BRZRKR

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Schon oft ist es vorgekommen, dass berühmte Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens sich an der neunten Kunst probieren wollten. Namenhafte Beispiele wären der Sänger Gerard Way mit seinem mittlerweile von Netflix als Serie adaptiertem Comic „Umbrella Academy“, der Stand-Up Comedian Brian Posehn mit seinen überaus geschätzten Deadpool Comics und nun auch Keanu Reeves. „BRZRKR“ ist die im März 2021 gestartete Mini-Serie mit 12 Heften. Bereits ein Jahr nach Veröffentlichung meldete sich Netflix diesen Comic mit einer Live-Action Adaption zu versehen. Natürlich spielt niemand geringeres als Keanu Reeves die Hauptrolle. Dieser Comic wurde außerdem vom mehrfach für Eisner-Awards nominierten Matt Kindt mitgeschrieben. Ron Garney, ein Veteran des Superhelden Comics, zeichnet dieses brachiale Science-Fiction Werk und Bill Crabtree verleiht seinen Bildern das Leben durch Tusche und Farbe. Die ersten zwei Paperbacks sind bereits beim Ludwigsburger Verlag Cross Cult erschienen.

Der unsterbliche Keanu Reeves

Copyright: Cross Cult

Lange Zeit waberten Gerüchte und doch im Kern nur witzige Versuche zu belegen, dass Keanu Reeves nicht altern würde und vielleicht sogar nicht von diesem Planeten. Sich dieses Motivs bedienend haben die Autoren Reeves und Kindt einen Helden erschaffen, dem genau das zu Teil wurde. Der Protagonist und titelgebende Held kann nicht sterben und ist sogar schon mehrere tausend Jahre alt. Sein Name ist Ubunte, doch nennen ihn alle nur den Berserker. So startet dieser Comic mit harten, brachialen und keine explizite Gewalt auslassenden Bildern. Der Ton ist gesetzt, man erkennt die Stärke und ins Besondere die innere Leere des Helden sofort an. Dieser hat sich auf der Suche nach einer Lösung für sein Unsterblichkeitsproblem an die US-Regierung gewandt, die ihm versprachen gemeinsam einen Weg zu finden ihn vom Leben zu heilen.

Im ersten Band lernen wir die Figuren kennen und erfahren bereits einiges zur Entstehungsgeschichte des BRZRKR. Ebenso wird dem Leser offenbart, dass natürlich mehr hinter der Bereitschaft zur Hilfe durch die US-Regierung steckt, als dem Unsterblichen mitgeteilt. Dieser doch recht wortkarge Charakter treibt die Handlung zumeist durch seine Taten voran. Andernfalls wird in Rückblicken oder durch Substanzen von seiner vertrautesten Forscherin Maria initiierte Erinnerungen aufgeschlüsselt, wo und wann der Ursprung seiner Existenz liege.

Copyright: Cross Cult

So verfolgen wir einerseits die Bestrebungen das von ihm nie besessene Geschenk des Todes zu erhalten, andererseits erhalten wir eine Art Psychogramm des Protagonisten. Seine Verzweiflung und gebrochene Sicht auf das Leben wird dem Leser über den Verlauf der zwei Bände sichtbar gemacht. Allerdings sollte man in dieser Reihe keine unwirklichen oder innovativen Ansätze zu Philosophie oder gar Story-Telling erwarten. Es ist eine Anhäufung von Küchenpsychologie und Klischees, die aber vor allem eines sind: sehr unterhaltsam und ungebremst zerstörerisch.

Bewerte das Buch nicht nach seinem Einband

Ein Blick aufs Cover verspricht einen sehr ausdifferenzierten, ja fast schon realistischen Stil. Doch weit gefehlt. Ron Garney zeichnet eine raue, skizzenhafte, teilweise grobe Welt. Die Expressionen der Figuren sind ihrerseits klar zu erkennen, eine wirkliche Identifikation gelingt damit leider trotzdem nicht immer. Eines muss man diesem Stil jedoch lassen. Seine Dynamik, die Perspektiven und die erschaffene rohe Art lässt diesen Comic absolut atmosphärisch und überaus passend zur Thematik erscheinen.

Copyright: Cross Cult

Die Struktur, also das Panellayout, ist durchgehend recht konventionell. Einige schön designte Ausnahmen lockern das Geschehen dann pointiert und wirkungsvoll auf. Etwas, das sich auch zur Kolorierung sagen lassen kann. Sie ist wirklich überaus treffend, atmosphärisch und vermittelt viel der Stimmung des Werks. Zugegebenermaßen ist daran aber auch das Spiel mit Schatten und Licht zu großen Teil beteiligt. Die vielen schwarzen Flächen, häufig ganze Szenen eines Kampfes nur im Scherenschnitt Stil also schwarze Silhouetten, passen zum Ton der Figur. Dem Geschehen angepasst, beispielsweise innerhalb der Rückblicke in die Kindheit, wird damit weniger kräftig gearbeitet.

Sollte die auffällige nach Keanu Reeves aussehende Figur, der Ton dieser bisher erschienen Comics und die Stilistik in der Netflix-Adaption getroffen werden, kann den Zuschauer etwas wahnsinnig brutales und unterhaltsames erwarten. Idealerweise würde das Team aus dem John Wick Kosmos diese Dreharbeiten übernehmen, die gerade wieder einmal bewiesen haben (John Wick 4) wie gut sie Action inszenieren können.

Harter Tobak
Mit „BRZRKR“ bekommt man das, was drauf steht: einen unsterblichen Keanu Reeves, der in gnadenloser Härte kämpfend und mordend auf seiner Suche nach dem Tod ist. Die Handlung ist nicht unbedingt tiefgreifend oder gar neu, allerdings sehr unterhaltsam und bietet an vielen Ecken doch einige interessante Ideen und Fragen. Es ist quasi ein Popcorn-Comic für den geneigten Fan des erwachsenen und schonungslosen Action-Films.
Pro
stimmungsvolle Bilder
unzensierte Härte
Kontra
wenig Neues
kalte Figuren
6

Lars Hünerfürst

Minimalistisch und musikalischer Comic Enthusiast - lief zu Fuß von Berlin nach Paris.

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