Deadly Class – Der Comic für Nachwuchskiller

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Stell dir vor du seist mittellos, ohne Eltern, ohne Perspektive, Teenager in den 80er Jahren und plötzlich wird dir angeboten Schüler*in einer Elite-Schule, der King’s Dominion, zu werden. Dort ist der Tagesablauf geregelt, es gibt Verpflegung und Gleichaltrige, so gesehen ein verlockendes Angebot. Der einzige Haken daran: Diese Schule bildet Killer aus.

Copyright: Cross-Cult, Deadly Class 1.

Dieses von Rick Remender geschriebene, von Wes Craig entworfene und Jordan Boyd kolorierte Setting, welches bereits in seiner eigenen (leider nicht sehr erfolgreiche) Serienadaption in einer Staffel auf Netflix zu sehen ist, bringt einige Gefahren mit sich. Schließlich befinden sich die Kinder der wahrscheinlich gefährlichsten Mafiabosse, Gangs und Clans der ganzen Welt in einer geheimen Untergrundorganisation. Dort bekommen die Schüler*innen alles beigebracht, das man als Killer gebrauchen könnte. So etwa die Geschichte des Verbrechens, tödliche Chemie fürs Gift herstellen, Waffenkampf und psychologische Abhärtung.

Der Protagonist dieser schon bald abgeschlossenen Reihe ist der, wie bereits beschriebene, obdachlose Marcus. Er begibt sich in eine bedrohliche Welt, in der das eh schon anstrengende Teenager-Dasein auf die Spitze getrieben wird. Drogenexzesse, Gewalt und Sex gehören in dieser Schule dazu, wie auch das ständige Mistrauen und die Angst vor den eigenen Mitschüler*innen.

Die Figuren

Die Schule wird von Meister Lin geleitet. Dieser ist einer der skrupellosesten und gefährlichsten Killer seiner Zeit. Seine Methoden sind unnachgiebig und eiskalt.
Neben Marcus, der durch seine sensiblen und philosophischen Monologe den Leser durch die Geschichte begleitet, finden sich viele weitere sehr interessante Charaktere in dieser Reihe.
Maria, die Tochter eines mexikanischen Kartellbosses, ist gefürchtet für ihren Nahkampf mit dem Fächer.
Saya ist die Tochter eines japanischen Yakuza-Clans, die mit ihrer Katana und ihrem professionellen Kalkül extrem gefährlich ist.
Marcus bester Freund Willie, der Sohn eines Gangbosses aus den USA, ist einer der besten Scharfschützen und ebenso einfühlsam wie sein Freund. Sie stützen sich in dieser lebensfeindlichen Schule und Willie wird eine wichtige Rolle einnehmen im Leben von Marcus.

Im weiteren Verlauf der Geschichte kristallisiert sich auch eine Riege von „Feinden“ in der Schülerschaft. So beispielsweise Viktor. Er ist einer der gefährlichsten Schüler der King’s Dominion. Selber Sohn des privaten Killers Stalins, zeigt er des Öfteren zu welchen Mitteln er greift, um zu gewinnen und zu überleben.
Ein weiterer machthungriger Teenager ist Shabnam. Dieser anfänglich unscheinbare, von allen gemobbte und dickliche Brillenträger wird schnell zu einem der einflussreichsten und mächtigsten Schüler seines Jahrgangs. Seine Spezialität sind Informationsbeschaffung und Intrigen.

Es werden noch weitere Charaktere in den Ausgaben dieser in zehn Paperbacks abgeschlossenen Reihe eingeführt. Die Gründe dafür sollen an dieser Stelle noch nicht enthüllt werden. Nur so viel sei gesagt: Eine Form der Zwischenprüfung ist die Jagd auf Ratten unter den Schüler*innen, also das gegenseitige Töten.

Das Setting und seine Atmosphäre

Neben der Tatsache, dass die popkulturellen Anspielungen sehr dicht und häufig sind, finden sich auch im Design der Figuren und der Settings viele Verweise auf die 80er Jahre der USA. Die Schüler*innen streiten sich manchmal über die Qualität dieses und jenen Musikers, Poster und Kleidung strotzen nur so vor Post-Punk und Marcus großes Ziel ist es von Anfang an den Verantwortlichen für den Tod seiner Eltern zu ermorden, Ronald Reagan.

Copyright: Cross-Cult, Deadly Class 2.

Gerade weil man als Leser so viele Einblicke in Marcus Gedanken erfährt, wächst diese Comic-Reihe sehr glaubwürdig und grandios. Die oft nihilistischen Gedanken des Teenagers reichen weit über die des mörderischen Alltags hinaus. Seine Tagebucheinträge eröffnen einem einen direkten Einblick in die Seele des gebrochenen und häufig ängstlichen Jugendlichen, der nur seinen Platz in der Welt sucht, geliebt werden will und sich nichts mehr wünscht als irgendwann in Frieden zu leben.

Mitunter ergreifen die Monologe so sehr und geben den Figuren so viel fühlbare Tiefe, dass die brutalen und häufig plötzlichen Tode seiner Mitschüler einen ebenso überraschen und mitnehmen wie den Protagonisten selber.

Der Stil

Von Anfang an überzeugt der Zeichenstil, die Farbgebung und das Spiel mit der Panelstrukturierung absolut. Es gibt wohl wenige Comics, die so nah an dem Urteil „Perfekt“ sind. Die Illustrationen sind dynamisch, skrupellos und in ihrer Inszenierung mehr als mitreißend. Sie bilden eines der gelungensten Atmosphären in einem Comic der letzten Jahre.

Die gewählten Perspektiven lassen Anspielungen auf große Action-Regisseure zu, sie saugen einen auf, so dass man sich des Umblätterns gar nicht erwehren kann und man darauf achtgeben muss nicht zu schnell durch zu blättern. Die Action-Szenen sind gleichzeitig selten mit Kitsch oder Klischees überladen. Die Überraschungen und Wendungen sind häufig wirklich einschneidend.

Einiges an Witz, der sich in dieser andersartigen „Coming-of-Age“ Geschichten finden lässt, wird über die Illustration spielerisch erzählt und trifft, wie die Kugeln der Schüler*innen, hemmungslos ihr Ziel. Die Figuren sind nicht ausschließlich bierernst, sondern zeigen sich auch von ihrer kindlichen und leichten Seite. Daraus entsteht eine gewisse Leichtigkeit, die sich in starkem Kontrast zur sonst so brutalen Lebenswelt der Schüler*innen bewegt und wunderbare Momente befördert.

Eines der prägendsten Elemente dieser Reihe ist die grandiose Nutzung von Farbpaletten. Die Stimmungen, die damit erzeugt werden, beleben das Setting um so mehr. Leichte Töne in eher unterhaltsamen Episoden können schnell umschlagen werden, in bedrückend dunkle und kräftige Farben, wenn es dann plötzlich actiongeladen und gefährlich wird.

Fazit

Die Reihe „Deadly Class“ von Rick Remender und Wes Craig ist wohl eine der besten Comics. Die Figuren sind tiefsinnig, ihre Entwicklungen mehr als atemberaubend und schockierend, das Setting nimmt einem mehrfach vor Erstaunen den Atem und lässt es einem kalt den Rücken herunterlaufen. Das Spiel aus Zeichnung, Inhalt und des Mediums Comic ist mehr als gelungen. Es saugt einen blitzschnell vom Anfang eines Paperbacks zum Ende und man will dringend weiterlesen. Das Warten auf den neunten Band hat bald ein Ende, denn diesen November wird die bei Cross-Cult veröffentlichte Reihe fortgeführt. Mit Band 10 ist die Geschichte abgeschlossen.

Kritiker und Fans sind sich einig: Es ist eine der stärksten Comics, die man derzeit lesen kann. Das Setting, mag nicht für jeden Leser geeignet sein, denn die Gewalt ist äußerst explizit, die Darstellung von Sexualität und Drogen ist keines Wegs scheu dennoch, wenn man sich damit anfreunden und lässt man sich einmal in Marcus Welt entführen, kommt man wie er selber nicht mehr aus den Fängen des King’s Dominion heraus und muss den ganzen brutalen Weg bis zum Ende gehen.

Lars Hünerfürst

Minimalistisch und musikalischer Comic Enthusiast - lief zu Fuß von Berlin nach Paris

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