Tee des Monats – China Yunnan Diang Hong Golden Rain

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Die Provinz Yunnan ist die südwestlichste, ärmste und kulturell diverseste Region Chinas. Hochgebirgsplateaus, dichter Dschungel, zerklüftete „Felsenwälder“ und eine riesige Anzahl an Terrassengärten finden sich dort. Die östlichsten Ausläufer der Himalaja Gebirgskette münden in Yunnan und ergießen sich in Täler und Flüsse. Südwestlich dieser Provinz befindet sich Myanmar, welches als subtropisches Nachbarland Chinas eine bisher weitestgehend unprominente Teeproduktion genießt. Die Anbaugebiete Yunnans und Myanmar sind sehr nah beieinander und doch unterscheiden sich die Verarbeitung. Diese Probe für den Tee des Monats erhielt ich vom Händler meines Vertrauens, dem Teehaus Borsigturm.

Gold ist was glänzt

Dieser wunderschön anzusehende Tee wird schonend verarbeitet, im ganzen Blatt fermentiert und ähnlich der Silver Needle auch im ganzen belassen. Man kann sich den weißen Flaum und die silbrige Farbe fast vorstellen, wenn man eines der goldenen Nadeln im Sonnenliicht bewegt. Zur Herstellung dieses Tees werden die zweiten Ernten (Second Flush) verwendet, da dieser etwas kräftiger in Farbe und Aroma ist. Die Gebirgslage und die schonende Verarbeitung der empfindlichen Knospen und jungen Blätter machen diesen Tee zu einem sehr ausgewogenen Genuss.

Wie das Blatt, so glänzt auch der aufgegossene Tee gold-gelb in der Tasse. Das fruchtig nussige Aroma wird komplementiert durch einen sehr feinen, aber würzigen Unterton. Wie auch andere schwarze Teesorten kann dieser Tee mehrere Male aufgegossen werden. Allerdings verliert sich die Stärke der Koffeindosierung, der Geschmack mildert sich bis zum vierten Aufguss leicht ab und fällt dann in eine milde Geschmacksnote hinab. Auch die Färbung der Tasse wird heller und changiert dann von einem eingangs intensiv braun-goldenen Ton ins gelb-goldene.

Kochend oder heißes Wasser?

Häufig steht auf den Anweisungen für Teesorten, dass man diese mit kochendem Wasser aufgießen soll. Allerdings verflüchtigen sich die feinen Aromen und mancher essenzielle Nährstoff geht dabei auch verloren. Daher nutze ich zwar gekochtes, aber nach dem Einschenken in die Thermoskanne ein bis zwei Minuten abgekühltes Wasser. Die Nuancen des Aromas verändern sich schon merklich mit einer anderen Temperatur. Jedoch gilt auch hier Probieren geht über Studieren, also einfach mal testen, was so geht. Empfohlen wird für diese Sorte 100° Celsius heißes und gefiltertes Wasser zu nutzen, das auf ungefähr vier bis fünf Teelöffel Golden Rain für einen Liter Flüssigkeit nach 3-5 Minuten Ziehzeit einen vollmundigen Tee ergebe.

Ich verwendete einen großzügigen Teelöffel für knapp 200 Milliliter des 95° heißen Wassers und gab dem nur einige Sekunden Ziehzeit. Die hohe Konzentration des Tees im (natürlich chinesischen) Gaiwan führt zu einem mindestens genau so großartigen Geschmackserlebnis. Es scheint zudem nicht so schnell zum allseits gehassten bitteren Aroma von Tee zu führen. So oder so, es ist ein wirklich sehr leckerer und weicher schwarzer Tee. Golden Rain ist die vielleicht schönste und geschmackvollste Alternative zu Darjeeling, Assam, Earl Grey und vielen Weiteren.

Wohl bekomm’s

Lars Hünerfürst

Minimalistisch und musikalischer Comic Enthusiast - lief zu Fuß von Berlin nach Paris

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