Comics – Eine Einstiegshilfe. Wo soll ich anfangen?

In den letzten zwei Jahrzehnten wurden mehr und mehr Comic-Verfilmungen veröffentlicht. Die wohl erfolgreichsten Filme sind die aus dem Marvel Cinematic Universe (im folgenden nur MCU genannt), die mit Avengers – Infinity War und Avengers – Endgame die derzeit wirtschaftlich besten Filme der Welt an der Spitze der Comic-Filme thronen. Allerdings wurden schon viele Jahre zuvor Comics verfilmt, dessen Ursprung nicht so gehyped oder überhaupt bekannt wurde. Im folgenden sollen also einige Klassiker vorgestellt werden und ein grober Überblick über die Verlagslandschaft und ihre Veröffentlichungsprofile erstellt werden.

Panini

Der durch Sammelalben der letzten Fußballweltmeisterschaften bekannte und Europas größter Verlag von Comics sammelt viele in den USA erscheinende Verlage unter sich. Dazu gehören die Label Marvel (Spider-Man und Co.), DC (Batman, Superman), Bongo Comics (Simpsons) und Vertigo (Sandman). Nebst der Comics und Graphic Novels die Panini vertreibt, führen sie auch eine große Menge Fan-Merchandise.  

Im folgenden werden kurze Einleitungen zu den zwei größten Labels von Panini gegeben. Das Panini-Ink Label für jüngere Leser wird an dieser Stelle auch kurz umrissen.

Marvel

Nahezu jeder kennt Spider-Man, den Hulk und vielleicht auch Deadpool. Diese drei Figuren sind nur die Spitze des Eisbergs. Seit den frühen Sechzigern ist Marvel als das „Haus der Ideen“ eine kreative Schmiede für neue Superhelden und Figuren. 

Die „Fantastic Four“, „Ironman“, „Captain America“, „Dr. Doom“, „Black Widow“, „Mrs. Marvel“, alle „X-Men“, sogar der durch Wesley Snipes dargestellte „Blade“ und noch viele viele weitere Figuren gehören zum Kanon Marvels. Mit über 6000 Figuren, wobei der Großteil davon unbekannt ist, hat Marvel für Jahrhunderte Material für Neustarts und interessante Superheldengeschichten. Denn eines lässt sich über Marvel sagen. Sie schreiben fast ausschließlich über Superhelden.

DC

Die wohl bekannteste Figur dieses Labels ist Superman, direkt gefolgt von Batman, dem dunklen Ritter Gotham Citys. Diese zwei Figuren sind ganz klar die Flaggschiffe dieses Labels, aber DC hat noch einiges mehr im Repertoire. Die Klassiker wie „Watchmen“, „Swamp Thing“, „Hellblazer“, „Wonder Woman“, „The Flash“, „Justice League“ und der „Joker“ sind nur einige der sehr bekannten und viel adaptierten Figuren des Verlags. 

Das DC-Filmuniversum konnte bisher nicht mit Marvel konkurrieren, allerdings scheinen sich die Ketten gesprengt zu haben. Der aktuelle „Joker“ Film kam in den Kritiken gut weg, sowie auch der brandaktuelle sehr actionlastige und definitiv nicht jugendfreie Film „The Suicide Squad“ haben den DC-Fluch der Filmadaptionen lüften können.

Unter DC-Vertigo veröffentlichte der Verlag DC bis 2020 Comics die auch Themen wie Sexualität, Drogensucht und härtere Gewalt darstellten. Das wohl bekannteste und unter Fans meist gefeierte Werk dürfte allerdings „Sandman“ von Neil Gaiman sein. Auch der Comic „V wie Vendetta“, verfilmt mit Natalie Portman und Hugo Weaving, lief einst unter Vertigo. 

Panini-Ink

Dieses vor wenigen Jahren gestartet Label ist speziell an ein jüngeres Publikum gerichtet. Darin werden bekannte Superheldenfiguren, egal ob DC oder Marvel, in Coming-of-Age Geschichten erzählt und bieten zudem einen oft höheren künstlerischen und nicht so einheitlichen Look, der auch für erwachsene Leser sehr interessant sein kann. 

„Miles Morales: Spider-Man“, „Teen Titans“ oder „Moon Girl und Devildinosaur“ sind nur einige lesenswerte Exemplare dieses Labels.

Cross Cult

Der in Deutschland gegründete und auch mit Augenmerk auf deutsche Publikationen ausgelegte Verlag hat mittlerweile ein sehr großes Angebot vieler extrem spannender und international erfolgreicher Reihen. 

Das noch sehr junge Label MangaCult bietet zudem eine Auswahl an Mangas, die oftmals in dicken „Perfect Editions“ herauskommen und gleich mehrere Bände in Einem sammeln.

Die medial bekanntesten Reihen Cross Cults dürften sich mit „Invincible“, „Deadly Class“, „The Walking Dead“, „Hellboy“, „Sin City“ und „Avatar“ umreißen lassen. Alle dieser genannten Reihen haben entweder eigene Serien oder Filme und könnten daher einen gewissen Bekanntheitsgrad haben. Doch wer kennt schon die Comic-Vorlagen? Über einzelne der genannten Reihen soll hier in der Zukunft noch detailliertere Besprechungen folgen. 

Zudem hat der Cross Cult Verlag tolle Comics aus deutscher Feder. „Gung Ho“ und „The Impure“ sind nur zwei fantastische Beispiele für stilistisch, wie auch erzählerisch andersartige Comics, die sich ein wenig weg vom Mainstream bewegen.

Splitter

Der deutsche Splitter-Verlag hat seinen Schwerpunkt auf die frankobelgischen Comics gelegt. Wer dabei sofort an „Asterix und Obelix“ oder „Tim und Struppi“ denkt liegt genau richtig. Allerdings haben die Künstler*innen des frankobelgischen Raums erheblich mehr zu bieten, als nur diese doch etwas in die Jahre gekommenen Reihen. 

Splitter verlegt viele Fantasy und Science-Fiction Comics, wie zum Beispiel Adaptionen von „Die Zwerge“ oder eine ganze Reihe der griechischen Mythologie, in der jede Figur ihre eigene Ausgabe erhält. Auch die mystische Geschichte des „Dschingis Khan“ oder die nordische Mythologie hat ihren Platz bei diesem Verlag und bieten einen großen Lesespaß.

Das Besondere am Splitter-Verlag ist, dass alle Ausgaben in sehr hochwertigen Hardcover-Alben, also großformatige Exemplare, veröffentlicht werden. Nur wenige Verlage bieten zudem ein durchgehend lieferbares Angebot ihrer Werke, was bei Splitter zur Firmenpolitik dazugehört. 

Das Unter-Label „toonfish“ deckt Cartoons und witzigere Themen wie „Die Schlümpfe“ ab und richtet sich speziell an ein jüngeres Leserpublikum.

Avant-Verlag 

Der Berliner Avant-Verlag hat sein Profil auf vornehmlich europäische Künstler gelegt, wobei der Verlag für seine Verdienste um die Pflege des kulturellen Erbes geehrt wurde und zwei Jahre in Folge den Deutschen Verlagspreis erhielt. Sozialkritische, psychologische und zeitgeistliche Titel wie „Heute ist der letzte Tag vom Rest deines Lebens“, „Goldjunge“ (ein Graphic Novel zu Beethoven) und alle von Liv Strömqvist verfassten Comics erscheinen bei diesem Verlag. Gerade die Werke Strömqvist sind ihrem sozialkritischen Gehalt sehr unterschätzt und definitiv Wert gelesen zu werden. Der Verlag nutzt die vielfältigen Perspektiven ihrer Autoren, um über kulturelle, soziologische, Gender- und Identitätsfragen zu erzählen und zur Diskussion anzuregen.  

Allerdings erscheinen auch „leichte Kost“ bei diesem Verlag wie „Adventure Huhn“ oder „der große Böse Wolf“ in denen jungen und alten Lesern eine Plattform eingeräumt wird und zur gemeinsamen Unterhaltung einlädt.

Es gibt natürlich noch unzählige weiter Verlage, die in dieser Liste fehlen und ihren Platz verdient hätten. Allerdings sollte diese „kleine Einführung“ nur einen Überblick verschaffen und vielleicht den Einen oder Anderen interessierten Leser dazu begeistern selber in die Buchhandlung oder den Comicladen des Ortes zu gehen, sich etwas zu bestellen und sich von der „neunten Kunstform“ unterhalten und begeistern zu lassen. 

Ein kleiner Tipp für Spontankäufer: Jeder größere Regional- oder Hauptbahnhof hat einen Buchkiosk in dem sich mittlerweile einige Comics finden lassen. Dort sind es jedoch hauptsächlich Werke des Panini-Verlags, die man dort bekommt.

Lars Hünerfürst

Minimalistisch und musikalischer Comic Enthusiast - lief zu Fuß von Berlin nach Paris

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