Miles Morales: Spider-Man 8 – Das Reich der Spinne

20. November 2023
2 Minuten gelesen

Die Figur Miles Morales hat nicht zuletzt durch den fantastischen Film „Spider-Man: Across the Spider-Verse“ an Beliebtheit gewonnen. Auch den Fans der Comics ist Miles Morales eine gern willkommene Abwechslung zum Spider-Verse, das sich hauptsächlich um Peter Parker dreht. In „Miles Morales: Spider-Man 8 – Das Reich der Spinne“ nimmt der federführende Autor Saladin Ahmed selber eine wilde Reise ins Spider-Versum vor. Mit zahlreichen Künstlerinnen findet die Reihe mit dieser Ausgabe einen Absatz, um mit einer neuen Nummer 1 einen neuen Handlungsbogen zu beginnen. Warum diese Ausgabe leider ein massiver Flopp ist, soll an dieser Stelle erörtert werden.

Multiversums-Zeit-Reise-Gedöns

Copyright: Panini

Miles Morales Odyssee ins Multiversum startete bereits in der vorigen Ausgabe und soll nun beweisen, wie viel Einfluss kleinste Veränderungen auf den Ausgang der Geschichte haben. Also haben sich Miles und sein formwandelnder Klon Shift auf den Weg gemacht, um den verschwundenen Onkel Aaron in den Irrungen der Dimensionen und Zeitlinien ausfindig zu machen. Dabei treffen sie zuerst auf den einst als böse charakterisierten Ultimatum, eine Itteration Miles Morales, die dem Größenwahn verfallen ist. Es wird nicht die letzte böse Ausgeburt seiner Person bleiben, die ihnen in diesem 6 Hefte umspannenden Paperback in die Quere kommt.

So vielfältig die Welten auch sein mögen, die sie besuchen, es bleibt doch immer die gleiche Situation. Sie kommen um zu retten, was einst in der jeweiligen Geschichte schief gelaufen ist. Genau das ist das größte Problem dieser Ausgabe: es ist eine Wiederholung von Klischees, die sich wiederum innerhalb dieses Paperbacks mehrfach wiederholen. So ist der Ausgang identisch, mit ein paar wenigen Ausnahmen und kleinen Veränderungen, die im Kontext des großen Ganzen allerdings so nichtig scheinen, dass man sie auch nicht gebraucht hätte.

Die Suche nach dem vermissten Onkel Aaron löst sich dann in einer immensen Anhäufung von unglaubwürdigen und stumpfen Gegebenheiten auf, dass man diesen Wendungen das Prädikat „ganz großer Comic-Quatsch“ attestieren muss. Es wirkt spätestens nach der zweiten anderen Welt tatsächlich so, als hätte man im Writers-Room lediglich die Schreibtechnik „Und dann kommt das und das und das“ angewandt. Dadurch entsteht so gut wie kein Raum für durchdachte Figuren, Entwicklungen oder gar schmissige Ideen der Figur Miles Morales irgendetwas abzugewinnen.

Stilistisch wirr

Copyright: Panini

Leider schafft es weder die Handlung der Hauptfigur viel abzuverlangen, noch sind die Zeichnungen wahnsinnig überzeugend. Die Zeichner Christopher Allen und Alberto Foche bilden für diese Ausgabe den großen Rahmen. Allerdings funktioniert darin leider nicht sehr viel so gut, wie es die Reihe bisher zeigen konnte. Allens und Foches Stile sind so unterschiedlich, dass der Bruch sehr stark auffällt. Natürlich ist die Bewertung von Zeichenstilen per se sehr subjektiv, doch muss man einfach festhalten, dass die Ausführung der Gesichter und Szenerie so klobig und unbeholfen daherkommt, dass es einfach nicht überzeugen kann.

Dass das letzte Heft eine mehr oder minder aufeinander aufbauende Aneinanderreihung von Kurzgeschichten der Zeichnerinnen Paris Alleyne, Natacha Bustos, Carmen Carnero, Ig Guara, Alitha E. Martinez und Paco Medina darstellt, rettet leider das Paperback auch nicht. Die Kurzgeschichten sind selbst von den teilweise hoch dotierten Zeichnerinnen nicht mehr aufzuwerten. Es bleibt durchweg ziellos und in kaum einer Faser durchdringend oder gar von Relevanz.

Miles-Morales-8 Das Reich der Spinne Panini
Grauenvoller Abschluss einer Reihe
„Miles Morales: Spider-Man 8 - Das Reich der Spinne“ ist kein würdiger Abschluss für die Reihe und hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack. Die Zahlreichen Künstler können den gänzlich langweiligen Plot nicht retten, zumal sie stilistisch mit allem brechen, was die Reihe bisher aufgebaut hat. Leider ein wirklich ruhmloser Abgang dieser Reihe. So lässt sich nur hoffen, dass der kommende Autor Cody Ziglar mehr Motivation zeigt und der federführende Zeichner Federico Vincentini seiner Reputation entsprechend bombastische Bilder abliefert. Es wäre Schade um die Figur, wenn dies der letzte Stand und Status-Quo bleiben würde.
Pro
seltene Lichtblicke in Design und Handlung
Kontra
Zeichnungen wirken wie abgearbeitete Aufgabe
Handlung repetetiv und sinnbefreit
kein würdiger Abschluss dieser Reihe
2

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Lars Hünerfürst

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