Geheimagent Deadpool

geheimagent deadpool

Deadpool wird 30 Jahre alt und zu diesem Anlass erscheinen dieser Tage einige Jubiläumsausgaben von alt bekannten Zeichnern und Autoren.

Dieser Band, auf dessen Cover der in typischer „James Bond Pose“ prangende Deadpool zu sehen ist, umfasst die 2018 in den USA erschiene Miniserie, in der Deadpool die Rolle eines 00-Agenten einnimmt. Dafür haben sich Christopher Hastings als Autor und Salvador Espin („Deadpool & die Söldner 2“) zusammengetan und einen Versuch gestartet, eine witzige Deadpool-Geschichte im Agentengewand aufs Papier zu bringen. Dieses Paperback erscheint bei Panini Comics.

Der Plot

Bereits im Vorwort wird durch Wade Wilson persönlich erklärt, worauf dieser Comic basiert. Es ist die Adaption eines Films, der zur Zeit Deadpools eigener Entstehung in den Kinos anlief. Die Tatsache, dass der Film eine Verwechslungsgeschichte erzählt und außerdem ein großer Flop war, lässt bereits jegliche Erwartungen fallen. Die Handlung ist ziemlich genau das, was man erwartet.

Man beginnt, Deadpool dabei zu verfolgen, wie das kleine und süße Pferdchen Clopples vor Pferdeschiebern gerettet werden soll und schlittert dann in die eigentliche Handlung hinein. Deadpool gelangt in dieser, durch seine typisch ungeplante und exzessive Gewalt, eher zufällig ins Krankenzimmer einer geheimen Organisation. Diese haben alles, was man als Bond-Fan zum Agenten-Feeling braucht: einen runzeligen Chef, der sehr nach alter Schule riecht, eine Sekretärin beziehungsweise Assistentin, die von allen als Ansprechpartnerin gewertet und abgewertet wird, und einen genialen Erfinder, mit dessen Gadgets die Agenten sich aus prekären Situationen retten können.

Deadpool spielt nun seine Rolle als Verbrennungsopfer „Jace Burns“, dem Bond Pendant dieser Geschichte, und genießt seine Vorzüge. Die Organisation ist einer Terrorzelle auf den Fersen, die an ein übermächtiges Meta-Objekt gelangen will, um die Weltordnung zu zerrütten. Klassisches Bond-Material also.

Der Stil und Humor

Abgesehen von den Covern, die durchgehend gut gezeichnet sind, zeigt der Comic keine große Kunst. Man erkennt, dass dieser Comic am Computer gezeichnet wurde, ohne sich viel Mühe gegeben zu haben, Details hinzuzufügen. Die Oberflächen der Figuren und Umgebung sind oft einfachste im Verlauf kolorierte und strukturlose Farbflächen, die nur an wenigen Stellen Details in ihrer Struktur erkennen lassen.

Deadpool selbst ähnelt stark einer beliebigen Cartoonfigur, die für den Deadpool-Fan wie eine Kaugummiautomatenversion des sonst so düsteren und oft auch unansehnlichen Helden wirkt.

Das bis dahin irritierendste ist, dass die Mimiken des Titelträgers absolut keine bisher bekannte Form angenommen haben und seltsam unpassend wirken. Der kreisrund aufgerissene Mund und übergroße Augen, die seine Überraschung, seine Freude oder seine Niedertracht darstellen sollen, erinnern an den Manga „One Piece und sind daher wenig überzeugend.

Der Humor, der kaum durch die Dialoge entsteht, wird durch die Gesichtsentgleisungen unseres „Merc with a mouth“ in diesem Comic fast gänzlich durch eben die Grimassen erzeugt. Leider zündet dieser nicht und es kommt nahezu keine Deadpool typische gebrochene, sarkastische und nihilistische Atmosphäre auf, denn er funktioniert in dieser Geschichte nahezu nur als der Trottel mit dem komischen Gesichtsausdruck.

Kritik

Es ist eine in der Nichtigkeit versinkende, nichts Neues erzählende und nicht sehr generische Geschichte mit Deadpool in der Hauptrolle. Bis auf einige Momente, in denen die Hauptfigur seine ihm gegebenen Superkräfte nutzt, hätte ihn auch ein anderer Held aus dem Hause Marvel ersetzen können. Die Meta-Ebene, die darin versucht wird aufzumachen, wurde bereits klüger und witziger in anderen Ausgaben mit Deadpool erzählt und der Humor bleibt leider an vielen Stellen einfach links liegen.

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Fazit
Ist man begeisterter Bond-Anhänger, hatte noch nie vorher Kontakt mit Deadpool, mag man exzessive Gewalt nicht so sehr und sucht etwas unverfängliches mit keinerlei Auswirkungen auf sich als Leser, kann dieser Comic einem gefallen. Für eingeschworene Fans des sonst so moralisch und emotional gespaltenen Helden wird diese Geschichte wohl leider nicht auf dem Stapel der zu empfehlenden Deadpool-Comics landen.
Pro
Witziges Agenten Setting, süßes kleines Pferdchen Clopples.
Kontra
Illustrationen, Humor, "Deadpool" ist kaum erkennbar.
3

Lars Hünerfürst

Minimalistisch und musikalischer Comic Enthusiast - lief zu Fuß von Berlin nach Paris.

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