#Comictober Black Panther 2 – Auf der Flucht

24. Oktober 2023
2 Minuten gelesen
Black Panther Auf der Flucht Cover Panini Paperback

Die lange Geschichte des Black Panther warf schon einige Kontroversen auf. Dieser Neustart einer durch den Entstehungskontext per se politisierten Figur wirft eine eigenartige Perspektive auf T‘Challa und den Black Panther. Der Autor John Ridley wurde für sein Drehbuch von „12 Years A Slave“ mit einem Oscar ausgezeichnet, was diesen Comic umso merkwürdiger erscheinen lässt. Die Hauptzeichner German Peralta und Stefano Landini konnten auf der Grundlage dieser Handlung ihr Bestes geben, es sollte aber nicht gereicht haben, um diesen Comic empfehlenswert werden zu lassen. Warum diese harsche Kritik für diesen bei Panini erschienen Paperback schon vorab?

Ist das noch Kritik am System?

T’Challa gab seine Krone wegen des aufkommenden Strebens zu einer parlamentarischen Demokratie auf. In einer öffentlichen Anhörung kommen einige Verstrickungen ans Licht, die darauf hinweisen, dass ein System aus Schläfern weltweit aktiv ist. Diese Doppelagenten im Dienst der Krone Wakandas wurden im vorigen Band Opfer von Anschlägen, die der ehemalige König und immer noch Black Panther versucht aufzuklären. Während seiner Untersuchungen brodelt Wakanda politisch und es kommt zu Putschversuchen durch den ehemaligen Leiter der Militärpolizei. Der Anführer Akili will den Staatscoup mit militärischer Macht erzwingen. In diese Situation kehrt der Black Panther zurück und sieht sich in Unterzahl mit der Macht Akilis konfrontiert.

Copyright: Panini

Glücklicherweise treten ihm die Dora Milaje und der Überraschungsgast Ororo alias Storm zur Seite im Kampf gegen die faschistoiden Anhänger der Akilis. Als einziger Trumpf in den innerpolitischen Kämpfen tritt dann aber eine neue Figur auf den Plan. Einer der besten Kämpfer der „Stillen Zone“, dem es gelang über jahrelangen Kontakt mit Vibranium eine unverletzbare Haut aus Vibranium zu entwickeln. Die Deus Ex Machina nimmt ihren Platz ein und zerstört den Putschversuch erfolgreich.

Nun kann man sich fragen, was davon haften bleibt. Ist es der patriarchische und sehr konservative Führungsstil des T’Challa, dessen Glaube an die Monarchie nur Widerwillens Raum für eine Demokratie gibt? Sind es die weiblichen Figuren, denen allen voran Storm als die progressiven Kräfte einer sich neu ordnenden Gesellschaft richtungsweisend sind? Der Comic macht es einem nicht leicht diese Kritik anzunehmen, da sich der Black Panther mit subtilen Kommentaren und einer Reihe von Handlungen widersprüchlich dazu äußert.

Da dieser Comic nunmal unter dem Titel „Black Panther“ veröffentlicht wurde, liegt die Identifizierung mit dieser Figur am nächsten. Doch eben dieser T’Challa wird in einer unliebsamen und mit antiquaren Werten ausgestattet dargestellt, die ihn als Anti-Helden dieser Geschichte erscheinen lassen. Man kann versuchen darin also eine Kritik an der Monarchie und den Strukturen einer herrschenden Elite zu finden. Wirklich überzeugt bleibt jedoch der Protagonist sowie der Leser am Ende dieser ersten Hälfte des Paperbacks davon nicht.

Fantasy-Historie

Die letzten zwei Hefte dieser Ausgabe bewegen sich dann überraschend in eine völlig andere Richtung. Eine extraterestische Erscheinung namens „Colonialist“ bedroht die Avengers, deren Anführer bis dahin T’Challa war. Dieser erwähnt jedoch, dass er wegen der bisherigen Unruhen im eigenen Land und seiner schwindenden Überzeugung seiner Führungsfähigkeiten, seinen Posten abgeben würde. Dazu kommt es vorerst nicht, denn die Avengers werden gleich zweierlei Bedrohungen bekämpfen müssen. Auf der einen Seite kämpfen Captain America, Thor und Captain Marvel gegen eine Horde humanoider Monster. Auf der anderen Seite versucht Black Panther dieser Bedrohung ein Ende zu setzen und wird vom Büffel reitenden Revolverhelden „Buffalo Soldier“ schwerst in die Mangel genommen. Diese zwei Kapitel wirken wie ein Fremdkörper in diesem Paperback, bietet jedoch zumindest einige sehenswerte Actionsequenzen.

Copyright: Panini

Der Stil

Die ersten Hefte wurden von Stefano Landini gezeichnet und von Matt Milla koloriert. Man muss leider sagen, dass die Arbeiten Landinis schon Mal schöner aussahen. Die mimischen Expressionen der Figuren wirken flach und häufig leblos. Die Proportionen und Bewegungen scheinen dagegen nicht minder einfach und unausgereift. Dies ist verwunderlich, da Landini im Rahmen seiner Arbeit an Daredevils Vorgeschichte einige wirklich sehenswerte Bilder ablieferte.

Die letzten zwei Hefte kommen um einiges souveräner daher. Germán Peralta zeichnete und ließ sich von Jesus Aburtov die Panels kolorieren. Diese beiden Ausgaben wirken knackig und lebendig, was zum durch die Designs und auch die ausdrucksstärkere Mimik der Figuren ersehen lässt. Wirklich experimentell, in Form, Layout oder Design ist aber leider keines der in diesem Paperback enthaltenen Hefte.

Black Panther Auf der Flucht Cover Panini Paperback
Politisch, fantasievoll und ein völliger Reinfall
„Black Panther 2 - Die Flucht“ ist ein durchaus ambitionierter, dennoch gescheiterter Versuch Herrschaftssysteme zu kritisieren. Die Anlage der Hauptfigur verkörpert maximal unsympathische Werte, die auch durch das eher tragische Ende nicht mehr kompensiert werden können. Auch visuell ist dieses Paperback kein wirklicher Garant für große Offenbarungen. Somit bestätigt sich der Eindruck des ersten Bandes und lässt diese kurze Reihe als einen der weniger starken Momente des Black Panthers mit einem bitteren Nachgeschmack verzeichnen.
Pro
coole Auftritte weiblicher Nebenfiguren
Kontra
schwach geschriebene Hauptfigur
visuell extrem uninspiriert
prekäres politisches Statement
3

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Über den Autor

Lars Hünerfürst

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