Ein Roadtrip durch die USA – Teil 1 – von D.C zum Mount Rushmore

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7.500 Kilometer, 70 Stunden reine Autofahrt, 17 Bundesstaaten, 15 Nächte in 11 Hotels und 3 AirBnB’s, 3 Zeitzonen und trotzdem war es nur ein Bruchteil der gesamten Staaten. Es war trotz dem täglichen Ein- und Auschecken, dem vielen im Auto sitzen und der extremen Hitze ein wundervoller Urlaub und die Kinder reden fast täglich vom Roadtrip und wie gerne sie ihn nochmal machen möchten. Der nächste Urlaub wird also wieder ein Roadtrip, nur dann werden wir uns eine andere Strecke suchen. Aber erstmal möchte ich vom vergangenen Roadtrip bereichten.

Der Plan nimmt Gestalt an

Der Sommer stand uns bevor, in den Staaten haben wir das Glück, ganze 10 Wochen Sommerferien zu haben. Da wollten wir es uns natürlich nicht entgehen lassen, ein bisschen was von dem Land was sich nun unser zu Hause nennt, zu sehen. Nils ist zwar schon extrem viel rum gekommen, mittlerweile sind es schon 45 von 50 Bundesstaaten, aber immer nur dienstlich, was nicht immer sehr spannend ist. Also ging es an die Planung. Da wir wie immer an den Hund gebunden sind, blieb uns nichts anderes übrig, als das Auto zu nehmen. An sich ist Auto fahren durch das Land ja eine schöne Sache, doch um ein bisschen Abwechslung in Flora und Fauna zu sehen, mussten wir doch eine ordentliche Strecke zurücklegen. Ursprünglich war geplant, bis nach Seattle zu fahren, dafür hat uns dann aber doch die Zeit gefehlt. Wir hatten nämlich schon Flugtickets für einen Trip zur Familie nach Deutschland. Somit hatten wir ein Zeitfenster von 15 Tagen. 

Wir haben uns selber gesagt, maximal sechs Stunden am Tag Auto zu fahren, mehr sollten wir uns und den Kids nicht zumuten. 2-3 Stunden am Stück, 1-2 Pausen, das sollte uns genügend Zeit geben, früh genug am Zielort anzukommen, ausgiebige Pausen zu genießen und hier und da einen Ausflug zu unternehmen. Da Seattle zu weit weg war, um in 15 Tagen wieder zurück zu sein, haben wir Mount Rushmore als westlichsten Punkt gewählt. Auf Google Maps haben wir geschaut, welche Städte auf der Route liegen und im sechs Stunden Intervall Hotels gebucht. 

Chicago hat es mir angetan

Das erste Hotel war in Youngstown, Ohio. Nichts besonderes gibt es über diesen Ort zu berichten. Auf dem Weg dorthin hat sich unser Plan, nach 2 Stunden einen Spielplatz zu besuchen, als sehr gut erwiesen. Ein bisschen Bewegung, einen Kaffee für die Erwachsenen, eine Pullerpause für den Hund. Wir haben mit der Zeit gelernt, die besten Spielplätze über Maps ausfindig zu machen und sind den Kindern treu geblieben und haben jeden Tag einen neuen Spielplatz besucht. Wenn da mal nicht Erinnerungen bleiben! Bei der zweiten Pause haben wir uns meistens schon um das Abendessen gekümmert. Irgendein Laden gefunden, der gute Bewertungen hat, nicht teuer ist und für Vegetarier gut geeignet ist. Noch Monate nach dem Roadtrip sehne ich mich nach manchen Läden, die wir so entdeckt haben. Am nächsten Morgen ging es dann nach Merrillville, Indiana. Kurz vor den Toren von Chicago, das nächste Hotel danach lag nur drei Stunden entfernt, um etwas mehr Zeit in Chicago zu haben. Was sich als sehr lohnenswert gezeigt hat! Unser Tag in Chicago fiel auf einen Feiertag, weshalb die Stadt recht ruhig war. Kurzerhand haben wir uns ein Ticket für eine Bootstour durch die Stadt gebucht, den Hund haben wir im Auto in einem klimatisierten Parkhaus gelassen. 

Wie überraschend schön kann eine Stadt sein? Ein bisschen New York Vibes bringen die Wolkenkratzer, aber dann ist da dieser türkisblau Fluss mitten durch die Stadt und der Lake Michigan mit unfassbar schönen Sandstränden. Alles nebeneinander. Was ich ebenso faszinierend fand, waren die Untergründe. Ein Teil der Stadt verfügt über unheimlich komplizierte Tunnelsysteme, die um die 40 Blocks vereinigen. Also eine komplette Underground-Stadt, so hat es sich zumindest angefühlt. Dort unten gibt es nichts zu sehen, es ist dunkel und dreckig aber eben faszinierend, wie damit der Autoverkehr im Stadtzentrum minimiert wird und vor allem kaum Autos auf den Straßen parken. 

Dank der Bootstour haben wir schon so einiges gesehen, aber ich bin mir sicher, die Stadt bietet ebenso viel zu sehen wie New York oder LA.  

Gähnende Leere und dann die Berge

Nach Chicago und dem schönen State Capital von Wisconsin namens Madison ging es an die, wie wir anfangs befürchteten, schlimmste Strecke durch Minnesota nach Sioux Falls und durch South Dakota nach Rapid City. Es wurde zunehmend schwerer Spielplätze zu finden und erst recht gute Lokale für vegetarisches Essen. Gegen South Dakotas Landschaft ist die von Mecklenburg-Vorpommern blühend und exotisch. Es gibt einfach nichts zu sehen. Weit und breit kein Baum, Gesträuch oder auch nur kleiner Busch. Gähnende Leere. Trotzdem war die Fahrt sehr schön, die Zeit ging zügig rum, die Straßen waren so gut wie leer. Und dann ganz plötzlich fingen die Berge an und wir erreichten Rapid City. Es ist bemerkenswert wie unterschiedlich ein Staat aussehen kann. Durch kurvige Straßen krochen wir die Berge hoch und kamen an unserem sehr schönen und einzigen Hotel in dem wir 2 Nächte verbrachten an. Unser Zimmer war abgelegen und hatte den Blick auf George Washingtons Profil im Mount Rushmore. Es war am ersten Tag nur leider so nebelig, dass man nichts gesehen hat. Es wirkte wie im Twilight-Film. Am nächsten Morgen weckte mich Nils sehr früh und gab mir zu verstehen, dass wir am besten jetzt sofort zum Mount Rushmore aufbrechen, denn es geht grad die Sonne auf und es sind noch keine Wolken da. Also alle schnell angezogen und los gedüst in den National Park und wir konnten ganz in Ruhe und fast alleine das monument begutachten, denn der Souvenir-Shop hatte noch nicht auf und es waren noch keine Touri-Busse da. Das Monument selbst ist interessant, aber für mich ohne jegliches Patriotenblut in den Adern recht schnell langweilig. Abgesehen davon macht man sich unweigerlich Gedanken darüber, was diese vier Präsidenten dem Land gebracht haben und wie viele Native Americans für dieses Projekt vertrieben wurden. 

Den Rest des Tages verbrachten wir auf dem wunderschönen Gelände unserer Lodge und in dem sehr touristischen anliegenden Ort Keystone. Es tat sehr gut, mal einen Tag nicht im Auto zu verbringen.

Annegret Hünerfürst

Geboren in der selben Woche, in der die erste Website online kam - gelernte Diätassistentin und Mutter von zwei Kindern

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