Life Lessons with Uramichi

20. März 2023
2 Minuten gelesen

Bist du auch müde? Bist du manchmal ebenso verdrossen, ob des eintönigen Alltags? Hast du auch schon Zweifel an deinen Entscheidungen des Lebenswegs „genießen“ dürfen? All das und noch einige weitere Themen behandelt der Manga „Life Lessons with Uramichi“. In bis dato sechs Bänden erzählt der Künstler Gaku Kuze die Geschichte des Schauspielers Uramichi eines japanischen Kinderfernsehprogramms. Seit 2021 erscheint diese mittlerweile sogar als Anime adaptierte Story beim Ludwigsburger Verlag Manga Cult.

Obskurer Humor trifft Kindlichkeit

Die Lebenslektionen werden natürlich vom namensgebenden Protagonisten Uramichi Omota (im japanischen Original heißt der Manga „Großer Bruder Uramichi“) in ihrer Handlung vorangetrieben. Er ist ein sehr sportlicher Schauspieler, dessen Begabungen ideal genutzt werden, um mit Kindern im Fernsehen in der Sendung „Together with Maman“ körperliche Übungen durchzuführen. Trotz der überspitzt fröhlichen Ausstrahlung und den Kindern zugewandten Art fühlt er innerlich nichts. Er ist gefühlstot und hasst das Leben. In den Dialogen mit den äußerst neugierigen und kein spitzes Kommentar auslassenden Kindern eröffnet Uramichi seine von Depression und von Zynismus durchzogene Welt.

Copyright: Manga Cult

Dieser Manga zeichnet sich noch durch mehr aus. Es ist ein Ensemble aus gescheiterten Schauspielern, Sängern oder Sportlern, das die Kindersendung mit „Leben“ ausfüllt. Seine Kollegen Tobikichi Usahara und Mitsuo Kumatani spielen die Maskottchen der Show. Sie waren Kommilitonen von Uramichi und sind trotz der langen Bekanntschaft keine wirklichen Freunde desselben. Der Sänger Iketeru Daga, ein sehr talentierter und als hübsch beschriebener Mann, ist seinerseits ein eher einfältiger Charakter. Seine Gedanken drehen sich häufig um Onigiri, er macht anrüchige Witze und wird mit einer fast unzerbrechlichen Naivität beschrieben. Die Sängerin Utano Tadano hingegen ist eine auf einer Elite-Uni ausgebildete und dennoch gescheiterte Künstlerin, die mit ihrem erfolglosen Freund zusammenwohnt.

Zusammen muss das Ensemble den Launen des Regisseurs und der Firma standhalten. Gemeinsam Lieder singen über absurd komisches Zeug, Sommerliche Videos dazu produzieren im tiefsten Winter und vice versa. Die Zeichnungen, die manchmal übertriebene Manga-Humor-Klischees bedienen, geben diesen kleinen Episoden ihren gewissen Charme. Es sind zudem scheinbar voneinander losgelöste Kapitel. Dennoch bauen sie in ihrer Figurenentwicklung aufeinander auf und referenzieren sich aufeinander im späteren Verlauf der Handlung.

Aussehen und Gefühl

Die Figuren, wie unschwer auf dem Cover zu erkennen, lassen sich zum kantigen, überzeichneten und vermeintlichen glatten Stil der Mangaka zuordnen. Das Gesicht des Uramichi auf dem Cover erinnert ein klein wenig an die Gestaltwandler-Wesen aus Hunter X Hunter. Soll heißen, dass sie spitze Gesichter haben. Entweder tragen sie sehr runde und große oder fast schon kantig, schmale und bedrohlich wirkende Augenpartien. Der Humor würde jedoch auch nicht anders funktionieren. Denn gerade wegen der Kontraste im Charakterdesign, den vielen Klischees in Expressionen und Mimik, natürlich auch die obligatorischen Tropfen der Peinlichkeit in Kopfhöhe.

Copyright: Manga Cult

Eines macht der Manga sehr gut. Er spielt mit Licht und Schatten. Gerade in Momenten, in denen Uramichi eine zynische oder depressive Haltung zum Leben äußert, wirkt das Gesicht erschreckend düster. Dies unterstreicht den Monolog und wird pointiert von der in Ehrfurcht erstarrten Gruppe Kinder mit ihren großen erwartungsvollen Augen konterkariert. Doch natürlich werden auch an dieser Stelle die Erwartungen gebrochen und seine Kollegen legen im Versuch die Situation zu retten manchmal noch ein dämliches Kommentar obendrauf.

Zwischen den Kapiteln stehen, so zumindest in der bei Manga Cult veröffentlichten Ausgabe, manchmal die Songtexte der vorigen Kapitel. Meistens sollen sie lehrreich sein, oft sind sie aber einfach nur zum schreien dumm. Diese offensive Kritik am Kinder-Unterhaltungsfernsehen sitzt. Häufig sind es nämlich eben die Kinder, die in Fragestunden „Erwachsenen-Themen“ ansprechen, Empathie zeigen und trotzdem für den nächsten extrem hässlichen Merchandise-Scam brennen.

Zynisch, schrill und nachdenklich
„Life Lessons with Uramichi“ ist eine unterhaltsame, seichte, manchmal doch nachdenklich stimmende Lektüre. Die absurden Figuren, ihre überzeichneten Eigenschaften, das gesamte Setting des Ensembles und die in diesem Werk behandelten Themen zeigen einen reichen Erfahrungsschatz des Mangakas. Der Humor ist eigensinnig, definitiv nicht konventionell oder gar mainstream in einer Weise. Sicherlich hat man damit am meisten Freude, wenn man sich selber dem Zynismus nah fühlen kann und es trotzdem schafft irgendwie ein Optimist zu bleiben. In sieben Bänden abgeschlossen und als Anime in deutscher Synchronisation auf Crunchyroll zu sehen.
Pro
seltsamer Humor
Figurenentwicklungen
Zeichnungen
Kontra
doch teilweise zu oberflächlich
Humor nutzt sich ab
7

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Über den Autor

Lars Hünerfürst

Minimalistisch und musikalischer Comic Enthusiast - lief zu Fuß von Berlin nach Paris.

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