Punisher 2 – Mörderische Götter

14. Juni 2023
2 Minuten gelesen
Punisher Mörderische Götter Paperback 2 Cover Daredevil
Copyright: Marvel

Der neue Ansatz die Figur Punisher zu erzählen soll die politisch und gesellschaftlich verbrannte Erde neu befruchten. Von Extremisten missbraucht und zum ideologischen Symbol überstilisiert, darbte der einstige Vietnam-Veteran Frank Castle in einer schmutzigen Ecke. Nun hat Jason Aaron, der bekannt geworden ist für seine Neuinterpretationen vermeintlich „toter Figuren“, sich an diese Figur gewagt. Mit der Hilfe der Zeichner Jesús Saiz und Paul Azaceta, wobei Dave Stewart in allen darin enthaltenen vier Heften die Kolorierung einbrachte. Dieser kleine Kern aus Illustratoren erzeugt neben der konsistenten und durchdachten Figurenentwicklung durch Aaron ein Gefühl von Konstanz.

Wer ist schon ein Gott?

Copyright: Panini

Frank Castle ist jetzt offiziell der Anführer der Schattenorganisation „die Hand“. Wie sich herausstellte beten sie einen Dämon an mit dessen Hilfe sie ihre Ninjas rekrutieren. Denn eines sollte man über die Hand wissen: sie beleben Menschen wieder, um sie dann für ihre Zwecke zu instrumentalisieren. Die Priesterin der Hand, eine alte „Frau“, regiert mit unerbittlicher Härte. Frank Castle hingegen, obwohl er als der hauseigene Henker (also Punisher) für die Vollstreckung der Todesurteile von schwersten Verbrechern fungiert, zeigt Milde. Einige kürzlich in Ungnade gefallene Ninjas lässt er nicht hinrichten und bindet sie mit einem Eid sich. Er macht sie sogar zu seiner eigenen Spezialtruppe.

Diese wird der Punisher auch brauchen, denn er hat sich mächtige Feine gemacht. Der Kriegsgott Ares hat sich geschworen den Punisher und all das wofür dieser steht zu zerstören. Nun steht also ein Duell der zwei Kontrahenten bevor. Ein Gott kämpft gegen einen anscheinend von der Macht eines Dämons beseelten Auserwählten, Frank Castle.

Immer wieder zeigt sich in den Zwischentönen, wie kritisch das Konzept der Göttlichkeit und deren Verehrung betrachtet wird. Der Punisher selbst kritisiert offen die Huldigung ohne dabei an der Vernunft des Gottes zu zweifeln. Stumpfe Loyalität und ideologisierte Gefolgschaft ist dies also nicht mehr. Außerdem lässt sich der Autor dazu hinreißen mit Flashbacks den Wandel der Figur Frank Castle mitzuerleben. Wir beobachten wie die verlorene Perspektive, das Fehlen von Empathie und ein schwerst traumatisierter Protagonist immense Probleme mit dem „normalen Leben“ hat. Selbst die Paar-Therapie scheint kaum bis keinen Erfolg zu haben. Warum und woher diese schwersten Traumata rühren, erfahren wir zum Teil bereits in der ersten Ausgabe. Einige Weitere werden in dieser Geschichte ausgebreitet und gelungen inszeniert.

Was hat Frank Castle zum Punisher gemacht?

Copyright: Panini

Es steht nun viel auf dem Spiel für den Punisher. Er hat seine einzige und große Liebe zu seiner einst verstorbenen Frau Maria wiedergewonnen, ist jedoch dafür von einem Dämon besessen. Sie wurde von der Hand wiederbelebt und gewinnt zunehmend an Erinnerungen ihres gemeinsamen Lebens. Sie sucht nach Erklärungen. Im Versuch ihr den Schutz zu gewährleisten, den Frank an ihrem Todestag und dem seiner Kinder nicht spenden konnte, gerät der Punisher in schwierige Situationen. Es geht sogar so weit, dass sein guter Freund Daredevil intervenieren möchte und ihm den Teufel austreiben will. Doch muss er feststellen, dass es nicht nur der Dämon ist, der von Frank „Punisher“ Castle Besitz ergriffen hat. Die Moral bleibt nicht auf der Stelle, doch muss der Protagonist eingehen, um nicht alles ihm Wichtige für immer zu verlieren.

Zwei Stile, zwei Ebenen

Die Zeichner sind sich ihrem Wechsel der Zeichenstile, ganz der Zeit und Handlungsstrang angepasst, treu geblieben. Wie bereits in der ersten Rezension besprochen, fällt auf, dass Jesús Saiz einen fast schon malerischen Stil gewählt hat. Die sehr rabiate Umgebung, angereichert mit Blut und Toten, steht dazu im harten Kontrast. Die Kolorierung von Dave Stewart, welche mehr mit Farbverläufen als hart voneinander getrennten Ebenen arbeitet, potenziert die Wirkung dieses malerischen Eindrucks. Auf der anderen Seite des zeichnerischen Spektrums steht Paul Azaceta, dessen Retro-Stil, mit kräftigen Outlines, harten Formen und klassischer Inszenierung einfach perfekt die Atmosphäre der Flashbacks unterstützt.

Zusammen schaffen sie eine homogene, gerade durch ihre komplementären Stile verstärkte, Fusion. Sie ergänzen und kontrastieren sich gegenseitig und wirken so umso besser. Die Inszenierung der Figuren in beiden Stilen, also die gewählten Perspektiven und dargestellten Emotionen, gelingt überzeugend und nimmt einen manches Mal mit. Auch der Gastauftritt Daredevils wird fantastisch in Szene gesetzt und macht prompt Lust auf einen Daredevil in diesem Zeichenstil.

Punisher Mörderische Götter Paperback 2 Cover Daredevil
Unterhaltsame Action mit emotionalen Einlagen
„Punisher 2 - Mörderische Götter“ macht Spaß, überrascht und bildet den Charakter Frank Castle weiter aus. Man erfährt vieles zur neuen Herkunft des Punishers, woher seine Wut stammt, wie viel Leid er deswegen seiner Frau zufügte und wie stark er tatsächlich ist. Die Figur Punisher erlebt ein Comeback. Der Schauspieler der für Netflix produzierten Marvel-Serie wurde bestätigt für die MCU Punisher Adaption. Es bleibt abzuwarten, welche Version des Punishers sie sich dann bedienen. Hoffentlich nutzen sie mehr dieser aktuellen von Traumata und Reue getriebenen Figur. Visuell eindrucksvoll und anders kommt dieses Update des verstaubten Frank Castle daher und macht eine Menge richtig. Vor allem ist es unterhaltsam auf teilweise morbide Art und Weise.
Pro
aufwendige Illustrationen
gelungene Inszenierung der Figuren
Kontra
schnell aus dem Kopf, trotz harter Schicksalsschläge der Figuren

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Über den Autor

Lars Hünerfürst

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