Human Target – Das Ende des Human Target?

4. Dezember 2023
3 Minuten gelesen
Human Target 2 Cover Panini

Das Black Label von Detective Comics bot schon vielen Alternativgeschichten und den ausgestaltenden Künstlern alle Freiheiten. In „Human Target“ versteht sich der Autor Tom King darauf eine weitestgehend unbekannte Figur des DC-Kanons zum Protagonisten zu machen. Die insgesamt 12 Hefte umfassende Mini-Serie ist Dank des begnadeten Künstlers Greg Smallwood auch visuell eine überaus empfehlenswerte Lektüre. Dieser zweite und abschließende Band erscheint als Soft- und Hardcover beim Stuttgarter Panini Verlag. Diese Mini-Serie gewann bei der diesjährigen Verleihung des Eisner-Award außerdem gleich zwei Auszeichnungen, für „Best Limited Series“ und „Best Penciller/Inker“.

Überall Verbrechen

Vorausgehend muss gesagt werden, dass man diesem zweiten Band ohne Kenntnis des ersten nicht viel abgewinnen kann. Gerade auf Grund der Kürze ist es um so wichtiger die Geschehnisse möglichst zu verfolgen. Doch nun eine kurze Zusammenfassung des „Was bisher geschah“.

Christopher Chance ist die lebende Zielscheibe. Seine Profession ist die Täuschung und Imitation einer Persönlichkeit. Mit diesen Fähigkeiten stellte er in der Vergangenheit der DC-Historie ein immer wieder auftretendes Überraschungsmoment dar. So geschah es auch im Start dieser Serie. Chance arbeitete für den wohlhabendsten Schurken und ewigen Widersacher Superman’s Lex Luthor. Ein überlebter Mordanschlag und ein überwältigter Attentäter später wähnt sich Christopher „Human Target“ Chance in Sicherheit. Als jedoch kurz darauf Symptome einer rätselhaften Krankheit auftreten, wird klar, dass er dieses Mal nicht mehr davon kommen kann. Der Arzt der Justice League stellt ihm eine fatale Diagnose: ihm bleiben noch 12 Tage bis er unweigerlich sterben soll. Die Suche und Jagd auf seinen Mörder beginnt zum letzten Mal. Doch vorerst sind Chance und Ice auf der Flucht vor Batman, dem besten Detektiv des DC-Kosmos, denn sie haben gemeinsam Green Lantern umgebracht.

Copyright: Panini

Dem Talent und der Historie eine Würdigung setzend, beginnt dieser Comic mit Kurzgeschichten aus der Karriere des Christopher Chance. Dieser von Rafael Albuquerque, Kevin Maguire und Mikel Janiín gestalteten Episoden gelang es die Vielfalt und und Fähigkeiten des Human Target auf wenigen Seiten einzufangen. Dabei fällt auf wie selbstverständlich und hochwertig diese Geschichten in das fortlaufende Geschehen der Geschichte eingebunden sind. Jene Episoden stellen sich als Interviews mit den auf den Leim gegangenen Helden und Schurken heraus, die von Ice durchgeführt werden.

Ein unfreiwillige Verbindung

Die junge Frau namens Tora „Ice“ Olafsdotter trat bereits im ersten Band auf Christopher Chance zu. Sie ist Teil der Justice League und wollte ihm helfen dessen Ermittlungen mit ihren Kontakten zu beschleunigen. Früh wird jedoch klar, dass sich etwas um ihre Person als fragwürdig beschreiben liesse. Die Art sie zu inszenieren legte schon früh gewisse Brotkrumen auf den Weg, um sie als eine der Hauptverdächtigen auszumachen. Ihre Verbindung zum hiesigen Green Lantern, der bis zu diesem Zeitpunkt als der Drahtzieher hinter Chance Vergiftung auszumachen wäre, nimmt den Fokus nur partiell von Ice ab.

Natürlich passiert, was nicht hätte passieren sollen: Christopher Chance und Tora Olalfsdotter verlieben sich ineinander. Dieses Gespann aus Femme Fatale und dem Hard-Boiled Detective lässt allein mit der Verwendung der sie beschreibenden Charaktertypen in ihrer Dynamik erahnen. Tom King gelingt es dennoch ihre Beziehung zueinander über das Klischee hinaus zu einer einfühlsamen und von Zuneigung auszeichnenden zu erzählen.

Copyright: Panini

Die Zwei wissen, wie auch die Leser, da diese Reihe mit dem Tod von Christopher Chance beginnt, dass ihre Zeit ein Ende hat. Umso spannender also, wie sie im Laufe der Ermittlungen über die Enthüllungen, Entdeckungen und Entwicklungen der anderen daran teilhabenden Figuren urteilen. Chance begibt sich in diesem Band in so manche gefährliche Situation, die ihn jedoch zumeist kalt lässt, da er weiß, dass er ein toter Mann ist. Ob er also nun früher sterbe, kümmert ihn auch nicht mehr. Diese Kaltschnäuzigkeit macht die Figur zu dem, was seine Geliebte Ice in ihrem Namen trägt, einem Mann aus kalter Berechnung und Eiseskälte. Dennoch fühlt sich die Beziehung, die die zwei Handlungstragenden miteinander entwickeln nach genuinen Gefühlen an, zumeist mehr, als in so mancher Drama-Liebes-Geschichte.

Mehr Smallwood für alle

Sollte man diesen Comic nicht mögen, weil die Geschichte vielleicht zu Teilen voraussehbar ist, dann wird man schlussendlich doch von der Kunst darin verzaubert. Der von Greg Smallwood präsentierte Zeichenstil ist einfach überwältigend schön. In seinem Design finden sich eine große Menge von Anspielungen an vergangene Jahrzehnte, in Autos, Kleidung, Raumgestaltung und vielen weiteren Details. Dieser Eindruck wird bestärkt in seiner Ausgestaltung, der Art des Zeichenmediums und der farblichen Gestaltung. Keine Outline einer Figur zeigt den konventionellen schwarzen Tintenstrich, denn der Stil ist geprägt von einer Wachs- beziehungsweise Buntstift-Optik. Die vielen verwendeten Farben in den Outlines und formgebenden Konturen sind jeweils in farblicher Abstimmung mit den Figuren gewählt worden. Diese Verbindung von Äußerem und Innerem der jeweiligen Charaktere macht den gesamten Look dieses Comics zu einer extrem ungewöhnlichen und wunderschönen Ausgestaltung.

Die gewählten Farben um die Figuren und Flächen zu füllen, enden manchmal nicht ganz glatt mit den häufig händisch gezeichnet aussehenden Outline. Dadurch entwickelt Smallwood eine weitere Eigenschaft dieser Reihe. Nichts ist klar voneinander zu trennen, weder Farbflächen, noch Gut von Böse, denn wo sich die Grenze ziehen lässt, liegt allein im Auge des Betrachters und ist zumeist schwerer zu identifizieren, als man es auf den ersten Blick zu beurteilen mag.

Human Target 2 Cover Panini
Ganz großes Kino
„The Human Target 2“ ist eines der besten Crime-Noir Superhelden-Comics der letzten Jahre. Die von Tom King wundervoll geschriebenen Charaktere, eine facettenreicher als die andere, ausentwickelt in fantastischer Kunst des Greg Smallwood bilden eine überzeugende und ergreifende Geschichte. Man kann der Mini-Serie vorwerfen, dass sie nicht erfinderisch ist, voraussehbar und im Kern der Erzählung redundant, dennoch schafft sie es durch dichte und ikonische Dialoge die Spannung zu halten. Dadurch, dass einem das Ende bereits auf den ersten Seiten der ersten Ausgabe vorgesetzt wurde, und Christopher Chance der Meister des vorgetäuschten Todes ist, bleibt allerdings auch diese Erwartung stets bestehen. Man befindet sich bis zum Ende in einer Erwartungshaltung, dass diese Geschichte vielleicht doch noch eine andere Wendung nehme. Wie es ausgeht, spricht für sich und beweist, dass King und Smallwood verstanden haben wie man Superhelden zu interpretieren hat. Sie sind eben auch nur empfindsame Menschen mit ein paar zusätzlichen Kräften.
Pro
Umwerfende künstlerische Gestaltung
fantastisch geschriebene Figuren
liebevolle Charakterentwicklung
Kontra
ein vorraussehbares Ende?!
9

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Lars Hünerfürst

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