Die Tagebücher der Apothekerin – Geheimnisse am Kaiserhof 3

14. Februar 2022
2 Minuten gelesen

Das Leben in der höfischen Gesellschaft, die feinsten Speisen, noble Damen und keine Sorgen darüber, von wem man womöglich überfallen werden könnte, all das wäre bestimmt vorzüglich, würden nicht Intrigen, Machtstreben und Anschläge das Miteinander erheblich stören. Harmonisch ist nur der öffentliche Umgang miteinander; hinter den Kulissen wird geplant und vorbereitet, sodass die Giftkochtöpfe nur so glühen. Doch glücklicherweise ist die Titelheldin der beim Verlag Manga Cult erscheinenden „Die Tagebücher der Apothekerin“ genau darauf spezialisiert.

Das Künstlerkollektiv um Autorin Itsuki Nanao, Zeichner:in Nekokurage und Touco Shino haben die erfolgreiche „Light Novel“ von Natsu Hyuuga in diesem Manga adaptiert.

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Das vorangegangene Sommerfest sollte eine leichte und fröhliche Versammlung wichtiger Würdenträger werden. Allerdings wurde ein Giftanschlag auf die Herrin der Protagonistin Maomao durchgeführt. Dank ihrer jahrelangen Erfahrungen im Umgang mit Giften und ihrer daher großen Toleranz gegenüber verschiedensten Substanzen konnte sie überleben. Der Manga beginnt mit ihrem Erwachen und dem sofortigen Aufnehmen ihrer Pflichten. Mithilfe ihres scharfen Verstandes und ihren medizinischen Fähigkeiten gelingt es ihr, große Teile einer Verschwörung aufzudecken. Mehrere Personen stehen nun unter Verdacht, doch keinem können bislang Beweise zu Lasten gelegt werden.

Maomao entwickelt sich zu einer Art Detektiv, die mit scharfer Kombinatorik, ausgezeichneter Menschenkenntnis und in wenigen Augenblicken Verdächtige zu nennen weiß. Diese Eigenschaften werden in diesem dritten Band überwiegend als handlungstragendes Element verwendet. In einigen Szenen werden zudem das höfische Leben, die Konventionen und kleinen Regeln des Anstands – wie auch in den vorigen Ausgaben (Band 1 und Band 2) – charmant und unkompliziert eingeführt und erklärt.

Da Maomao ihre Heimat, also das Freudenviertel, mal wieder besuchen möchte, erpresst sie einen Beamten, der für sie bürgen muss. Mit gewieften Verhandlungen, einigen kleinen Manipulationen und viel Menschenkenntnis gelingt es schließlich, den inneren Hof zu verlassen. Doch auch im Freudenviertel wird gemordet und vergiftet, sodass sie nur wenig zu ihrer geplanten Erholung kommt. Wir lernen ihren Meister und Vater kennen, ihre vorige Chefin, erfahren mehr zum immer noch bestehenden geschäftlichen Verhältnis zwischen der Freudenhaus-Besitzerin und Maomao. Es kann sogar der Eindruck entstehen, es wäre ein weitaus größerer Plan in all ihrem Handeln und in ihren Fähigkeiten, der erst in den letzteren Ausgaben ausgespielt wird.

Zuzutrauen wäre es der so unscheinbar wirkenden Maomao, die es jedoch faustdick hinter den Ohren hat. Die bereits in den vorigen Bänden stückweise einfließenden Gedanken zu ihrer Rolle und ihrer Situation des „Vogels im Käfig“ werden vertieft und tragen so langsam ihre Früchte.

Der Stil

Der gesamte Manga ist generell sehr sauber und hell gezeichnet. Klar werden in den nötigen Szenen expressive und auch dunkle Linien kräftiger Tinte genutzt, um die Atmosphäre zu erzeugen. Doch allgemein wirkt der Zeichenstil sehr aufgeräumt und klar. Die gezeigte Architektur und die teils sehr aufwendigen Kostüme strahlen eine verspielte Authentizität aus. Mittels ganz konventioneller Methoden wie der Rasterfolie oder Schraffuren werden die Panels belebt und erhalten so ihre eigene Dynamik. Zumeist werden die Schattierungen, Farbflächen oder Hintergründe allerdings mit sich verdichtenden Rasterpunkten umgesetzt.

Nur einige wenige Seiten präsentieren sich in einer Aquarelloptik, da diese sicherlich kolorierte Startseiten sind, wie es im Manga häufig üblich ist. Die Figurendesigns und Gesichtsausdrücke zeigen ein breites Spektrum. Von angsteinflößend und düster bis albern hat der Zeichner Nekokurage seinen Figuren wundervolle Expressionen verliehen. Dabei zeichnet er seine Charaktere mit recht großen Augen, die teils glitzern und eine höhere Komplexität aufweisen. Es ist keine Offenbarung der Manga-Kunst, aber in jedem Fall sehr ansehnlich mit einem guten Auge für Designs von Kleidung und Architektur.

Fazit
Mit diesem dritten Band von „Die Tagebücher der Apothekerin – Geheimnisse am Kaiserhof“ wächst die Protagonistin zu einer Quasi-Ermittlerin im Kampf gegen höfische Intrigen heran. Wunderbare Sherlock-Momente wechseln sich mit empfindsamen Fragen zur Motivation und der Lebenssituation der jeweiligen Opfer ab und schaffen ein umfassendes Bild des Alltags am Hof. Die bereits etablierten Hauptfiguren wachsen in ihrer Tiefe und bieten trotz der vielen inneren Monologe noch genügend Fläche für interessante Aspekte der Entwicklung. Es bleibt spannend, inwieweit sich die Apothekerin Maomao in der Hierarchie nach oben arbeiten kann und wie tief sie unverletzt in die Welt aus Niedertracht und höfischer Etikette eindringen wird.
Pro
Fesselnde Entwicklung des Protagonisten als Quasi-Detektiv, spannende Erkundung des höfischen Lebens.
Kontra
Stilpräferenzen können variieren, gelegentliche Komplexität in hierarchischen Feinheiten.
9.8

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Über den Autor

Lars Hünerfürst

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