein wenig relevanter werden. Sicherlich verständlich, wenn man das Setting der „Operationen“ und die inhumanen Menschenversuche versucht zu beschreiben. Es ist also trotz der vielen hellen und wenig schattierten oder schraffierten Seiten immer noch ein expliziter Manga, der nicht in Kinderhände fallen sollte.

Findet zu neuer Form und überzeugt
„Blade of the Immortal 9“ führt so gnadenlos und scharf den neun Handlungsbogen fort, dass die tiefe Wunde und Abscheu vor den gezeigten Taten erst schmerzt, wenn es schon zu spät ist. Dann hat man diesen Band aber schon verschlungen und will wissen wie es denn weitergeht. Die angedeuteten Emotionen der Hauptfiguren zu anderen Protagonisten lassen einige Vermutungen aufkommen, wohin sich das Ende möglicherweise entwickeln kann. Noch ist es aber wage und man kommt nun so unmöglich aus dieser Reihe heraus, wie Manji aus seinem Verlies. Blade of the Immortal zeigt sich wieder von einer herausragenden Seite, auch wenn dieser 9 Band sich wie die Vorbereitung auf etwas anfühlt, das im kommenden Band aufgebrochen werden soll.
Pro
Zeichnungen und Zeichentechniken
In Episoden erzählte Geschichte
Hintergründe und Innenleben der Figuren in kleinen Momenten eingefangen
Kontra
wirkt noch wie der Aufbau zu etwas, ein klassischer 2. Teil
8

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Über den Autor

Lars Hünerfürst

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