Die furchtlosen X-Men 2 – Mutanten, Marsianer und Menschen

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Die furchtlosen X-Men 2 Panini Cover

Die Mutantenwelt ist nahezu undurchdringlich komplex und kompliziert geworden. Als Jonathan Hickman 2019 ansetzte, um die Gesetze einer der beliebtesten und vielseitig beschriebenen Helden neu zu erfinden, waren alle gespannt. Er veränderte wirklich alles und hinterließ gleich mehrere simultan laufende Reihen.

Nun hat „Die furchtlosen X-Men 2 – Unter Beschuss“ von Autor Gerry Duggan und den Zeichnern C.F. Villa, Javier Pina und Pepe Larraz das harte Los diesen Flickenteppich fortzuführen. Man kann Ihnen einiges vorwerfen, den Geist und die Idee Hickmans einfach auf Links zu drehen allerdings nicht. Dieses sechs Hefte umfassende Paperback erscheint beim Verlag Panini und liefert wie häufig eine kleine Variant-Cover-Gallerie am Ende dieser Ausgabe.

Nach dem Event ist vor dem Event

Erst kürzlich überlebten die Mutanten das Event „X of Swords“ und wuchsen daraufhin um eine weitere Fraktion von Mutanten an. Die Bewohner Arakkos gehören nun ebenfalls zur Welt der Mutanten. Jene von Kampf und Tod geprägten Mutanten zogen sich aus Selbstschutz und Schutz der Menschheit auf den Mars zurück, wo sie nun ihren eignen Rat bildeten. Bisher scheint es eine relative Stabilität im Machtgefüge und der Kooperation zwischen den die Erde bewohnenden Mutanten auf den Inseln Krakoas, den Mutanten Arakkos auf dem Mars und den Helden und Menschen der Erde zu geben. Doch der Frieden ist trügerisch.

Die Anti-Mutanten-Organisation Orchis hat unter der Leitung Dr. Stasis mehrere Angriffe auf die Erde veranlasst. Sie befolgen einen Plan mit langer Vorbereitung und vielen kleinen Zwischenschritten, dessen Methode und Ziel bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht absehbar sind. Klar ist jedoch, dass Stasis mit seinen genetisch veränderten Tierwesen die Menschen terrorisiert und im Gefecht Cyclops, den Anführer der X-Men tötet.

Copyright: Panini

Der Tod bedeutet für die X-Men nichts mehr, da sie einen Weg fanden sich unsterblich zu machen. Allerdings kam es noch nie vor, dass die Öffentlichkeit davon Kenntnis nahm, so wie jetzt vom Tod des weltberühmten Cyclops. Das Geheimnis soll gehütet werden, da auch der Investigativreporter Ben Urich auf eben jener Spur ist. Es droht die Veröffentlichung des größten Geheimnis der Mutanten. Eben jene Unsterblichkeit führt zwangsläufig (im Verlauf der kommenden Ausgaben) zum Event A.X.E.. Darin sind die Avengers – X-Men – Eternals verwickelt. Die Göttlichkeit der Mutanten nehmen einige Eternals zum Anlass, um einen Krieg zu beginnen.

Konflikte auf zwei Fronten

Doch nun sind erst einmal die X-Men, also das stärkste Team der Mutanten Krakoas zur äußeren Abwehr, in Bedrängnis. Modok (vielen mittlerweile durch den Film Ant-Man Quantumania bekannt) hat eine genetisch veränderte Substanz auf einem Kreuzfahrtschiff ausgebracht. Das „Projekt Amy“, angelehnt an Amygdala, soll die Menschen auf ihre niedersten Triebe degradieren und führt zu massenhafter Gewalt. Die X-Men greifen ein und können eine Eskalation verhindern. Auf diesen kleinen Erfolg hin wird Modok von Dr. Stasis zur Kooperation eines gemeinsamen und viel größeren Plans angeheuert. Die Identität des bis dato unbekannten und wahnsinnigen Doktors wird im Laufe dieser Ausgabe gelüftet. Es ist eine gelungene Überraschung, die ihrerseits wieder viele Türen für die kommenden Mutanten-Geschichten öffnet.

Zwischen all dem suchen Rogue und Gambit nach Hinweisen zum Standort der Gameworld, da von dort riesige Monster auf die Erde gesandt wurden. Unter Wetteinsätzen, welches Monster wie großen Schaden anrichte, erfreute man sich in den Unweiten des Universums an der Zerstörung der Erde. Ob man dahinter eine gewisse Kritik an der Abspaltung von den oberen 1% der reichsten Menschen zum Rest der Erde vermuten kann, bleibt der Analyse und seiner Interpretation eines Einzelnen überlassen.

Zur selben Zeit…

Fernab von allen Konflikten und Kampfhandlungen geschieht das Wichtigste am Konferenztisch. Die Fraktionen Krakoa, Arakko und Orchis planen alle drei einen geheimen Einsatz gegen einander, um mögliche Konflikte im Keim zu ersticken. Diese Uneinigkeit der Mutanten könnte überwunden werden, doch bräuchte es mildernde Stimmen in den Räten.

Copyright: Panini

Es passiert viel in diesen sechs Heften, kreuz und quer und von Universum bis zwischenmenschliche Liebestragödie kann man hier alles finden. Genau das ist das Problem dieser Ausgabe. Man fühlt sich überfrachtet und es fällt zunehmend schwerer die Pausen zwischen den vielen unterschiedlichen Titeln und parallel laufenden Handlungen im Blick zu behalten. Um einen nahtlosen Lesespaß zu haben, ist man demnach darauf angewiesen einige weitere X-Men-Titel zu lesen. Das führt dazu, dass die Einsteigerfreundlichkeit nahezu bei Null liegt.

Die Mutanten sind der Status-Quo

Mag man eine Sache festhalten, dann dass die Titel der X-Men durchweg eine sehr hohe Qualität in ihren Zeichnern und Koloristen haben. Die vielen Ausgaben der nun seit fast 4 Jahre laufenden übergeordneten Handlung ist gespickt mit hochklassigen Künstlern. Sie sind unter anderem dafür verantwortlich, dass sich nun ein neuer Status Quo des amerikanischen Superhelden Comics in seinen Illustrationen herausbildet. Gerade solch Künstler wie Pepe Larraz und C.F. Villa haben an zahlreichen X-Men Titeln gearbeitet und den knackig, frischen, an Details dichten, von Struktur belebten und häufig gewaltvollen Stil mit geprägt.

So ist auch dieser Comic von einer unerwarteten Härte durchzogen, die schlichtweg im Farbenfestival der Seiten in den Hintergrund verschwindet. Denn das muss man diesem und den meisten anderen X-Men Titeln lassen, sie sind farbenprächtiger als so manches Holi-Festival. In der Ausgabe kolorierte Marte Gracia und trifft den Ton der vorigen Ausgaben auf den Punkt.

Wenn man sich einen Comic allein der Illustrationen und der visuellen Kraft wegen besorgen sollte, kann man mit dieser Ausgabe nicht viel falsch machen. Die eingeführten Figuren sitzen in ihren Designs, die Kämpf sind ausladend und bombastisch und selbst die leisen Momente frohlocken mit so mancher stilistischer Raffinesse wie punktuell eingesetzter Lochraster-Schattierung.

Allgemein wird hier das Rad jedoch nicht neu erfunden. Die Layouts, die Panelstruktur und das Design sind nicht sehr erfinderisch, wenngleich die für X-Men Titel berühmt gewordenen Protokolle, Briefwechsel oder geheimen Notizen zwischen den Heften platziert sind.

Die furchtlosen X-Men 2 Panini Cover
Facettenreich und Farbenfroh
„Die furchtlosen X-Men 2 - Unter Beschuss“ ist ein farbenprächtiges Spektakel mit reichlich inhaltlicher Sprengkraft für jeden treuen Fan der X-Men-Reihen. Sollte man jedoch nicht so tief in der Materie stecken oder gar mit dieser Reihe einsteigen wollen, so helfen leider auch die für gewöhnlich sehr hilfreichen redaktionellen Texte im Vorwort nicht mehr. Die Welt der X-Men ist schlichtweg so groß geworden, dass sich nun in aktuellen Events wieder verkleinert werden muss. Allgemein ein solider Comic mit vielen unterschiedlichen Facetten der Figuren und interessanten Wendungen.
Pro
schwungvolle Zeichnungen
feine Charaktermomente
Kontra
Viel und Laut und Viel
Selbst als X-Men Leser häufig verwirrend in seinen Handlungsbezügen
6

Lars Hünerfürst

Minimalistisch und musikalischer Comic Enthusiast - lief zu Fuß von Berlin nach Paris

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