Biaoren – Die Klingen der Wächter 1

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Dass dieser Manhua (chinesisch für Comic) das Erstlingswerk sein soll, lässt sich kaum glauben. Der Autor Xu Xianzhe begann, wie im Vorwort detailliert beschrieben, erst mit 26 an diesem Comic zu arbeiten und es ist ein gar grandioses Werk geworden. Die Zeichnungen, die Figuren, die Art und Weise wie die Dialoge sich anfühlen, als wären sie historisch dokumentiert, und das gesamte Setting ließen „Biaoren – Klingen der Wächter“ eine der großen Entdeckungen des Jahres 2020 werden. Dieser Manhua erscheint bei Chinabooks.

Die Handlung und das Setting

Die Geschichte des Comics spielt im China des frühen siebten Jahrhunderts. Dem Volk unter dem Tyrannen Yang Guang geht es schlecht und viele Banditen und Kriminelle streifen durch das Land.

Wir beginnen diesen Comic mit einer Frontansicht unseres Helden Daoma, der schnell klarstellt, dass er ein Mann von Prinzip, großen kämpferischen Fähigkeiten und dem geradeheraus gesagten Wort ist. Er ist dabei im Begriff seiner Tätigkeit als Kopfgeldjäger nachzugehen und stellt eine Bande gesuchter Verbrecher. Seine Markenzeichen sind schwarze Kleidung und ein stets gefüllter Sack aus Waffen der unterschiedlichsten Formen und Anwendungsgebiete.

Ihn begleitet sein Sohn, der die Frohnatur und moralische Spiegelfläche der Geschichte verkörpert, Xiaoqi. Dieser trägt ausschließlich weiß, was sicherlich die Anlage der Figur nochmals unterstreicht.

Die Exposition dieser Charaktere liest sich zwar bereits bekannt aus „Lonewolf und Cub“ oder „Road to Perdition“, aber interessant und spannend anders. Dieses ungleiche, aber fantastisch geschriebene Paar reist durch die endlosen Weiten der chinesischen Wüste, immer auf der Suche nach dem nächsten lukrativen Kopfgeld, denn Daoma hat eine Schuld zu begleichen.

Angekommen im Reich der Mo, einer einflussreichen Handelsfamilie in den Weiten der westlichen Wüstenebene, beginnt sich die Geschichte weiter zu entstricken und es zeichnet sich ein thematischer Überbau ab. Daomas Vergangenheit ist ungeklärt, seine Schuld beim alten Mo ebenso. Daomas Prinzipien von Gerechtigkeit und Ehre lassen ihn im Verlauf des ersten Bandes mit einigen weiteren einflussreichen und machtbesessenen Männern in Konflikt geraten und auch mit der Regierung. Er löst dies jedoch jedes Mal in seiner lakonischen und kampferprobten Art und Weise, die dynamisch dargestellt wird und zumal fabelhafte Dialoge mit sich bringen.

Alte Freunde, neue Feinde

Der zweite Teil des Comics führt die Tochter des alten Mo als dritte wichtige Figur der Reihe ein und gibt ihr mehr und mehr Bedeutung. Ayuya ist ebenso eine außerordentliche Kämpferin und meisterhaft im Umgang mit Pfeil und Bogen. Die drei bekommen einen Auftrag, der Daomas Schulden beim alten Mo begleichen und sie in den Geburtsort des kleinen Xiaoqi führen soll, die Stadt Chang‘an.

Der Titel „Biaoren“ wird in den letzten Seiten aus der Handlung heraus erklärt, denn es bedeutete im alten China nicht nur Kopfgeldjäger, sondern auch Geleit- und Personenschützer zu sein.

Wohin die Reise gehen wird und welche anderen Figuren dieser Comic bereithält, das alles ist mit Spannung zu erwarten.

Der Stil

Die Zeichnungen sehen wirklich sehr gut aus und wirken definitiv nicht nach einem japanischen Stil. Der Zeichner und Autor schafft es mit jeder Splashpage und den gezeigten Hintergründen, eine extrem passende und ungemein fühlbare Atmosphäre zu kreieren. Es wird zudem keinerlei Scheu vor Gewalt und abgetrennten Körperteilen gezeigt. Die Kämpfe sind so dynamisch dargestellt, mit so viel Kraft gezeichnet, dass es einem nicht schwerfällt, sich wie in einen Film hineinfallen zu lassen. Die einem Storyboard ähnliche Panelstruktur und Erzählweise bestärken diesen Eindruck. So kann es passieren, dass die hauptsächlich mit Kreuz- und Parallelschraffuren schattierten Panels schneller überblättert werden, weil einen das Tempo der Zeichnungen so fesselt.

Außerdem bieten Boxen im Verlauf des Comics einen historischen Unterbau, der sicherlich nur lose benutzt wird, um die Handlung einzubetten, aber einige sehr interessante Zusammenhänge schildert.

Die für den japanischen Manga typische Komik, die durch stilisierte und übertriebene Gestik und Mimik erzeugt wird, findet auch in diesem Comic seinen Platz, sodass auch der Humor und die Figuren ihre ganz eigene Charakteristik gewinnen. Es wirkt aber in keinem Moment falsch oder unpassend. Für ein Erstlingswerk ist dieser Comic ein wahrer Augenschmaus.

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Fazit
Es ist ein wahrhaft fulminanter und großartiger Start in eine Comic-Reihe, die es in dieser Form sicherlich noch nicht gegeben hat. Man findet darin krasseste Gewalt, herzlichste Momente und Dramatik zwischen den handlungstragenden Figuren, eine Atmosphäre die sich authentisch anfühlt und eine gehörige Menge Spaß beim Begleiten des Daoma und seinem kleinen Sohn Xiaoqi. Ganz großes „Kino“ und eine klare Empfehlung für jeden Leser über 16.
Pro
Klasse Zeichnungen, fantastische Figuren, viel Atmosphäre und ein gelungener historischer Unterbau.
Kontra
Nichts.
10

Lars Hünerfürst

Minimalistisch und musikalischer Comic Enthusiast - lief zu Fuß von Berlin nach Paris.

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